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Regensburg
Dienstag, 16. Januar 2018 6

Mobilität

Altstadtverkehr ärgert Bürger

Fußgänger, Fahrradfahrer, Autos – im Regensburger Zentrum wird es schon mal eng. Helfen soll nun auch ein Pilot-Projekt.
Von Heike Haala

Ob Fußgänger, Lieferanten oder Autofahrer – in der Gesandtenstraße wird es schon einmal eng. Foto: Haala

Regensburg.Freitagnachmittag in der Gesandtenstraße, die Stadt ist voll: Viele Menschen haben Feierabend und sind auf dem Nachhauseweg, andere gehen in die Geschäfte zum Einkaufen, Boten liefern ihre Pakete aus, ein Getränkelieferant hat seinen PKW ebenfalls in dem Bereich geparkt. Die Fußgänger schieben sich zwischen den Autos durch. „Es ist so laut und eng“, klagt einer von ihnen über den Verkehr. Und damit ist er nicht der Einzige. „Viele Menschen sehen den Auto- und Lieferverkehr in der Altstadt zunehmend kritisch“, sagt Rolf Thym, Pressesprecher der Stadt.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: „Die Altstadt ist innerhalb der Stadtgrenzen das wichtigste Ziel“, sagt Thym. In der Innenstadt enden an jedem Werktag rund 115 000 Wege. Etwa ein Drittel der Verkehrsteilnehmer erreicht das Zentrum als Ziel mit dem Auto. Die Verwaltung geht davon aus, dass das Verkehrsaufkommen insgesamt gestiegen ist.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Zahl der Einwohner in Regensburg um etwa 21 000 erhöht, im Landkreis seien es über 7000. „Das betrifft schließlich auch den Verkehr im Stadtzentrum“, sagt Thym. Maßnahmen, die die Stadt bereits ergriffen hat, um die Anzahl der Autos in der Altstadt zu verringern, sind laut Thym etwa das Parkraumkonzept, die Radfreigabe, der Welterbe-Management-Plan, der Luftreinhalteplan, das Leitbild für den Einzelhandel oder die Konzepte für einen höherwertigen öffentlichen Personennahverkehr.

Händler sehen größeres Problem

Kathrin Fuchshuber, Chefin im Hotel Münchner Hof, aber geht das nicht weit genug. Für sie und Ingo Saar, Geschäftsführer bei Faszination Altstadt, ist das Verkehrsaufkommen im Zentrum Teil eines größeren Problems: der Überlastung des gesamten Regensburger Verkehrssystems. Deswegen fordert Fuchshuber ein langfristiges Konzept für den Verkehr – und zwar eines, das es ihr ermöglicht, weiterhin wirtschaftlich zu arbeiten. Sie ist darauf angewiesen, spontan Waren in ihr Hotel transportieren zu können. Wenn es regnet oder ihre Gäste zu müde dazu sind, den Koffer vom Parkhaus ins Hotel zu rollen, sollen sie diese auch in Zukunft noch dort vorbei bringen können. Deswegen gehören Autos für Fuchshuber zu einer lebenswerten Altstadt.

Christian Hammer, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland in Regensburg, verfolgt einen anderen Ansatz. Die Freigabe der Altstadt für Fahrradfahrer und die Umgestaltung der Fußgängerzone sieht er als Teil der Lösung. Dass dabei auch Parkplätze wegfallen, indem Gehwege und Straße zu einer Fläche für alle verschmolzen werden, gefällt ihm. Jedoch wünscht er sich diese Umgestaltung nicht lediglich für die Bereiche, in denen die Fußgängerzone saniert wurde oder werden soll. Bedarf dafür herrscht für ihn beispielsweise auch am Emmeramsplatz oder am Kohlenmarkt. „Das wären schöne Plätze“, sagt Hammer. Die parkenden Autos sollten seiner Meinung nach an diesen Stellen verschwinden.

Hammer sieht aber noch weiteren Handlungsbedarf: Am liebsten würde er die Donauparallele entlang der Thundorferstraße und die Achse entlang der D.-Martin-Luther-Straße für den Durchgangsverkehr sperren und dort eine so genannte Kommunaltrasse errichten. Ähnlich hätten es beispielsweise die Hamburger mit der Mönckebergstraße gemacht. Dort teilen sich Fußgänger, Busse und Taxis eine Trasse. Für alle anderen Autofahrer aber sei die Mönckebergstraße aber inzwischen gesperrt.

Gemeinsame Transporte

Die Verringerung des Verkehrs in der Altstadt könnte für Hammer auch durch ein koordiniertes Liefersystem glücken. Teil davon sind Depots, in denen die Lieferungen für die Gewerbetreibenden gebündelt gelagert werden. Gemeinsame Zulieferer könnten die Waren auf einer weiteren Tour in die Geschäfte bringen. Bei diesen Systemen gibt es aber einen Knackpunkt. Ludwig Friedl von der Energieagentur sagt, dass es dabei auf die Dienstleister ankommt: Verschiedene Unternehmen müssten ihr Scan-Codes in Einklang bringen. Nur wenn alle Waren ein gemeinsames Scan-System haben, können sie auch in die Geschäfte weitergeliefert werden.

„Regensburg braucht ein Gesamtkonzept für den Verkehr.“

Kathrin Fuchshuber, Hotel-Chefin im Bayerischen Hof

Umweltamtsleiter Rudolf Gruber hat in Zusammenarbeit mit dem Bayernhafen ein Pilot-Projekt, in der Pipeline, das dem Grundgedanken eines gemeinsamen Liefersystems Rechnung trägt. Konkret handelt es sich um zwei elektronische Lieferfahrzeuge, die sich mehrere Gewerbetreibende teilen. Grubers Hoffnung: Wenn sie Lieferfahrzeuge gemeinsam nutzen, werden es unterm Strich weniger Fahrzeuge sein, die in der Altstadt unterwegs sind. Der Startschuss könnte im Sommer fallen.

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Der Lieferverkehr der Zukunft

  • Micro Depots:

    Elena Marcus-Engelhardt, Leiterin der Abteilung für Kommunikation und Politik des Bundesverbands Paket und Expresslogistik, kennt die Liefersysteme der Zukunft. Kleine Depots – ob Container, Wechselbrücken oder Immobilien – in den Randgebieten von Innenstädten könnten helfen, die Einzelhändler mit Waren zu versorgen und gleichzeitig den Verkehr in den Zentren zu reduzieren. In diesen Depots, sollen die Waren aller Einzelhändler zwischengelagert werden.

  • Priorisierter Zugang:

    Geliefert werden könnten diese laut Marcus-Engelhardt mit Lastenfahrrädern oder kleineren E-Fahrzeugen, die dafür jederzeit ins Zentrum fahren dürfen. Allerdings gebe es im Moment Probleme mit Flächen für die Depots.

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