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Regensburg
Donnerstag, 18. Januar 2018 9

Gastronomie

Asiagourmet füllt Lücke im Hauptbahnhof

Dort, wo Mustafa Yelkenci 16 Jahre Döner verkaufte, herrscht seit Monaten Leere. Sein Mietvertrag wurde nicht verlängert.
Von Heinz Klein

Wo Mustafa Yelkenci 16 Jahre lang Döner und Börek verkaufte, herrscht seit Monaten öde Leere. Das soll sich nun ändern. Foto: Klein

Regensburg.Nein, hungern muss man nicht im Regensburger Hauptbahnhof, das Angebot ist ausreichend. Es droht also nicht unbedingt ein Leerstand im Magen des Reisenden, seit Mustafa Yelkenci mit seinen türkischen Spezialitäten aus dem Bahnhof ausgezogen ist, aber der Leerstand im Gebäude fällt einfach optisch auf. Und das nicht unbedingt angenehm.

Hinter den fünf gelben Säulen, die nur notdürftig halbhoch weiß gepinselt sind, herrscht seit Monaten gähnende Leere. Auch klafft eine Lücke in der Grundversorgung mit Döner Kebab, türkischer Pizza oder Börek. Stattdessen wird es dort bald asiatische Speisen geben, kündigt Anton Knapp, Sprecher der Deutschen Bahn in München, an.

Mietvertrag nicht verlängert

Mustafa Yelkenci war 16 Jahre Gastronom im Bahnhof. Foto: Klein

Asiagourmet ist der neue Pächter. In den ersten Januartagen soll der Innenausbau des neuen Lokals beginnen, das dann baldmöglichst mit Spezialitäten aus der vietnamesischen, thailändischen und chinesischen Küche eröffnen soll.

Warum der lange Leerstand? „Völlig normal“, sagt Bahnsprecher Anton Knapp. Es habe sich bei der Vermietung keine Lücke ergeben. Auch habe die Bahn keine Probleme gehabt, einen neuen Pächter zu finden. Warum man Mustafa Yelkencis Vertrag nicht verlängert habe, bleibe natürlich ein internes Thema.

„Ich war immer ein bisschen so was wie ein Papa vom Bahnhof.“

Mustafa Yelkenci, ehemaliger Bahnhofsgastronom

Mustafa Yelkenci ist mit seinem „Mediterrani“ nur über die Bahnhofsstraße auf die andere Seite gezogen. Aus der Hausnummer 18 wurde die 17. 16 Jahre war der Gastronom mit türkischen Wurzeln im Bahnhof. Er wäre auch geblieben, allerdings, ohne zur Miete auch noch Umsatzbeteiligung zahlen zu müssen. „Eine Umsatzbeteiligung ist im Hauptbahnhof generell üblich“, versichert Bahnsprecher Anton Knapp. Das betreffe auch die anderen Mieter im Bahnhofsgebäude.

Natürlich ist ein Bahnhof ein sehr spezieller Standort mit speziellen Öffnungszeiten und auch einem sehr speziellen Publikum. „In 16 Jahren kann man dort wirklich viel erleben“, sagt Mustafa Yelkenci. Sein Bahnhofs-Mediterrani öffnete um 5 Uhr früh und schloss um 2 Uhr nachts, wobei das mit dem Schließen auch eine etwas spezielle Sache war, denn wie schließt man ein Lokal, das nur aus einer viele Meter langen Theke besteht und keine Tür hat?

Den Bierhahn gedrosselt

Das Mediterrani findet sich nun auf der Seite der Bahnhofstraße. Foto: Klein

Ab 1 Uhr nachts drehte Mustafa Yelkenci den Bierhahn zu und schenkte auch sonst keine Alkoholika mehr aus, erzählt er. Auch am Morgen gab es Alkoholisches erst ab 7 Uhr früh. Das deckte sich nicht ganz mit den Erwartungen mancher Besucher, denen um 5 Uhr morgens durchaus ein Bier schmeckt. Manche brauchten auch kein Bier mehr, die hatten schon genug davon intus und zusätzlich noch volle Dosen in der Manteltasche. Ärger mit Betrunkenen gab es nicht selten, aber selten mit dem Wirt. „Die stritten sich meistens untereinander“, erzählt Mustafa Yelkenci.

„Ich war immer ein bisschen so was wie ein Papa vom Bahnhof“, sagt Mustafa Yelkenci. Foto: Klein

Der ehemalige Bahnhofsgastronom verstand sich auch immer ein bisschen wie „ein Papa vom Bahnhof“. Reisende, die große Wartezeiten und nur kleinen Hunger hatten, durften trotzdem an den kleinen Tischchen sitzenbleiben. Und wer Hunger, aber kein Geld hatte, bekam bei Mustafa Yelkenci auf Treu’ und Glauben meistens trotzdem etwas zu beißen. Der Wirt wurde dabei aber auch selten enttäuscht. Die meisten, die in der Kreide standen, seien wieder gekommen, um ihre Dönerschulden zu begleichen.

Der Anblick der Drogenabhängigen macht Yelkenci traurig

Natürlich ist das Thema Drogen in und rund um den Bahnhof absolut virulent. Mustafa Yelkenci verliert kein schlechtes Wort über die Drogenabhängigen, aber ihr Anblick macht ihn traurig. „Sind trotzdem gute Leute, man müsste sie nur ordnen“, sagt er in gebrochenem Deutsch. Dass manche Menschen keinen Sinn mehr in ihrem Leben finden, außer an den nächsten Schuss zu kommen, kann der Gastronom überhaupt nicht verstehen. Seinen Lebenssinn findet er in der Arbeit. „Ich bin glücklich, aber man muss beschäftigt sein.“

„Die stritten sich meistens untereinander.“

Mustafa Yelkenci über die betrunkenen Kunden

Beschäftigt war Mustafa Yelkenci in den letzten Monaten sehr. Er hat den Standort seines neuen Mediterrani gründlich saniert und sein Lokal blitzsauber herausgeputzt. Was er sich nun bei allem Verständnis für Drogenabhängige noch wünscht, ist ein gutes und etwas anderes Publikum. Er scheint es auch gefunden zu haben.

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