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Regensburg
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Justiz.

Brutaler Hieb gegen den Kehlkopf

Ein stark betrunkener Gast griff in Regensburg einen Kellner an. Er kam mit einer Bewährungsstrafe davon.
Von Marion von Boeselager, MZ

Der Angeklagte (Mitte) mit Verteidiger Philipp Janson und dem Dolmetscher. Foto: Boeselager

Regensburg.Wegen einer ebenso brutalen wie grundlosen Attacke gegen den Kellner eines Lokals im Stadtosten stand am Donnerstag ein 45-jähriger Deutsch-Russe vor dem Schöffengericht. Die Anklage warf dem Verpacker, der seit 14 Jahren in der Bundesrepublik lebt, aber kaum Deutsch spricht, versuchten Raub und gefährliche Körperverletzung vor.

Angeklagte wollte Handy des Opfers

Wie der Geschädigte im Zeugenstand berichtete, kam der offenbar betrunkene Mann im Oktober letzten Jahres abends in das Restaurant und begann zu pöbeln. „Ich fragte ihn: Was ist los? Wo ist das Problem?“, so der 29-Jährige. Der Mann habe auf einen Döner gezeigt, den der Mitarbeiter rasch in Auftrag gab, „damit wir ihn schnell wieder aus dem Lokal haben.“ Danach bat der Gast in aggressivem Ton, in einen Nebenraum zu gehen. „Ich dachte erst, ihm ist unangenehm, dass er nicht zahlen kann.“ Doch dann habe der andere zwei Handys herausgezogen, die zu Boden fielen. Die Lokalkraft hob sie auf und gab sie zurück. Da fragte der ältere Mann unvermittelt, ob er Edward Snowden kenne. Dann forderte er: „Gib mir dein Handy!“ Doch der 29-jährige sagte nein: Da sei kein Guthaben drauf. Da griff der Gast nach der Schürzentasche und dem Mobiltelefon des Geschädigten. Der wich zurück und kassierte einen wuchtigen Faustschlag gegen seinen Kehlkopf. Der junge Mann schnappt nach Luft und ergriff die Flucht. Der Schläger verfolgte ihn hinter den Tresen und lief ihm noch ein langes Stück außerhalb des Lokals nach, bis ihm wohl die Puste ausging. Er ließ sich an einer Bushaltestelle nieder und stieg in einen Bus. Das Opfer hatte aber die Polizei verständigte, die den Täter aus dem Bus holte. Der Alkotest zeigte über zwei Promille an.

Vor Gericht bestritt der Angeklagte die Tat nicht, machte aber alkoholbedingte Erinnerungslücken geltend. Er habe zuvor mit Bekannten zwei Flaschen Wodka gebechert. Auf dem Weg in eine Disco habe er die Leute aber verloren. Da seine Handys kein Guthaben mehr hatten, sei er wohl in dem Lokal gelandet, um zu telefonieren, vermutete er. An den Schlag erinnere er sich nicht. Er entschuldigte sich bei dem Geschädigten, der seine ausgestreckte Hand auch annahm. „Ich verstehe nicht, wie das passieren konnte“, sagte der bisher in Deutschland nicht vorbestrafte Verpacker. Und er meinte: „Kein Wodka mehr!“

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„An Sinnlosigkeit kaum zu überbieten“

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Dr. Wolfhard Meindl verurteilte den Angeklagten für „das an Sinnlosigkeit kaum zu überbietende Geschehen“ zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und zur Zahlung von 250 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten. Nur durch Glück habe der Schlag keine schlimmeren Folgen gehabt als Schmerzen und vorübergehende Atembeschwerden. Er hätte ebenso zu lebensgefährlichen Komplikationen und sogar zum sofortigen Tod führen können, so Dr. Meindl. Auch die Staatsanwältin und der Verteidiger hatten Bewährungsstrafen beantragt.

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