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Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Rede

Am Ende überkam den OB Wehmut

Der Neujahrsempfang der Stadt Regensburg dauerte am Freitag so lange wie seit Jahren nicht mehr. Kein Wunder: Es war der letzte von Hans Schaidinger.
Von Heike Haala, MZ

  • An die 500 Gäste lauschten am Freitag der letzten Neujahrsrede von Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU).Fotos: Lex
  • Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) herzt die Landtagsabgeordnete Margit Wild (SPD). Im Hintergrund unterhält sich Bürgermeister Gerhard Weber mit Staatssekretär Albert Füracker.

Regensburg.Eine halbe Stunde dauerte die Rede von Hans Schaidinger (CSU) beim Neujahrsempfang der Stadt. Im Historischen Reichssaal des Alten Rathauses sprach er vor allem über die Innovationskraft Regensburgs. Danach brandete frenetischer Applaus für ihn auf. Schaidinger trat ein paar Schritte neben sein Rednerpult vor dem Thron mit dem Baldachin und verneigte sich zweimal kurz vor den rund 500 Gästen. Dann ließ er seinen Blick einige Atemzüge lang über die Köpfe seiner Gäste schweifen, bevor er sich erneut verneigte – diesmal besonders tief. Schließlich gab er den Musikern auf der Empore ein Handzeichen, damit sie zu spielen beginnen. Später gab Schaidinger im MZ-Gespräch zu, dass dieser Moment für ihn ein emotionaler gewesen ist. Die Sekunde, in der ihm klar wurde, dass das seine letzte Neujahrsansprache als Regensburger Oberbürgermeister im Alten Rathaus war.

Händeschütteln im Akkord

Sollten Schaidinger sowie seine Bürgermeisterkollegen Gerhard Weber und Joachim Wolbergs am Samstag mit einem Muskelkater im rechten Arm aufgewachen, werden sie sich nicht lange fragen müssen, warum. Das Defilee der Gäste im Alten Rathaus dauerte in diesem Jahr nämlich besonders lange. Die Rechten der drei Bürgermeister dürften gestern wohl die meist geschüttelten Hände der Stadt gewesen sein. Um 11 Uhr stellten sich die ersten Gäste entlang der roten Kordel im Historischen Reichssaal an, um Schaidinger, Weber und Wolbergs ihre Neujahrswünsche zu überbringen. Gegen 12.30 Uhr defilierte der letzte Gast an den drei Bürgermeistern vorbei.

Die Fanfaren der Bläser der Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg ertönten. Um die Gäste auf die Rede des Oberbürgermeisters einzustimmen, ließen sie außerdem ein Stück erklingen, das sich aus Sequenzen von Georg Friedrich Händels „Halleluja“ aus dem Messias und dem Gospelklassiker „When the Saints Go Marching In“ zusammensetzte.

Schaidinger zielte während seiner Ansprache auf die Innovationskraft und die Zukunft der Stadt Regensburg ab. Während des ersten Teils ging er auf die Orte in einer Gesellschaft ein, an denen Neues entsteht: „Das Neue, das heute in die Welt will, entsteht nicht mehr in aufgewühlten philosophischen Debattierrunden – es entsteht in Forschungslaboren, Entwicklerwerkstätten und Denkfabriken“, sagte Schaidinger. Die Bürger müssten intensiv daran arbeiten, dass Regensburg selbst ein Ort ist, an dem Neues entsteht.

Gefälliges Schmunzeln erntete er für seine Aussage, dass Regensburg eine Stadt sei, in der der bekannte Verhinderungs-Dreisatz nicht befolgt wird: „Erstens: Das haben wir immer so gemacht! Zweitens: Das haben wir noch nie so gemacht! Und drittens: Da könnte ja jeder kommen!“ Deswegen hätten Orte wie der IT-Speicher, der Tech-Campus, das Innovationszentrum oder der Biopark entstehen können. Und deswegen liege Regensburg laut der aktuellen Prognos-Studie derzeit bei der Entwicklungsdynamik auf Platz eins unter allen 403 deutschen Städten und Landkreisen. An dieser Stelle brandete spontaner Applaus im Saal auf.

Ehrenamt hält die Stadt zusammen

Die Gäste im Historischen Reichssaal klatschten auch an zwei weiteren Stellen von Schaidingers Rede: Als er auf die ehrenamtlich engagierten Bürger einging, die sich in Regensburg einbringen: „Sie sind das, was die Stadt im Innersten zusammenhält.“ Auch eine Gruppe junger, ehrenamtlich Engagierter hatte der OB deswegen zum Neujahrsempfang eingeladen. Außerdem ernteten die Helfer bei der Jahrhundertflut den Applaus des Publikums, als Schaidinger auf sie einging.

Zuletzt sprach Schaidinger Themen an, die die Stadt in Zukunft beschäftigen werden. Der Stadtverkehr, insbesondere der öffentliche Verkehr, könne Schaidingers Auffassung zufolge nicht mehr allein über Investitionen in die Grundinfrastruktur geregelt werden. Jetzt müsse die intelligente Vernetzung der vorhandenen Strukturen beginnen.

Neugierde und Offenheit

Auch sei die europäische Stadt seit 500 Jahren ein höchst nachhaltiges Siedlungsmodell. Sie werde nach Schaidingers Ansicht auch das Entscheidungsmodell für die Zukunft, weil niemand gleiche Strukturen in allen Teilräumen eines Landes bezahlen könne. Zudem würde eine Generation, die vollversorgt in Frieden und Wohlstand aufgewachsen ist, andere Prioritäten setzen: Entschleunigung, sinnerfüllte Tätigkeit und verantwortungsbewusste Wertschöpfung werden in den Augen des OB wichtiger sein als Gehaltshöhe und Statussymbole. Für diese Herausforderungen gab Schaidinger den Regensburgern – auch mit dem Verweis auf zugewanderte Mitarbeiter – auf den Weg: „Die Stadt hat in ihrer Geschichte immer dann geblüht, wenn sie neugierig und offen war.“

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