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Regensburg
Sonntag, 18. Februar 2018 2

Aufruf

Blutkrebs: Beate sucht Lebensretter

Seit Jahren kämpft die 42-jährige Regensburgerin gegen Leukämie. Ihre einzige Chance: eine baldige Stammzellenspende.
von Micha Matthes

Vor vier Jahren ging Beate mit einer Erkältung zum Arzt. Dort erhielt sie die Diagnose Leukämie. Foto: Beate W.

Regensburg.Der Tag, an dem Beates Welt zusammenbrach, liegt nun vier Jahre zurück. Heute kämpft sie noch immer. Alles hatte mit einer vermeintlichen Erkältung angefangen. „Ich hatte eine Mandelentzündung mit Fieber, die einfach nicht mehr vergangen ist“, erzählt die 42-jährige gelernte Autolackiererin aus Regensburg. Beates Arzt machte einen Test. Es stellte sich heraus, dass sie Leukämie hat. „Ich hätte noch eine Woche zu leben gehabt, es zog mir komplett den Boden unter den Füßen weg“, sagt Beate. „Weil der Knochenmarktest ergeben hatte, dass der Anteil der kranken Zellen bei 90 Prozent lag, musste ich direkt zur Chemo.“

Der Krebs kehrte zurück

Obwohl sich damals bei einer großangelegten Typisierungsaktion schon einmal rund 1000 Regensburger als Spender registrieren ließen, war der richtige „genetische Zwilling“ nicht dabei. Schließlich sprang Beates Halbbruder als Spender ein. Die Übereinstimmung der Stammzellen lag aber nur bei 50 Prozent. Die Hilfe wirkte daher nur dreieinhalb Jahre lang nach. „Das war nur zur Überbrückung, weil wir niemand anderen gefunden hatten“, erzählt Beate. „Eigentlich bräuchte ich einen Fremdspender.“

Die Typisierungsaktion

  • Jede Person zwischen 17 und 45

    Jahren, die gesund ist, kann sich prinzipiell registrieren lassen. Blutstammzellen spenden kann man bis zum vollendeten 60. Lebensjahr.

  • Auch online

    kann man sich unter www.akb.de registrieren, wenn man keine Zeit hat, zu der Typisierungsaktion am Sonntag in der Clermont-Ferrand-Halle zu kommen. Dann bekommt man ein Lebensretter-Set nach Hause geschickt.

  • Jede Erstregistrierung

    kostet die Stiftung AKB 40 Euro. Daher helfen auch Geldspenden an Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern, IBAN: DE67 7025 0150 0022 3946 88, Verwendungszweck: Beate.

Jetzt ist der Krebs zurück. Beates kranke Zellen haben sich erneut so stark vermehrt, dass sie zwischenzeitig wieder bei 86 Prozent lagen. Am Sonntag sind die Regensburger nun dazu aufgerufen, sich bei einer erneuten Typisierungsaktion registrieren zu lassen, um Beate oder anderen Leukämie-Patienten als potenzielle Stammzellenspender das Leben zu retten. Die Aktion findet ab 12 Uhr im Rahmen des Fußball-Bezirksfinale-Turniers Oberpfalz in der Clermont-Ferrand-Halle (Clermont-Ferrand-Allee 23) statt. „Ich habe große Hoffnungen“, sagt Beate. Der Aufruf habe sich über die Medien und die sozialen Netzwerke schnell verbreitet. „Es wäre super, wenn sich ein 99-prozentiger oder sogar 100-prozentiger Spender finden würde.“ Im Allgemeinen stehen die Chancen dafür gut. Weil Beate einen sehr seltenen Gen-Defekt hat, gestaltet sich die Suche aber schwieriger. Die HLA-Werte müssen übereinstimmen. Das humane Leukozytenantigen-System (HLA) ist eine Gruppe von Genen, die für die Funktion des Immunsystems zentral sind.

Beate kämpft gegen den Krebs. Foto: Beate W.

Die meiste Zeit verbringt Beate momentan im Uni-Klinikum. „Meine Stammzellen sind tot – da kommt nichts mehr“, sagt sie. „Es ist ein ewiges hin und her, weil kein Immunsystem mehr da ist. Man kann überhaupt nicht raus unter Leute gehen. So geht es über Jahre. Mein Körper hat sich nie richtig erholt.“ Der Kampf ist sehr schmerzhaft. „Die ganzen Behandlungen – es ist der Wahnsinn, was der Körper da aushalten muss. Du hast keinen Appetit, kannst nichts essen.“ Zusätzlich kämpfen Leukämie-Patienten oft mit vielen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Infektionen oder Abszessen.

„Es ist sehr wichtig, dass sich möglichst viele Leute registrieren, weil immer noch jeder zehnte Patient keinen passenden Stammzellenspender findet, obwohl in der weltweiten Datenbank schon 32 Millionen Menschen registriert sind“, sagt Dr. Cornelia Kellermann, Mitarbeiterin der Koordination der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern. „Unser Ziel ist es, die Datenbank weiter auszubauen, damit jeder Patient irgendwann den richtigen Spender finden kann.“

Junge Leute als Spender gefragt

Anders als oft angenommen, befinden sich die Blutstammzellen im Knochenmark. Das Rückenmark hat damit nichts zu tun. Bei einer Spende werden die Stammzellen also meist über die Vene abgenommen. Dafür bekommt der Spender mehrere Tage vor der Spende ein Medikament. Es sorgt dafür, dass der Körper mehr Stammzellen bildet, die dann ins Blut gelangen. Ärzte können die Stammzellen schließlich aus dem Blut filtern. Das dauert nur wenige Stunden.

Die 1000 Personen, die sich 2014 in Regensburg bei der ersten Typisierungsaktion für Beate registrieren ließen, seien eine sehr positive Anzahl, sagt Kellermann. „Aber es ist immer ausbaufähig.“ Vor allem junge Leute seien gefragt, weil ihre Stammzellen viel besser im Patienten anwachsen.

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