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Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Ratgeber

Die Stimme der Regensburger Senioren

Seit fast 40 Jahren gibt es in Regensburg den Seniorenbeirat. Er möchte in der Zukunft noch mehr bewegen.
Von Manfred Rohm, MZ

In den nächsten vier Jahre für die Senioren da: Die Mitglieder des Regensburger Seniorenbeirats Foto: Ferstl

Regensburg.Wenn Ulrich Böken durch die Stadt geht, dann fällt ihm so mancher neuralgische Punkt für Seniorinnen und Senioren ins Auge. Stellen, wo regelmäßig Autos den halben Bürgersteig zuparken oder Verkehrszeichen, an denen Fahrräder so dicht an dicht angekettet sind, dass sie aus dem Fußgängerweg ein Nadelöhr machen.

„Ein Ding der Unmöglichkeit“, schimpft er. „Das ist vor allem für ältere Menschen mit Rollator ausgesprochen gefährlich.“ Er fordert: „An solchen Orten müsste der städtische Ordnungsdienst verstärkt tätig werden.“

Mös: „Wir haben einiges erreicht“

Seit Anfang August muss es Böken nicht mehr bei der Kritik belassen. Seit dieser Zeit ist er Mitglied im neu zusammengesetzten Seniorenbeirat und kann helfen, dass sich die unzumutbare Situation für die Seniorinnen und Senioren verbessert. Er möchte dazu beitragen, „dass die Stadt ein wenig seniorengerechter“ wird. „Der Seniorenbeirat vertritt die Interessen der älteren Generation unabhängig von politischen, konfessionellen oder verbandsgebundenen Neigungen“ heißt es auf der Internetseite des Gremiums. „Er ist auch Ansprechpartner für die Menschen, die sich aufgrund ihres hohen Alters und ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht mehr für ihre Interessen einsetzen können und die in unserer leistungs- und jugendorientierten Gesellschaft in die Gefahr geraten in den Hintergrund gedrängt zu werden.“ Er sieht sich auch als Sprachrohr der Seniorinnen und Senioren. Doch die Frage ist: Wird dieses „Sprachrohr“ auch von den zuständigen Stellen gehört?

Josef Mös, seit zwölf Jahren Vorsitzender des Beirats, ist da ganz optimistisch. „Wir werden schon gehört, und wir haben auch einiges erreicht“, sagt er und nennt als Beispiele die Absenkung der Bordsteine an Stellen, wo viele ältere Menschen die Straßen überqueren, oder längere Phasen der Fußgängerampeln, verbesserte Busverbindungen am Abend und günstigere Preise im Stadttheater. Wir haben schon Einfluss, aber leider nur einen indirekten.“

Manchmal nützt allerdings dieser indirekte Einfluss zu wenig. Bei der Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer ist der Seniorenbeirat mit seinen Bedenken, dass hier gerade ältere Leute große Probleme haben, nicht durchgedrungen. „Wir haben in der Gesandtenstraße eine Stunde lang die Passanten befragt, wir haben uns bei Kontrollgängen in der Altstadt ein eigenes Bild gemacht, wir haben mit den Parteien diskutiert, aber wir konnten uns nicht durchsetzen.“

Deshalb kritisiert Mös auch, dass der Seniorenbeirat kein Rederecht in den Stadtratsgremien hat. Einzelne Mitglieder, die im Beirat entsprechende Arbeitsgebiete übernommen haben, können nur als Zuschauer mitverfolgen, was in Ausschüssen besprochen und beschlossen wird. Auch der Informationsfluss war nicht optimal. „Jahrelang mussten wir die Tagesordnungen dem Amtsblatt entnehmen, inzwischen bekommen wir wenigsten die Sitzungsvorlagen.“ Warum ausgerechnet in Regensburg dem Beirat kein Rederecht eingeräumt wird, erschließt sich Mös nicht. „In anderen Kommunen ist das überhaupt kein Problem.“

Direkter Draht zu den Stadträten

Bei aller Kritik sieht der Vorsitzende die Zusammenarbeit aber durchaus positiv. „Wir nutzen den direkten Draht, den wir zu den Stadträten und zu den Bürgermeistern haben“, sagt er. „Und wir können auch einiges erreichen, auch wenn wir keine direkte Macht haben.“

Das sieht auch Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer so: „Die Hauptaufgabe des Seniorenbeirats ist die Beratung des Stadtrats und der Verwaltung in allen Belangen älterer Mitbürger – ganz aktuell z.B. bei der Neugestaltung der Fußgängerzone oder den laufenden Planungen zu ‚Stadtraum gemeinsam gestalten‘. Regensburg kann sich glücklich schätzen, überaus engagierte Seniorenbeiräte zu haben. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass noch mehr Regensburgerinnen und Regensburger den Seniorenbeirat nutzen, um ihre Anliegen vorzubringen, z.B. in der Sprechstunde, die jeden Dienstag im Büro des Seniorenbeirates stattfindet.“

Hintergrund

  • Personen:

    Der Seniorenbeirat ist die Interessenvertretung aller älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger der Stadt Regensburg. Der Vorsitzende ist seit 2005 Josef Mös. Die Mitglieder werden delegiert. Sechs Mitglieder sind Vertreterinnen und Vertreter der Alten- und Seniorenklubs, je eines kommt von der stationären Altenhilfe, vom Landessportverband, vom VdK, vom Diakonischen Werk, vom Treffpunkt Seniorenbüro, vom Förderverein Seniorenbeirat und ein beratendes Mitglied kommt vom Seniorenamt.

  • Geschichte:

    Der Beirat wurde im November 1978 unter dem CSU-Oberbürgermeister Friedrich Viehbacher gegründet. Er hat 13 Mitglieder, die ausschließlich ehrenamtlich arbeiten.

  • Sprechstunde:

    Die wöchentliche Sprechstunde findet jeden Dienstag von 9.30 bis 11 Uhr in der Geschäftsstelle des Seniorenbeirats, Johann-Hösl-Straße 11, Zimmer 305 statt. Vorsitzender Mös und das Team stehen aber bei Fragen und Anregungen jederzeit zur Verfügung: Tel. 507  45 48 oder 507 15 42.

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