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Regensburg
Montag, 11. Dezember 2017 5

Beteiligung

Bürger haben wenig für Befragung übrig

Viele Regensburger halten die Aktion für zu teuer und glauben nicht, dass sie damit etwas bewirken können.
Von Daniel Geradtz, MZ

Wolfgang Gnad ist mit der Art der Fragestellung nur „bedingt“ zufrieden. Foto: Geradtz

Regensburg.Hier kommen die Menschen Woche für Woche zusammen: Auf dem Markt haben sie die Zeit, sich über das zu unterhalten, was in der Stadt passiert und was sie beschäftigt. Sie nehmen sich die Zeit, um mit Marktbeschickern oder anderen Kunden darüber zu reden. Zwischen Kartoffeln, Eiern und Fleisch hörte die MZ sich um, was die Regensburger zur Bürgerbefragung zu sagen haben.

„Das ist doch eh schon erledigt“, sagt ein Besucher des Donaumarkts angesichts der Antworten auf die Fragen, die seiner Ansicht nach nicht alle Meinungen abbilden können. Uwe Steinert äußert sich da schon optimistischer – Steinert ist ein zugezogener Regensburger. Als er seine Einkäufe in den Fahrradkorb einräumt erklärt er, für ihn sei es wichtig, dass die Bürger in den Planungsprozess eingebunden werden. Schließlich betreffe es sie. „Ich finde es schon gut.“ Er hatte zunächst noch keine Gelegenheit, um sich mit der Broschüre und der Befragung auseinanderzusetzen, holte dies aber in der zweiten Hälfte des Befragungszeitraums nach.

Die Regensburger nehmen durchweg kritische Positionen ein. Eine Marktbeschickerin sagt: „Es ist geschäftsschädigend, wenn die Autos nicht mehr in die Stadt fahren dürfen.“ Sie wünschten sich außerdem eine klare Fragestellung, der man entweder zustimmen oder die man ablehnen kann.

Kritik an der Fragestellung

Ein Mann aus dem Stadtosten sagt, ihm komme die Bürgerbefragung „nicht ganz sauber“ vor. Ihm stelle sich die Frage, wie man mit dem Fragebogen umgehen sollte. Er fragt: Soll man einen Kommentar draufschreiben oder ihn erst gar nicht zurückschicken? Wie er persönlich mit dem Bogen umgehen soll, darüber hat er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden. Er findet, es sei klar, dass man einen Busbahnhof braucht, doch den Bedarf eines Kongresszentrums sieht er angesichts der bestehenden Alternativen nicht. Außerdem sagt er: „Es hat eine Architektur, vor der man sich fürchten muss.“ Er vergleicht den geplanten Bau mit dem Haus der Bayerischen Geschichte, dem er ebenfalls kritisch gegenübersteht. Der Mann sieht die Ideen und Anregungen, die in den Workshops vorgestellt wurden, nicht in den derzeitigen Planungen berücksichtigt.

RKK: Das sagen die Regensburger zu der Bürgerbefra

Eine Stadtamhoferin glaubt, dass der Fragebogen mit Absicht so konzipiert wurde, dass „nix dabei rauskommt“. Schließlich gebe es in der Bevölkerung viele negative Stimmen. Die ältere Frau bemängelt, dass für den möglichen Neubau wohl viele Bäume gefällt werden müssen. Sie fragt sich, ob sich die Planer überhaupt die Mühe machen, um die Fernwirkung solcher Bauten zu betrachten. Die letzten Großprojekte hätten jedenfalls kein positives Bild hinterlassen, findet sie. „Ich frage mich, ob die Denkmalbehörde nichts zu sagen hat“, erklärt die ältere Frau und sagt, dass die Stadt angesichts der „überdimensionierten“ Bauten verschwinde und beinahe wie ein Spielzeug wirke.

Wolfgang Gnad übt ebenfalls Kritik am Befragungsbogen. Dass die Bürger bei vier der fünf Fragen nur angeben könnten, wie wichtig ihnen der Aspekt sei, stellt ihn nur „bedingt“ zufrieden. Die Ideenwerkstätten, bei denen sich die Menschen im Laufe des Jahres in den Planungsprozess einbringen konnten, fand er gut. Zum RKK sagt er: „Es kann sich schon rechnen. Erstmal wird es aber wohl ein Zuschussbetrieb sein. Ich brauche es nicht, um ehrlich zu sein.“

Die Kosten sind ein Thema

Ein Binnenschifffahrtskapitän, der seit ein paar Jahren in Regensburg lebt, hält es „an sich eine schöne Sache“, dass die Bürger mitreden dürfen. Schließlich sehe das Areal rund um den Bahnhof derzeit nicht sehr ansprechend aus. Dass es einen Omnibusbahnhof braucht, stellt er nicht in Frage. Mit einem Kongresszentrum hat er hingegen Probleme.

Marktfrau Theresia Reisinger sieht in wuchtigen Gebäuden wie dem möglichen Kultur- und Kongresszentrum und dem Museum am Donauufer eine Zerstörung des Stadtbilds. Sie glaubt nicht an die erhoffte Wirkung des RKK. Was Eintagesveranstaltungen angeht, sagt sie: „Die Leute kommen mit dem Auto und fahren dann gleich wieder.“ Den Bedarf eines zusätzlichen Hotels sieht sie nicht. Eine andere Frau ergänzt, dass durch den Bau einer Kongresshalle Wohnraum wegfalle, der eigentlich gebraucht werde. Außerdem glaubt Reisinger, dass die Bürgerbefragung nicht viel bewirken wird. „Ich habe sie ausgefüllt, aber es ist schon eine beschlossene Sache.“

Einige Regensburger stehen der Befragung aber auch ohne Vorbehalte gegenüber. Sascha Leopold findet es aus demokratietheoretischen Gründen gut, dass die Bürger mitreden können. Außerdem erklärt Stephan Thomas: „Die Befragung finde ich schon sinnvoll. Es ist ein guter Punkt, dass man die Bürger einbezieht und hoffte, dass sich viele beteiligen.“

Auch Auswärtige beziehen eine eindeutige Position gegenüber der Befragung, auch wenn das Stimmrecht ausschließlich den Regensburgern vorbehalten bleibt. Als Erhard Pfister am Samstagmorgen auf dem Neupfarrplatz eintrifft, um seinen Stand aufzuschließen, sagt er: „Es würde eigentlich auch dazugehören, dass man die Geschäftsleute befragt.“

Über die Bürgerbefragung sagt der Regenstaufer Oliver Ehrlich: „Ich habe eine relativ starke Meinung zur Bürgerbefragung: Man hätte sie sich sparen und das Geld sinnvoller verwenden können. Überspitzt formuliert ist es ein Missbrauch von Steuergeldern“, findet er wegen der nur begrenzt möglichen Antworten.

Alle Hintergründe und Informationen zum geplanten Kultur- und Kongresszentrum finden Sie in unserem MZ-Spezial!

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