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Regensburg
Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Verkehr

Die Stadtbahn nimmt politisch Fahrt auf

Stadträte wähnen sich auf dem Weg von der Vision zur Realität. Eine Tram ist für sie der Königsweg zum ÖPNV der Zukunft.
Von Norbert Lösch, MZ

Elektrischer Antrieb, Platz für 240 Passagiere: Straßenbahnen wie die Siemens Avenio – hier in München – könnten laut Gutachter für den Einsatz in Regensburg geeignet sein. Foto: dpa

Regensburg.Die Euphorie kannte kaum Grenzen: In einer ersten politischen Bewertung der neuen Stadtbahn-Studie sahen Sprecher aller im Planungsausschuss vertretenen Parteien Regensburg endlich auf dem Weg von der Vision zur Realität. „Das ist ein toller Tag für Regensburg“, befand in der Sitzung am Dienstagabend etwa Benedikt Suttner (ÖDP), nachdem Helmut Koch und Dr. Romain Molitor vom österreichischen Verkehrsplanungsbüro Komobile das Gutachten zur Einführung eines höherwertigen ÖPNV-Systems (die MZ berichtete) vorgestellt und kommentiert hatten.

„Dass ich das noch erleben darf“, frohlockte Margit Kunc von den Grünen, SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus Rappert („Eine Vision wird Wirklichkeit“) freut sich schon auf das „zukunftssichere und zukunftsweisende ÖPNV-System“, Kerstin Radler (Freie Wähler) sieht einen „Quantensprung in der Verkehrspolitik“, Benedikt Suttner (ÖDP) „das beste Mobilitätssystem, das es gibt“.

„Wir wollen das so haben“

Und selbst die Opposition stimmte in das Loblied auf Gutachter und die Zukunftsperspektive ein. „Wir wollen das so haben, wie Sie es heute dargestellt haben“, sagte etwa der verkehrspolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Christian Schlegl. Der hatte zuvor allerdings für sich und die CSU reklamiert, Vorreiter für ein schienengebundenes ÖPNV-System gewesen zu sein. Und das schon zu einer Zeit, als Joachim Wolbergs noch längst nicht OB war und ein verbessertes Bus-System als Maß aller Dinge in der Verkehrspolitik gesehen habe.

Ein Haar in der Suppe fand auch Irmgard Freihoffer von den Linken – nicht was die Stadtbahn angeht, sondern das Tempo, mit dem sie auf den Weg gebracht werden soll. Ihr Antrag, schon heuer Planungsmittel aus Haushaltsresten für eine forcierte Planung bereitzustellen und der Verwaltung bereits einen konkreten Auftrag mitzugeben, fand allerdings kaum Unterstützung.

Zunächst soll sich eine interfraktionelle Arbeitsgruppe näher mit dem Thema befassen, ehe ab dem Frühjahr 2018 erste konkrete Planungsschritte folgen sollen. Zwei Millionen Euro stehen in den kommenden vier Jahren für den Einstieg in das Projekt Stadtbahn zur Verfügung. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagte, dass die Stadtbahnplanung nicht ohne zusätzliches Personal für die Verwaltung zu bewältigen sein werde.

CSU: „Eine echte Überraschung“

Dass die auf 246 Millionen Euro geschätzten Kosten für eine zunächst auf zwei Linien beschränkte Stadtbahn nach Einschätzung der Gutachter zu rund 80 Prozent förderfähig sein soll, ist laut CSU-Sprecher Schlegl „eine echte Überraschung“. Sein Fraktionsvorsitzender Dr. Josef Zimmermann erklärte die Zurückhaltung in den vergangenen 20 Jahren ebenfalls mit anderen Vorzeichen: „Wir haben lange gehört, dass eine Stadtbahn nicht finanzierbar sei. Außerdem wurden bisher Kosten von bis zu 400 Millionen Euro genannt.“

„Wir haben lange gehört, dass eine Stadtbahn nicht finanzierbar sei. Außerdem wurden bisher Kosten von bis zu 400 Millionen Euro genannt.“

CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Josef Zimmermann

Was die Stadt beitragen kann, damit eine hohe Förderquote nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz als gesichert gelten kann, war eine Frage der Ausschussmitglieder an die Gutachter. Helmut Koch empfahl, in jedem Planungsstadium eine größtmögliche Effizienz nachzuweisen. Die wichtigste Stellschraube sei, den Geld- und Gesetzgeber vom großen Nutzen des neuen Systems gegenüber dem Status quo zu überzeugen.

Aber schon die jetzige Planungsgrundlage zeigt grundlegende Verbesserungen auf. Beispiel Fahrzeiten: Eine Geschwindigkeit der Tram von 24 Stundenkilometer – die Haltestellenaufenthalte mitgerechnet – verkürze etwa die Fahrt von Wutzlhofen zum Uniklinikum (Linie A) von bisher 39 auf 24 Minuten, der Weg von Burgweinting bis zum Hauptbahnhof sei in acht statt bisher 15 Minuten zurückzulegen.

Mehr Umweltschutz, weniger Verkehr

Wenngleich die Stadtbahn als innerstädtischer Verkehrsträger angelegt ist, ergeben sich positive Effekte in Sachen Umweltschutz und Verkehrsbelastung auch im Hinblick auf das Umland. Nutzer von Regionalbuslinien könnten schon am Stadtrand auf die Tram umsteigen, ebenso wie Autofahrer an teilweise neu zu schaffenden Park-and-Ride-Plätzen.

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