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Regensburg
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Tourismus

Braucht die Stadt noch mehr Hotels?

Ein Plus von 1000 Betten: Das ist der Bedarf, den die Tourismus GmbH für die Zukunft anmeldet. Die Regensburger Hotellerie läuft dagegen Sturm.
Von Gertrud Baumgartl, MZ

Das heuer eröffnete Hotel Jakob am Jakobstor Foto: MZ-Archiv/ altrofoto.de

Regensburg.Eine Million Übernachtungen pro Jahr: Das ist das Traumziel von Sabine Thiele, der Geschäftsführerin der Regensburger Tourismus GmbH (RTG). Um das zu erreichen, müssten jedoch deutlich mehr Betten her. „Ich kann schon für den Schlachthof kein richtiges Marketing betreiben“, klagt sie. Dort soll zum 1. April 2016 ein Tagungszentrum für rund 800 Teilnehmer eröffnen. Über zehn Anfragen lägen ihr schon vor. Das Problem sei nur: Wer nach Regensburg kommt, tut das wegen der Attraktivität der Stadt. „Und da kann ich die Leute nicht ins Umland schicken.“

„Fünf bis sechs Häuser mehr“

Wie sie glaubt, fehlen in Regensburg 1000 Betten, um für den Tagungs- und Kongress-Tourismus gerüstet zu sein. Das entspräche fünf bis sechs Hotels. Eines davon, so hofft sie, könnte auf dem Nibelungenareal in komfortabler Nähe zu Uni und Technologiezentrum entstehen. Fünf bis sechs Häuser seien notwendig, um den künftigen Bedarf zu decken. Die Zahlen für die Auslastung der Regensburger Hotelbetten sind unbestritten: 45 Prozent. Das bedeutet, dass übers Jahr jedes zweite Bett leer steht. „Aber die Zimmerbelegung ist deutlich höher“, schätzt Sabine Thiele: „Über „60 Prozent im Durchschnitt, in der Altstadt sogar über 80 Prozent“. Belegbar sind die Zahlen jedoch nicht, schränkt sie ein. Ihres Wissens ist man im Amt für Stadtentwicklung ohnehin dabei, den alten Hotel-Bedarfsplan, der nur bis 2012 reichte, fortzuschreiben. Bei den Regensburger Hoteliers sorgen Thieles Forderungen nach mehr Betten für hörbaren Unmut. Rechtsanwalt Ulrich Korb vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband ist sich sicher, dass die Hotels den Ansturm der Tagungsgäste vom künftigen Schlachthof mühelos verkraften. „Nicht einmal zu Katholikentag waren alle Zimmer reserviert“, weiß er. Obendrein ärgert ihn die Informationspolitik: Von Plänen der Stadt, einen neuen Hotelbedarfsplan zu erstellen, sei er nie informiert worden.

Rückläufige Zahlen

Nach einer früheren Studie des Amtes für Stadtentwicklung aus dem Jahr 2008, die den Bedarf bis 2012 feststellte, fehlten 700 Betten in der Stadt. Dass eine Aufstockung der Kapazität den Hoteliers nicht schade, wurde ihnen von den Planern vorgerechnet: Ab einer Bettenauslastung von 41 Prozent würden Betriebe auch mit Gewinn arbeiten können.

Kathrin Fuchshuber, die kürzlich mit anderen Regensburger Hotelbetreibern den Verein „hotels-in-regensburg.com.ev“ gründete, um das Marketing selbst in die Hand zu nehmen, verweist auf jüngste Zahlen: Im Vergleich zum Vorjahr gingen 2014 die Hotelbuchungen um zehn Prozent zurück. Das beste Jahr sei das Papstjahr 2006 gewesen, danach sanken die Zahlen leicht, aber stetig nach unten. In vergleichbaren Städte wie Ingolstadt oder Augsburg stünden Kollegen viel besser da.

Sinkende Übernachtungszahlen kann Dr. Martin Kammerer als Geschäftsführer des IHK-Gremiums in Regensburg nur bestätigen. So gingen zwischen November 2013 und April 2014 die Übernachtungen um 3,5 Prozent zurück. Die unterschiedlichen Sichtweisen von RTG und Hoteliers zum Bedarf möchte er am liebsten an Wolbergs versprochenen Runden Tisch gemeinsam aushandeln.

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