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Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Politik

5,3 Millionen für sozialen Frieden

Das Begegnungszentrum im Regensburger Kasernenviertel wird noch größer. Kritiker sagen: Der Standort liegt abseits.
Von Julia Ried, MZ

  • Auf diesem Grundstück am Rande des Kasernenviertels soll ein Begegnungszentrum entstehen. Foto: Lex
  • Im neuen Begegnungshaus soll es Beratung für die Bewohner des Viertels geben – wie hier im Stadtteilprojekt Ost. Foto: Peter Ferstl/Stadt Regensburg

Regensburg.Die Stadt will das bereits 2016 erstmals beschlossene Begegnungszentrum am östlichen Rand des Kasernenviertels noch größer bauen als geplant, das hat der Stadtrat am Donnerstag einstimmig beschlossen. Es soll bis 2019 für knapp 5,3 Millionen Euro errichtet werden, 945 000 Euro mehr als bisher vorgesehen. Das Raumprogramm erweiterte die Stadt um 250 Quadratmeter, auf knapp 1200 Quadratmeter Nutzfläche innen. Die Einrichtung im Südosten, in dem überdurchschnittlich viele sozial schlechter gestellte Bürger leben, soll deren Lage verbessern und für ein besseres Miteinander sorgen.

Zur Erweiterung des Angebots kommt es, weil die Stadt inzwischen für das Areal auf beiden Seiten der Bahngleise durch den Stadtosten – zwischen Greflingerstraße im Norden, dem Odessa-Ring im Süden und der Landshuter Straße im Westen – auch den Zuschlag für das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ bekommen hat. Das Zentrum des geförderten Quartiers soll in dem neuen Begegnungshaus ansässig sein. Die Stadt hofft auf einen Baukostenzuschuss vom Bund.

Verstärkt soziale Problemlagen

Mit dem Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ unterstützt der Bund seit 1999 die Stabilisierung und Aufwertung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligter und strukturschwacher Quartiere. Im Osten gibt aus Sicht der Stadt etwa im Gebiet um die ehemalige Zuckerfabrik und im Bereich Safferlingstraße verstärkt „soziale Problemlagen“, erläuterte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Überdurchschnittlich viele Bewohner seien von staatlichen Transferleistungen abhängig.

Da im Stadtosten sehr verschiedene Bevölkerungsgruppen auf engem Raum zusammenleben, sieht die Stadt einen „besonders großen Bedarf an integrationsfördernden Maßnahmen“. Im für das Programm „Soziale Stadt“ vorgesehenen „Untersuchungsgebiet“, lebten Ende 2015 8648 Einwohner, davon haben 70,1 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit, 29, 9 Prozent nicht; im Durchschnitt liegt der Anteil von Ausländern an der Bevölkerung in Regensburg bei 13,2 Prozent.

In jüngster Vergangenheit hat sich der Ausländeranteil weiter erhöht: Im Stadtosten liegt der Großteil der Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber, dort ist auch die Erstaufnahme und seit kurzem ein Transitzentrum für Geflüchtete mit geringer Bleibeperspektive. „Durch die Ansiedlung von relativ vielen Flüchtlingen im Untersuchungsgebiet im Verhältnis zur ansässigen Bevölkerung muss möglichen sozialen Spannungen unbedingt proaktiv entgegengewirkt werden“, sagte von Roenne-Styra. Außerdem gelte es, das Miteinander der alteingesessenen Bewohner mit den Bewohnern der Neubaugebiete zu fördern und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen.

All dies soll das Zentrum leisten. Die Liste der geplanten Angebote ist lang: Einen Spielbus soll es dort ebenso geben wie ein Jugendzentrum und einen Familientreffpunkt, Beratung und Kurse, etwa zur „sprach- und lebenspraktischen Fortbildung“.

Dass so ein Angebot notwendig ist, darin sind sich Bürgerinitiativen und die Politiker der im Stadtrat vertretenen Parteien einig. „Das freut uns sehr, dass so eine Begegnungsstätte errichtet wird“, sagte Mirjam Dettling, Vorstandsmitglied beim Verein Campus Asyl, der die Integration von Geflüchteten in Regensburg unterstützt. Sie würde gerne mit der Stadt zusammenarbeiten, um das neue Zentrum mit Leben zu füllen. „Ich finde es ein bisschen schade, dass man auf Campus Asyl nicht zugegangen ist“, sagte sie.

Auch Johann Brandl, Vorsitzender des Bürgervereins Süd-Ost, hält die geplante Einrichtung für „toll“ – den geplanten Standort allerdings für ein „K.O-Kriterium“. Aus seiner Sicht ist die Lage am Rand des Kasernenviertels, am Ende einer 300 Meter von der Guerickestraße wegführenden Zufahrt, nicht geeignet. Ein großer Teil der Zielgruppe habe kein Auto, die nächste Bushaltestelle sei aber rund einen Kilometer weit weg. Christoph Thaller, Architekt in einem großen Regensburger Büro und Mitglied des Bürgervereins, teilt seine Bedenken: „Es ist ein Widerspruch in sich, wenn ein Zentrum am Rand eines Gebiets geplant wird. Ich sehe sehr kritisch, dass man sehr viel Geld in einen Neubau investiert, von dem man nicht weiß, wie er funktioniert.“

CSU: Standort ist „fernab“

Aus Sicht der CSU ist der Standort ebenfalls „fernab“, wie Stadträtin Bernadette Dechant kritisiert. „Wir stimmen diesem Begegnungszentrum selbstverständlich zu, auch in der Größe, mahnen aber nach wie vor an, dass wir den Standort falsch finden“, sagte sie am Donnerstag im Verwaltungsausschuss. „Ganz ähnlich habe ich auch meine Probleme mit dem Standort“, sagte ÖDP-Stadtrat Joachim Graf.

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra hält dagegen: „Das Begegnungszentrum liegt mitten im Gebiet, dessen Anwohnerschaft erreicht werden soll. Die Gleise sind zwar eine gewisse ,Hürde‘, aber Kinder und Jugendliche ab der vierten Klasse haben einen Bewegungsradius von circa 1000 Metern.“ Alle anderen Jugend- und Familienzentren in der Stadt lägen ebenfalls am Rand der Wohnbebauung. Dort seien größere Außenflächen möglich und manchmal auch mehr „Spiel- und Spaß“-Lärm.

Die Regierungskoalition positioniert sich nicht ganz so deutlich für diesen Standort. SPD-Stadtrat Dr. Thomas Burger sagte am Donnerstag. „Man kann sich viele Dinge wünschen, die gerade nicht möglich sind. Für uns ist es wichtig, dass wir das Begegnungszentrum jetzt bekommen.“

Das Einzugsgebiet

  • „Soziale-Stadt“-Gebiet:

    Zur Aufnahme in das Bundes-Programm „Soziale Stadt“ schlägt die Stadt den inneren Südosten vor.

  • Entwicklung:

    Der innere Südosten entwickelt sich stark. So wird auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik und an der Safferlingstraße rege gebaut.

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