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Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Glaube

Die neue Synagoge feiert Richtfest

Die Regensburger jüdische Gemeinde zählt rund 1000 Mitglieder. Ab Februar 2019 können sie im neuen Gebetshaus beten.

Die Baustelle der neuen jüdischen Synagoge in Regensburg. Fast 80 Jahre nach der Zerstörung ihrer Synagoge durch die Nationalsozialisten erhält die jüdische Gemeinde ein neues Gebetshaus. Kommende Woche wird Richtfest gefeiert. Foto: Armin Weigel/dpa

Regensburg. Die jüdische Gemeinde in Regensburg ist die älteste in Bayern. Fast 80 Jahre nach der Zerstörung ihrer Synagoge durch die Nationalsozialisten erhält sie nun ein neues Gebetshaus. Am Mittwoch feiern Gemeindemitglieder, Förderer, Geldgeber und Freunde das Richtfest des fünf Millionen Euro teuren Baus. Er befindet sich auf dem Grund, auf dem die frühere Synagoge stand, inmitten der Regensburger Altstadt und unweit des Doms.

Bau liegt genau im Zeitplan

Ilse Danziger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Regensburg, steht in der Baustelle der neuen Synagoge neben Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins neue Regensburger Synagoge. Foto: Armin Weigel/dpa

„Im Moment sieht es sehr gut aus“, sagte Ilse Danziger, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, einige Tage vor dem Richtfest. Gerade würden die Fenster eingebaut, auch das hölzerne Kuppeldach sei fertig. „Alles genauso, wie wir es uns für das Richtfest gewünscht haben.“ Direkt an den Synagogen-Neubau schließt sich der Altbau des Gemeindezentrums an. Der hatte die NS-Zeit überstanden. Hier befinden sich unter anderem die Büros und Versammlungsräume der Gemeinde. Der Altbau wird für 2,5 Millionen Euro saniert, die Verwaltung ist vorübergehend in ein Nachbargebäude umgezogen.

Prof. Dr. Josef Eckstein, Präsident a. D. der OTH Regensburg, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Neue Regensburger Synagoge: „Die Regensburger jüdische Gemeinde erhält mit dem Neubau endlich wieder ihr angemessenes, repräsentatives Zuhause zurück und Regensburg ein eindrucksvolles Zeichen für religiöse Vielfalt und Toleranz. Ich wünsche mir, dass er ein Ort des offenen Dialogs und des religiösen und kulturellen Miteinanders wird.“ Foto: altrofot.de

Der Ende der 60er Jahre neben dem Altbau, als Ersatz für die zerstörte Synagoge, errichtete Mehrzweck- und Gebetsraum wurde abgerissen, um Platz für das neue Gotteshaus zu schaffen. Bei der Baustellen-Besichtigung freute sich Danziger über die sichtbaren Fortschritte. „Die Verbindung zwischen der Synagoge und dem Altbau ist schon da. Man kann schon wirklich etwas sehen und sich vorstellen, wie es einmal aussehen wird“, sagte sie. Die Arbeiten lägen weitgehend im Zeitplan, ergänzte Dieter Weber, der Vorsitzende des Fördervereins neue Regensburger Synagoge.

Peter Küspert, Präsident Bayerisches Verfassungsgericht, Mitglied im Fördervereins: „Das Neue Jüdische Zentrum mit seiner markanten Architektur ist ein sichtbares Zeichen, dass die Jüdische Gemeinde ihren selbstverständlichen Platz und ihre Heimat im Herzen der Stadt hat. Dasselbe Signal geht von der Unterstützung durch viele nicht-jüdische Bürger aus. Ich wünsche mir, dass das Zentrum einen wichtigen Beitrag zum urbanen Leben in Regensburg liefert.“ Foto:altrofoto.de

Mit dem Neubau geht ein lange gehegter Wunsch der jüdischen Gemeinde in Regensburg in Erfüllung. Ende 2018, also 80 Jahre nach der Zerstörung der vorherigen Synagoge, soll der Bau voraussichtlich fertiggestellt werden. Die Eröffnung ist für Februar 2019 geplant, 500 Jahre nach der Zerstörung der ersten Synagoge am Neupfarrplatz.

Prof. Dr. Helmut Altner, ehem. Rektor der Uni Regensburg, Vorstandsmitglied Fördervereins: „Keine Gruppierung innerhalb der Stadtgesellschaft hat eine so wechselvolle Geschichte durchlebt wie die jüdische Gemeinde: Internationale Aufmerksamkeit wie im Hochmittelalter und Zeiten barbarischer Erniedrigung wie im „Dritten Reich“. Dass sich heute engagierte Regensburger für die Errichtung einer neuen Synagoge einsetzen, ist ein ermutigendes Zeichen. Foto: altrofoto.de

Schon 1519 waren die Juden in Regenburg vertrieben worden. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts hätten sie sich in Regensburg wieder angesiedelt und zunächst eine ehemalige Kirche als Gebetshaus genutzt, sagte Danziger. Als diese baufällig wurde, errichtete die Gemeinde eine neue Synagoge, die 1912 eröffnet und bis zur sogenannten Reichskristallnacht 1938, dem Beginn der organisierten Judenverfolgung in Deutschland, genutzt wurde.

Eine der ältesten Gemeinden

Christa Meier, Vorstandsmitglied Förderverein: „Am 9. November 1938 wurde in der Reichskristallnacht die Regensburger Synagoge auf Veranlassung des verbrecherischen NS-Systems zerstört. Auch wenn wir Heutigen nicht Schuld daran tragen, stehen wir doch in der Verantwortung unserer Geschichte. Deshalb freut es mich , dass die neue Synagoge mit zwei Millionen Euro Unterstützung durch die Stadt Regensburg errichtet wird.“ Fotos (2) altrofoto.de Foto: altrofoto.de

Die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Regensburg reichten mindestens bis ins 10. Jahrhundert zurück, sagte Weber. Damit sei sie eine der ältesten jüdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum. Der Neubau sei aber nicht nur aus historischen, sondern aus Kapazitätsgründen wichtig.

Die Gemeinde zähle heute rund 1000 Mitglieder, zehnmal mehr als vor 20 Jahren. In etwa eineinhalb Jahren können sie wieder in einer eigenen Synagoge beten. (dpa/lby)

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