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Regensburg
Dienstag, 21. November 2017 7

Neujahrsempfang

500 Gäste wollten OB Wolbergs hören

500 Gäste kamen am Freitagvormittag in Alte Rathaus zu dem Regensburger Traditionstermin in den Historischen Reichssaal.
Von Claudia Böken, MZ

Noch mehr Gäste als im vergangenen Jahr (Archivfoto: Lex) sind für den heutigen ersten Neujahrsempfang von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs angemeldet.

Regensburg.Wer gestern Vormittag erst nach 11 Uhr zum Neujahrsempfang ins Alten Rathaus kam, brauchte Standfestigkeit und viel Geduld: Zu dieser Zeit reichte die Warteschlange bereits bis in die Garderobe, zog sich von dort durch die engen Gänge, durch das Foyer und den ganzen Reichssaal, wo erstmals das neue Bürgermeisterteam um OB Joachim Wolbergs die guten Wünsche und Ratschläge für das neue Jahr entgegennahm. Zwei Stunden lang schüttelten er, 2. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und 3. Bürgermeister Jürgen Huber die Hände der Gäste.

Der Kreis, der zu dem Empfang eingeladen wird, ist immer gleich groß. Die Zahl der Zusagen und die Nachfrage von Bürgern nach Karten sei aber schon lange nicht mehr so groß gewesen, hieß es aus der Verwaltung. 500 Gäste sind in dem Saal zugelassen. Gut, dass niemand die Anwesenden tatsächlich nachgezählt hat, die in drangvoller Enge auf den Beginn der Ansprache des OB warteten. Unter den Gästen, die sich geduldig anstellten, waren auch der ehemalige Oberbürgermeister Hans Schaidinger und der ehemalige 2. Bürgermeister Gerhard Weber.

„Kinder sind ein Beispiel“

Schon die schwungvolle und stimmgewaltige musikalische Eröffnung durch die Band der Albert-Schweitzer-Realschule ließ ahnen: Dieser Neujahrsempfang könnte etwas anders werden, als in den vergangenen Jahren. Gut gelaunt und ohne Redemanuskript erzählt der OB vielmehr von drei Terminen in den letzten Tagen, die ihm wichtig gewesen seien: „Das Bambini-Turniers, bei dem sich Kinder aus Kiew und aus Moskau in den Armen lagen. Davon könnten sich die Politiker in ihren Ländern eine Scheibe abschneiden“.

Am Donnerstagabend hätten junge Leute spontan eine Demo zum Gedenken an die ermordeten französischen Journalisten organisiert, an der rund 200 Personen teilnahmen. Das beweise, dass auch für die Jugend Demokratie, und Meinungs- und Pressefreiheit Werte seien, die ihnen wichtig sind. Kurz darauf das Treffen mit rund 500 Freiwilligen, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren wollen. Für ihn seien das drei Veranstaltungen mit hoher Symbolkraft gewesen.

Seiner Politik liege eigene Überzeugung zugrunde, keine Gutachten von Fachleuten, betonte der OB. Für ihn sei die Stadt kein Dienstleistungsunternehmen mit einem Vorstandsvorsitzenden, kein Laden, in dem man alles kaufen könne. Nach seiner Überzeugung sei es die Aufgabe einer Stadt, die Gegenwart zu gestalten, Chancen und Gerechtigkeit so zu organisieren, dass jeder ansatzweise gut und glücklich leben könne.

„Arbeit ist Würde“

Dazu gehörten Arbeitsplätze, denn ein Job bedeute für die Menschen nicht nur Lohn, sondern vor allem Würde. Dazu gehöre Wohnen: Wohnen sei ein Lebensrecht, aber das könne man nur langfristig und mit Vielfalt organisieren. Allein im vergangenen Jahr seien in Regensburg 1430 Wohnungen neu geschaffen worden. Dazu gehörten Bildung und Bildungsinfrastrultur. Besonders wichtig seien ihm Jugendsozialarbeiter an allen Schulen, „weil wir wollen, dass uns niemand verloren geht.“

„Wenn wir einen Sozialpädagogen beschäftigen, der in die Familien geht, kostet der uns 50 000 Euro im Jahr. Wenn wir ein Kind ab dem sechsten Lebensjahr in Obhut nehmen müssen, kostet uns das eine halbe Million“, warb Wolbergs für seine Überzeugung und mehr städtisches Personal. „Wir kümmern uns um Senioren, wozu wir nicht verpflichtet sind. Diese Stadtgesellschaft betrachtet die Senioren als hoheitliche Aufgabe, auch das hat etwas mit Würde zu tun.“

Besonders viel Applaus bekam der OB für seine Begeisterung, wie gut Flüchtlinge hier von den Bürgern aufgenommen werden. „Wir heißen die Flüchtlinge willkommen und sagen ihnen, ihr seid ab sofort Mitbürger.“

Zwischendurch immer wieder der Dank Wolbergs’ an alle am Wohlergehen der Stadt Beteiligten, an die Wirtschaft, an die Mitbürger, die ihre Stadt lieben. Jetzt gehe es Regensburg zwar gut, aber er sei überzeugt, das alles würden die Bürger auch in schwierigeren Zeiten bewältigen.

Minutenlanger begeisterter Beifall dankte Oberbürgermeister Wolbergs für seine emotionale Rede.

Kommentar

Er ist angekommen

Die Rede beim Neujahrsempfang der Stadt ist von jeher für einen Oberbürgermeister etwas Besonderes. So viele Multiplikatoren aus den unterschiedlichsten...

Applaus für die Premiere

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