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Regensburg
Freitag, 15. Dezember 2017 7

Sport

Challenge: Ohne Name überflüssig?

Der Vertrag mit der Stadt Regensburg steht auf der Kippe. Gleichzeitig macht die Veranstaltung lokalen Events Konkurrenz.
Von Micha Matthes, MZ

Bislang stand bei der Challenge der Langdistanz-Wettbewerb im Vordergrund. Künftig wollen die Veranstalter auch eine Mitteldistanz anbieten. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Es ist ein doppelter Paukenschlag für die Regensburger Sportszene: Die Challenge Family trennt sich von dem Regensburger Lizenznehmer. Die Namensrechte sind damit wohl weg, gleichzeitig kündigt Challenge-Organisator Tom Tajsich weitere Distanz-Wettbewerbe für seine Laufveranstaltung an. Die Stadt fördert das Event mit 75 000 Euro im Jahr. Außerdem unterstützt sie die Veranstaltung mit Sachleistungen im Wert von bis zu 200 000 Euro. Doch dieser Vertrag steht nun auf der Kippe. Fraglich ist, inwieweit Tajsichs Unternehmen seine Pflichten gegenüber der Stadt noch einhalten kann. Diese hängen auch mit dem öffentlichkeitswirksamen Namen „Challenge“ zusammen. Der wohl wichtigste Punkt lautet hier: „Der Veranstalter garantiert, dass er während der Vertragslaufzeit die Nutzungsrechte an der Marke Challenge Regensburg besitzt; er ferner berechtigt ist, Nutzungsrechte gemäß Ziffer 9 an die Stadt zu übertragen.“

Bislang wurde die Veranstaltung vornehmlich als Langdistanzwettbewerb vermarktet. Durch die Ankündigung, künftig weitere Triathlon-Wettkämpfe einführen zu wollen, fühlen sich nun Organisatoren anderer regionaler Lauf-Events vor den Kopf gestoßen.

Stadt prüft den Vertrag

Die Stadt Regensburg wollte am Montag zu den aktuellen Entwicklungen noch keine Stellungnahme abgeben. „Das ist natürlich eine überraschende Botschaft für uns“, sagte Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra. Der Vertragsinhalt werde vor dem Hintergrund der Neuentwicklung derzeit geprüft. „Wir haben Purendure und die Challenge Family um entsprechende Stellungnahmen gebeten“, konkretisierte Dr. Wolfgang Schörnig, Rechtsreferent der Stadt. Die Prüfung könne einige Tage in Anspruch nehmen, sagte von Roenne-Styra. Die Stadt muss dann zu einem juristisch fundierten Urteil kommen.

Ein Kommentar unseres Triathlon-Experten Andreas Brey:

Kommentar

Krachend gescheitert

Langdistanz-Triathleten gehören zu einer speziellen Gattung Mensch: extrem fleißig, diszipliniert, leidensfähig. Sie stellen sich nicht die Frage, ob es...

Die Kündigung der Challenge Family werde „als unwirksam angesehen“, schrieb Tajsich am Samstag in einer Mitteilung. Das Rennen finde – nach Abstimmung mit der Stadt – statt. „Denn die Athleten wollen das Rennen, die Stadt Regensburg will das Rennen, und wir wollen das Rennen – mit oder ohne Label.“ Auf dieses Zitat angesprochen, sagte von Roenne-Styra: „Was heißt wollen? Wir haben einen Vertrag über fünf Jahre. Dieser wird natürlich eingehalten.“

Zu den im Vertrag festgehaltenen Leistungen des Veranstalters gehört unter anderem, dass der Name der Stadt im offiziellen Veranstaltungsnamen als „Challenge Regensburg“ genannt wird. Die Stadt erhält für die Laufzeit des Vertrags außerdem das Recht, das Challenge-Logo zu benutzen. Das Logo der Stadt soll hingegen unter anderem auf der Website challengeregensburg.de und auf allen Publikationen der Veranstaltung dargestellt werden. Die Stadt erhält laut Vertrag zudem ein Werbebanner auf der Homepage. Des Weiteren erhält die Stadt die Möglichkeit, sich im Race Magazin, dem offiziellen Programmheft der Veranstaltung, zu präsentieren. All diesen Pflichten kann der Veranstalter nun womöglich nicht mehr nachkommen – zumindest nicht so werbewirksam wie unter dem bisherigen Namen.

