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Regensburg
Dienstag, 23. Januar 2018 10

Proteste

Demos schrecken Kunden ab

Zwei friedliche Nahost-Proteste sorgen im Regensburger Weihnachtstrubel für Empörung. Geschäftsleute klagen über Einbußen.
von Michael Sperger, MZ

Am Domplatz fanden zwei Demonstrationen zum Konflikt zwischen Palästina und Israel statt. Die Polizei war gerüstet.

Regensburg.Nur durch ein starkes Polizeiaufgebot getrennt, standen sich am Samstagnachmittag auf dem Domplatz zwei Lager gegnerischer Demonstranten gegenüber: Auf der einen Seite ein kleines Grüppchen von 25 Menschen, die sich gegen Antisemitismus stemmen. Auf der anderen Seite eine Schar von etwa 130 Pro-Palästina-Kämpfern, die sich Jerusalem als Hauptstadt der Palästinenser und nicht der Israelis wünschen. Die einen halten die blau-weiße Israel-Flagge mit dem David-Stern in der Hand, die anderen lassen die schwarz-weiß-grüne Palästina-Flagge mit dem roten Dreieck wehen. Auf den Plan gerufen hatte die Protestierer eine Entscheidung im 6800 Kilometer entfernten Washington. US-Präsident Donald Trump hatte vor gut einer Woche Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt.

Heute ist der Domplatz Schauplatz von Nahost-Demos. Foto: Michael Sperger

Es war der Auftakt für zahlreiche Demonstrationen nicht nur im Nahen Osten. Auch in Deutschland gingen seitdem viele Menschen auf die Straße. Es kam zu zahlreichen antisemitischen Entgleisungen. In Berlin wurden Israel-Fahnen verbrannt.

Polizei war gewappnet

Derartige Szenen gab es am Samstag in Regensburg nicht. Bei den Nahost-Demonstrationen mitten im vorweihnachtlichen Trubel der Altstadt blieb es bei verbalen Provokationen.

Die Polizei hatte sich mit einem enormen Aufgebot gewappnet. Hunderte Beamte, darunter auch Bereitschaftspolizei und der Operative Ergänzungsdienst (OED) aus der Region sorgte für Sicherheit. Die Demonstrationen verliefen laut Polizeihauptkommissar Markus Schmitt von der PI Süd „unproblematisch“, doch auch bei den Weihnachtsmärkten hätten Streifen präsent sein müssen. Weitere Polizeikräfte eskortierten die Fans des unterlegenen Jahn-Gegners Arminia Bielefeld zum Bahnhof. Ein überaus fordernder Einsatztag also für das Präsidium und die PI Süd.

Auch die Pro-Palästina-Gruppe legte ein Bekenntnis gegen Antisemitismus ab. Ein Sprecher rief: „Wir sind gegen jede antisemitische Handlung.“

Die Pro-Palästina-Anhänger sangen Lieder. Sie feierten Palästina in Schlachtrufen. „Palästina bis zum Sieg“, stand auf Plakaten, die sie in die Höhe hielten. Teilweise wurde aber Israel beleidigt. Auf MZ-Anfrage sagte Ilse Danziger, die Vorsitzende der Regensburger Jüdischen Gemeinde, am Sonntag dazu: „Ich bin traurig, dass es hier so etwas gibt. Wir haben das Gefühl, dass wir in Regensburg friedlich mit den Menschen und Religionen leben können.“

Die Pro-Israel-Demonstranten hatten vor der Dompost Position bezogen. Sie hatten dort einen Pavillon aufgebaut, ihn auch mit Fahnen dekoriert. Die Teilnehmer verurteilten Flaggenverbrennungen und Hassparolen gegen Israel.

Die Polizei hatte sich auf die Demonstration am Domplatz gut vorbereitet. „Wir wussten im Vorfeld ungefähr, auf welche Leute wir uns einstellen müssen. Trotzdem waren wir vorsichtig“, sagte Polizeisprecher Albert Brück. Das Arreal war ab 14 Uhr bis etwa 17.15 Uhr für den Autoverkehr gesperrt. „Es war schlicht nicht möglich, den Verkehr während der Demonstrationen weiter über den Domplatz laufenzulassen“, erklärte Brück.

Heute ist der Domplatz Schauplatz von Nahost-Demos. Foto: Michael Sperger

Acht Tage vor Weihnachten spürten zahlreiche Geschäftsleute die Folgen der Sperrungen und der Demonstration. Josef Gailhofer, Inhaber der Dombuchhandlung zeigte wenig Verständnis. „Es geht nicht, dass man so eine Veranstaltung kurz vor Weihnachten genehmigt. Das sollte dringend hinterfragt werden“, sagte er. Weniger Kunden als sonst kamen nach seinen Angaben deswegen zu ihm in den Laden. Viele seien sicherlich wegen der angekündigten Demonstration abgeschreckt worden und zuhause geblieben.

Tourist mied den Domplatz

Gleich um die Ecke am Christkindlmarkt am Neupfarrplatz zeigten sich Besucher ebenfalls empört. Das Bild Regensburgs auch für Touristen sei durch die Aktion beschädigt.

Eine Verkäuferin in einem Stand für Christbaumschmuck beklagte, dass durch die Demonstration die vorweihnachtliche Stimmung in der Altstadt kaputtgeht. „Zu einem ruhigen Weihnachtseinkauf gehört auch das Schlendern über den Domplatz“, sagte sie. Ein Urlauber aus Sachsen, der am Samstag mit dem Schiff in Regensburg angekommen war, hatte um den Domplatz bewusst einen großen Bogen gemacht. „Ich will nicht in irgendwas mit hineingezogen werden“, erklärte er.

Der Satire-Umzug formierte sich am Bismarkplatz. Foto: Michael Sperger

Die Demonstrationen auf dem Domplatz waren die einzigen politisch motivierten an diesem Tag – aber nicht die einzigen Protestkundgebungen in der Altstadt. Als Satire-Veranstaltung verstand sich ein Umzug am Abend. Gegen 17 Uhr starteten 70 als Bauern verkleidete Personen vom Bismarckplatz durch die Altstadt. Ihr Spott richtete sich gegen Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, sie drängten sie auf Plakaten zum Abdanken. Auf einem Anhänger zogen sie eine zusammengezimmerte Guillotine hinter sich her – echte Geräte wurden früher für Enthauptungen genutzt. Die Aufschrift war eine Botschaft, die Revolte signalisiert: „An die Fürstin: Bauernaufstand“.

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