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Regensburg
Samstag, 25. November 2017 4

Betreuung

Die Krippenplätze bleiben teuer

Die Stadt Regensburg wollte 2017 die Gebühren senken. Dazu kommt es nicht. Die Verwaltung will auf Bundesmittel warten.
Von Julia Ried, MZ

Spielende Krippenkinder in der Johanniter-Krabbelstube in der Blumenstraße mit Leiterin Christine Kocur (links) und Erzieherin Manuela Hoffrichter-Thumann. Die Gebühren, die Eltern von Kindern in diesem Alter für die Betreuung zahlen, sind in Regensburg im Vergleich hoch. Foto: Ried

Regensburg.Die Stadt hatte im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt, dass 2017 die im Vergleich hohen Gebühren für städtische Kinderkrippen sinken. Andere Träger von Betreuungseinrichtungen orientieren sich daran, die Entscheidung der Stadt hätte also viele Eltern von Kleinkindern entlastet. Nun ist klar: Darauf müssen sie weiterhin warten. Bildungsreferent Dr. Hermann Hage gibt auf Anfrage unseres Medienhauses die Auskunft: „Mit einer Gebührensenkung für Krippenplätze bei den städtischen Einrichtungen ist frühestens im Schuljahr 2018/2019 zu rechnen.“

Er erläutert: „Der Bund hat bisher noch keine konkreten Aussagen über ein finanzielles Gebührenentlastungsprogramm für Eltern getroffen. Hier wartet die Stadt auf konkrete Aussagen des Bundes.“ In diesem Jahr käme eine Zusage nicht mehr früh genug, als dass der Stadtrat eine Änderung verabschieden könnte.

Ob der Bund die Kommunen hier überhaupt unterstützt, ist jedoch unklar. Martin Steinkirchner, Regionalvorstand der Johanniter, die in Regensburg neun Krabbelstuben betreiben, sagt dazu: „Nach der Bundestagswahl werden die Karten neu gemischt.“

Doppelt so teuer wie in Würzburg

Aktuell verlangen städtische Einrichtungen in Regensburg für drei bis vier Stunden Betreuung täglich 240 Euro und für sieben bis acht Stunden 480 Euro, während Ingolstädter Eltern für dieselben Zeiten in städtischen Krippen 151 Euro beziehungsweise 279 Euro zahlen und Würzburger ab 1. September 160 beziehungsweise 240 Euro; in Würzburg gibt es zudem Vergünstigungen für Geschwisterkinder.

Dr. Eleonore Hartl-Grötsch, die Leiterin des städtischen Amts für Tagesbetreuung von Kindern, sagt zwar: „Wir wollen die Krippengebühren an die anderer Städte anpassen.“ Bevor die Bundeszuschüsse kommen, will sie jedoch keine Anstrengungen in diese Richtung unternehmen. Das wäre möglich, wenn die Stadt selbst die Einrichtungen über das gesetzliche vorgeschriebene Maß hinaus subventioniert. So verfährt sie aktuell nur bei Kindergärten – die bekommen einen Zuschuss von 11,74 Prozent auf die Förderung von Land und Kommune. „Für den Krippenbereich haben wir das nicht. Da müsste es eine politische Entscheidung geben“, sagt Eleonore Hartl-Grötsch. Für die Verwaltung hat derzeit der Ausbau der Betreuungsinfrastruktur Vorrang. „Wir müssen schauen, dass wir den Bedarf abdecken. Und da sind wir maximal gefordert“, sagt Bildungsreferent Hage. Da die Stadt in den vergangenen Jahren hier so viel investiert habe, sei jetzt das Angebot an Krippen-, Kinder- und Hortplätzen gut – „auch wenn es vereinzelt zu Engpässen kommt“.

Die Stadt richtet ständig neue Krippengruppen ein – im neuen Kinderhaus im Gebäude der ehemaligen Pestalozzi-Grundschule gibt es ab September eine. Foto: MZ-Archiv/Wiedamann

Michael Straube, Vater von zwei Söhnen im Alter von drei und sieben und Vorsitzender des Vereins „Regensburger Eltern“, kann nachvollziehen, dass die Stadt dem Ausbau Priorität einräumt. Trotzdem sagt er: „Es wäre natürlich schön gewesen, wenn die Senkung früher käme.“ Er erzählt: Immer wieder bitten Familien die „Regensburger Eltern“, die drei Krabbelstuben in Regensburg betreiben und den Stadtparkkindergarten, um Nachlässe bei den Gebühren. Er muss dann ablehnen, der Verein muss kostendeckend arbeiten wie alle freien und gemeinnützigen Träger.

Elternvertreter: Mehr Kulanz

Von der Stadt würde er sich in solchen Fällen mehr Kulanz wünschen. Sie unterstützt schlecht verdienende Eltern bei den Gebühren unter bestimmten Voraussetzungen, etwa Berufstätigkeit der Eltern. Die Einkommensgrenze für eine komplette Erstattung liegt bei Familien mit einem Kind bei einem Haushaltseinkommen von 1392 Euro monatlich.

Auch Steinkirchner von den Johannitern hält eine Gebührensenkung für wünschenswert. Die freien Träger können diese nur mit Unterstützung der Stadt verwirklichen, betont auch er. „Entweder sie zahlt einen pauschalen Zuschuss oder sie schließt einen Defizitvertrag ab mit den Trägern, wie dies fast alle Kommunen im Landkreis tun.“

Eine politische Initiative in diese Richtung gibt es bislang noch nicht. Die CSU sieht die Verwaltung in der Pflicht, einen Beschlussvorschlag zu liefern, sagt Fraktionschef Dr. Josef Zimmermann. Dr. Thomas Burger, stellvertretender SPD-Fraktionschef, kommentiert die Nachricht, die Verwaltung warte noch auf ein Bundesprogramm, so: „Wir müssen prüfen, welche Alternativen wir haben.“

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