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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Immobilien

9000 Wohnungen für Regensburg

Die Stadt sieht großes Bau-Potenzial und geht neue Wege. Der Architekturkreis fordert: Sie muss mehr für günstige Preise tun.
Von Julia Ried, MZ

Diese Wohnungen der Stadtbau in Burgweinting werden gerade bezogen. Mit ihrer Wohnbau-Offensive möchte die Stadt erreichen, dass mehr für breite Schichten bezahlbare Wohnungen entstehen. Foto: Ried

Regensburg.Die ersten Früchte der Wohnbau-Offensive der Stadt sind kreisrund und leuchtend rot. So illustriert die Stadt auf einer Karte die „Nachverdichtungs- und Umnutzungspotenziale“, die das Baureferat ausgemacht hat. Insgesamt 9000 Wohnungen können dort bis zu den Jahren 2025 bis 2030 entstehen, auf circa 50 Grundstücken. Vor allem Wohnungen für Menschen mit unterem und mittlerem Einkommen sollen gebaut werden. Deshalb geht die Stadt auch neue Wege, wie uns die Planungsreferentin der Stadt, Christine Schimpfermann, in einer Zwischenbilanz zwei Jahre nach Beginn der Offensive sagte: Die Stadt wird auf vier Grundstücken selbst Wohnungen vermieten und auf einem fünften soll in Zusammenarbeit mit einem Bauträger eine neue Art Werkswohnungen entstehen.

Kürzlich hat die Stadt das ehemalige Bosch-Gelände an der Guerickestraße im Stadtosten gekauft, um es selbst zu entwickeln (die Mittelbayerische berichtete). Bauen wird sie nicht selbst, das übernimmt möglicherweise die Tochter Stadtbau. Allerdings wird die Stadt einmal selbst als Vermieter auftreten, denn nur dann erhält sie die gewünschte Förderung im Rahmen des Wohnungspakts Bayern. Nun gab Schimpfermann bekannt: Diese Zuschüsse will die Stadt auch auf drei weiteren Arealen nutzen: Auf einer Fläche in der Augsburger Straße gegenüber der Autobahnausfahrt Kumpfmühl, die derzeit ein Gebrauchtwarenhändler nutzt, auf einer Baulücke im Stadtosten zwischen Alemannen- und Elferstraße und in bester Innenstadtlage, auf einer Brache in der Fahrbeckgasse, einer Seitenstraße des Minoritenwegs. „Das sind die vier Grundstücke, auf denen die Stadt geförderten Wohnungsbau realisieren will“, sagt Schimpfermann. Die Flächen sind allerdings alle recht klein: Mehr als zwischen 100 und 150 Wohnungen könne die Stadt dort insgesamt wohl nicht errichten lassen, sagt Schimpfermann.

Bauträger verhandelt mit Betrieben

Größer sind die beiden „urbanen Gebiete“ an der Grunewaldstraße im Stadtosten und an der Kirchmeierstraße im Westen, in denen die Stadt neue Möglichkeiten des Baurechts ausschöpfen will und dichter und höher bauen will als in anderen Neubaugebieten. „Da laufen die Vorbereitungen für den städtebaulichen Wettbewerb“, erklärt Schimpfermann. Entstehen sollen gemischte Quartiere mit Wohnen und Gewerben. In einem davon, auf einem 2,2 Hektar großen, derzeit brachliegenden Gelände zwischen Kirchmeierstraße und Gleisen, wird der Grundstücksbesitzer, das Regensburger Immobilien-Zentrum (IZ), staatlich geförderte Wohnungen bauen. Es will vor allem „eine Art Werkswohnungsbau“, so nennt es Schimpfermann, realisieren. Das IZ nennt das Konzept, dessen Zielgruppe Menschen mit unterem bis mittlerem Einkommen sind, „Fair Wohnen Worx“, sagt Vorstandssprecher Wolfgang Herzog auf Nachfrage. „Es werden dabei ganz unterschiedliche Unternehmen und Einrichtungen tätig werden, um eine Durchmischung unterschiedlicher Berufsgruppen zu erreichen.“

Hier sieht die Stadt Wohnbau-Potenzial.

Unter den Flächen, die die Stadt als Baugrund ausgemacht hat, sind auch mehrere noch landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Die größten sind in Weichs-Ost, wo die Grundbesitzer noch auf den für frühestens 2018 angekündigten Hochwasserschutz warten, und an der Galgenbergstraße, wo aktuell das Immobilien-Zentrum ein Quartier plant. In neuen Baugebieten wie diesen müssen Immobilienunternehmen 20 Prozent geförderte Wohnungen bauen, darauf verweist Schimpfermann auf die Frage, wie die Stadt für möglichst günstigen Wohnraum sorgen will. Denn viele Flächen gehören privaten Bauherren, die Stadt kann dort deshalb keinen unmittelbaren Einfluss auf die Mietpreise ausüben. Ein größeres Gebiet allerdings gehört voraussichtlich bald der Stadt: das Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne, über das die Stadt gerade mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verhandelt. Dort plant Schimpfermann eine „Konzeptausschreibung“, die auch künftige Miethöhen festlegt.

Höhere Quote für Sozialwohnungen

Der Regensburger Architekturkreis hält die Wohnbau-Offensive für „gut und wichtig“, wie Vorsitzender Andreas Eckl sagt. Insbesondere dass die Stadt selbst Grundstücke entwickelt, eine konzeptgebundene Vergabe von Flächen plant, begrüßt er. Doch Eckl bezweifelt, dass die Stadt genügend tut, um tatsächlich für breite Schichten erschwinglichen Wohnraum zu schaffen. Es stelle sich die Frage, ob das Wohnbau-Programm „noch verschärft und präzisiert beziehungsweise ergänzt werden muss“, sagt der Architekt. „Es ist konkret zu überlegen, wie man den Wohnungspreis auf den privat vermarkteten Grundstücken steuern kann.“

Da ein großer Teil des potenziellen Baugrunds im Eigentum von Bauträgern sei, sei zu hinterfragen, ob die 20-Prozent-Quote für geförderte Wohnungen in neuen Baugebieten ausreiche. Außerdem sollte die Stadt versuchen, nicht nur in den zwei urbanen Gebieten, sondern auch in weiteren Quartieren dichter bauen zu lassen – mit dem Ziel, dass sich der zusätzliche Umsatz für die Bauherren günstig auf die Mieten auswirkt. Gern würde sich der Architekturkreis bei der Weiterentwicklung der Wohnbau-Offensive einbringen, etwa im Rahmen des „Bündnisses für bezahlbares Wohnen“, dem unter anderem mehrere Genossenschaften angehören. Doch zum ersten Treffen sei die Interessenvertretung der Planer nicht eingeladen worden, bedauert Eckl.

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