Die Challenge ist, was schon der Ironman in Regensburg war: ein politischer Zankapfel. Erfahren Sie mehr.

In der Beschlussvorlage zu dem Vertrag mit der Stadt steht, dass Tajsichs Unternehmen Purendure „bewusst die Challenge Family als Partner gewählt“ habe – unter anderem um neue Zielgruppen zu erreichen. Fraglich ist nun, inwiefern sich diese Zielgruppen künftig noch von denen eines Regensburger Triathlons unterscheiden, den es ja bereits gibt – und zwar unmittelbar zwei Wochen vor dem jährlichen Challenge-Termin.

Vor dem Challenge findet der Regensburger Triathlon statt. Die Zielgruppen beider Events könnten sich künftig stark überschneiden.Foto: altrofoto.de

Im Gegensatz zum Challenge versucht der Verein Tristar, den Regensburger Triathlon auf ehrenamtlicher Basis zu stemmen. Der Triathlon ist eine Traditionsveranstaltung, die es in Regensburg seit 30 Jahren gibt. Angeboten werden dabei eine Sprintdistanz und eine Olympische Distanz. 2018 wird es außerdem eine Mitteldistanz geben. Dies habe die Stadt bereits formal genehmigt, sagt Markus Dolles, Vorsitzender von Tristar. Purendure will nun wohl ebenfalls zusätzlich zur Langdistanz eine Sprintdistanz und eine Mitteldistanz anbieten.

Vereine kritisieren neues Angebot

Dolles ist von dieser Entwicklung alles andere als begeistert. „Es ist schade, dass sich die Langdistanz in Regensburg nicht unter dem Namen Challenge etabliert hat. Diese hatte bislang eine deutliche Differenzierung von dem Regensburger Triathlon bedeutet.“ Sein Verein halte es nicht für zielführend, dass das Streckenangebot jetzt ausgeweitet werden soll. Innerhalb kürzester Zeit sprächen beide Veranstalter so die gleichen Interessenten an.Am Triathlon nehmen rund 1200 Sportler teil, ungefähr so viele wie insgesamt auch am Challenge. Künftig könnte sich das jedoch ändern, befürchtet Dolles.

Die Möglichkeit zur Kündigung

  • Der Vertrag

    zur Ausrichtung des Challenge Regensburg regelt die Rechte und Pflichten zwischen der Stadt Regensburg und der Purendure Event GmbH & Co KG für das Lauf-Event.

  • Die Möglichkeit

    , den Vertrag vorzeitig zu beenden, ist darin ebenfalls festgeschrieben. Jede Vertragspartei ist berechtigt, diesen „aus wichtigem Grunde fristlos zu kündigen“.

  • Ein wichtiger Grund

    liegt insbesondere vor, „wenn die andere Vertragspartei schuldhaft gegen ihr obliegende wesentliche vertragliche Verpflichtungen verstoßen hat“.

„Der Challenge war einfach schon immer völlig überdimensioniert“, sagt Kurt Ring, Cheftrainer bei Telis Finanz und Meetingdirektor der Sparkassengala Regensburg. Es sei „gelinde gesagt seltsam“, dass die Zuschüsse für die anderen großen Laufveranstaltungen nicht gewachsen seien. „Wir haben ja kurz davor schon einen Triathlon“, sagt Ring. „Ein zweiter ist Unsinn. Das braucht man nicht.“

Wenn die große Marke „Challenge“ jetzt fehle, sei das Event nur noch eine ganz normale Laufveranstaltung, die statt von einem Verein von einer Firma organisiert wird, sagt Claudia Fritsch, Veranstaltungsleiterin des LLC Marathon Regensburg. Mit der Angebotserweiterung ziele der Veranstalter nun wohl auch auf eine Breitensportveranstaltung ab.

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