mz_logo

Regensburg
Montag, 19. Februar 2018 4

Engagement

Diese Superfood-Helden helfen in Kenia

Die Projektgruppe „Thriving Green“ setzt sich gegen den Hunger in der Region Turkana ein. Ihre Geheimwaffe: eine Mikroalge.
Von Angelika Lukesch, MZ

  • Die Projektgruppe „Thriving Green“: Tobias Solis, Richard Bock, Elisabeth Keck, Daniel Kotter (Projektleitung), Alexander Zacharuk (Projektleitung), Stefan Weigl, Jens Eckberg und Larissa Florysiak Foto: Enactus
  • Man kann auch einen Spirulina-Kuchen backen! Foto: Enactus
  • So sieht Spirulina in Pulverform aus. Es besitzt einen sehr hohen Nährstoffgehalt. Foto: Enactus

Regensburg. Biologiestudent Alexander Zacharuk (27) und Betriebswirtschaftsstudent Daniel Kotter (22) wollen helfen, den Hunger in Kenia, genau genommen in der Region Turkana, zu bekämpfen. Diese Region ist eine der ärmsten der Welt. Konstante Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius und lange Dürreperioden machen konventionelle Landwirtschaft unmöglich.

Das Wasser des Turkanasees, dem größten Wasserreservoir der Region, ist aufgrund seines hohen Salzgehalts und des extremen pH-Wertes für Pflanzen und Nutztiere tödlich. Hinzu kommen der Klimawandel, die Überfischung und die Umweltverschmutzung, die die Situation in Turkana drastisch verschärfen. Die Folgen sind Unterernährung und Hunger für Hundertausende Menschen. Die Einwohner von Turkana leiden vor allem an den Folgen der Mangelernährung: Entwicklungsdefekte, gestörter Stoffwechsel, Muskelschwäche und Organversagen.

Die Einwohner von Turkana in Kenia leiden an Mangelerscheinungen und Hunger. Foto: Enactus

Viele sterben daran, jeder fünfte Todesfall in Turkana ist ein Kind. Die vor kurzem eingetretene Dürreperiode spitzt die Lage im Moment weiterhin dramatisch zu. Akuter Nahrungsmangel herrscht durch den Ausfall der spärlichen Ernte und das Sterben des Weideviehs.

Kontakte vor Ort

Zacharuk hatte die zündende Idee, mittels der Zucht der Mikroalge Spirulina den Hunger und die Mangelernährung in Turkana zu bekämpfen. Er und Kotter nahmen Kontakt auf mit Pater Avelino, dem Leiter der katholischen Mission in Nariokotome, der seit 25 Jahren in dieser Region humanitäre Hilfe leistet. Pater Avelino schickte ein verstörendes Bild mit verendetem Vieh in der Wüste. „Wir wussten, dass wir nun schleunigst handeln müssen“, sagte der Biologiestudent.

Zacharuk und Kotter sind Mitglied der gemeinnützigen Organisation „Enactus“ Regensburg. Dies ist ein Verein, der mit Hilfe von nachhaltigen, sozialen Projekten benachteiligten Gruppen eine wirtschaftliche Perspektive geben will. Ein weiteres Projekt von Enactus ist das Projekt „Hydro-Solution“. Hier entwickelten Studenten einen leicht herzustellenden Wasserreinigungsfilter, der ebenfalls in Kenia helfen soll, den Einwohnern sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen.

Zacharuk und Kotter gründeten innerhalb des Vereins Enactus die Projektgruppe „Thriving green“, der insgesamt neun Studenten aus den Fachrichtungen Biologie, Mikrosystemtechnik, Kulturwissenschaften, Betriebswirtschaft und Jura angehören. „Thriving Green“ bedeutet auf Deutsch „Grün, das gedeiht“. „Der Projektname ist Programm. Er spielt auf die Zielsetzung hinter „Thriving Green“ an: Durch das Gedeihen der grünen Alge Spirulina sollen die Menschen vor Ort und die Region selbst aufblühen können“, sagt Kotter. Zacharuk selbst bezeichnet die Spirulina als die „Landwirtschaft von morgen, um Hunger heute zu bekämpfen!“

Doch warum eignet sich die Mikroalge Spirulina so gut dazu, den Hunger in Turkana/Kenia zu bekämpfen? „Spirulina kann sich durch Zellteilung sehr schnell vermehren und gilt aufgrund des hohen Vitamin- und Proteingehalts als Superfood. Zudem wächst es am besten unter hohen Temperaturen in einem Wasserbecken mit hohem pH-Wert“, erklärt Zacharuk. Der Plan der Projektgruppe lautet: die Mikroalge Spirulina kostengünstig und ertragreich am Turkanasee anbauen, denn dies kann eine Lösung für das Mangelernährungsproblem sein.

Zucht im Freiluftbecken

Bis jetzt haben die Studenten erfolgreich die Laborzucht von Spirulina, wie auch die Freiluftzucht in Regensburg gemeistert. Die Wachstumsraten wurden analysiert. Doch um wirklich helfen zu können, muss das Projekt viel größer sein. „Für den Bau der ersten Spirulina-Farm in Turkana, die aus zehn Zuchtbecken bestehen soll, wären insgesamt zirka 7000 Euro notwendig“, erklärt Daniel Kotter. Die 120 Quadratmeter großen Zuchtbecken werden von kenianischen Bauunternehmen errichtet und kosten je um die 700 Euro.

Wichtig ist den Studenten der Projektgruppe „Thriving Green“, dass die Zuchtbecken vor Ort durch die Einheimischen unter Verwendung von ausschließlich lokalen Ressourcen selber hergestellt werden können. „Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben und so sicherstellen, dass sich das Projekt durchsetzt und langfristig erfolgreich wird“, erklärt Daniel Kotter.

Anfang April will das „Thriving Green“-Team nach Kenia fliegen, um dort in Turkana die erste große Algenzuchtanlage zu errichten. Damit könnten 400 Menschen regelmäßig mit dem Superfood Spirulina versorgt werden.

Daniel Kötter appelliert an mögliche Spender: „Wir alle hoffen sehr, dass sich noch genug engagierte Sponsoren finden, die mithelfen wollen, dass sich das Projekt „Thriving Green“ in Kenia zum Wohle der Einheimischen realisieren lässt. Die einfache Zucht und Zubereitung der Mikroalge soll dann in weitere Dörfer getragen werden und die Lebensgrundlage von vielen Menschen entscheidend verbessern.“

Weitere Polizeimeldungen aus der Region lesen Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht