mz_logo

Regensburg
Sonntag, 24. September 2017 20° 4

Verkehr

Diesel-Debatte: Bürger hängen am Auto

Die Auto-Zulassungszahlen in Regensburg steigen weiter. Doch die Händler spüren die Verunsicherung der Kunden.
Von Julia Ried, MZ

Die Luftmessstation an der D.-Martin-Luther-Straße: In Regensburg wurde in vier der vergangenen fünf Jahre der Stickstoffdioxid-Grenzwert leicht überschritten. Foto: Lex

Regensburg.Trotz der politischen Debatte, welche Nachrüstungen für Dieselautos notwendig sind, und über die Luft in deutschen Städten ist die Zahl der in Regensburg zugelassenen Autos in den ersten sieben Monaten dieses Jahres deutlich gestiegen. Zum 31. Juli 2017 waren in der Zulassungsstelle 2350 mehr Autos registriert als zum 31. Dezember 2016. Damals waren 77 252 Pkw zugelassen, jetzt sind es 79 602. Die Autohändler in der Region spüren allerdings die Verunsicherung der Kunden deutlich. Sie schlägt sich auch auf die Verkaufszahlen nieder – der Absatz von Dieselautos sinkt deutlich.

Der Zulassungsstatistik zufolge – in ihr sind allerdings nicht nur von Autokäufern zugelassene Pkw enthalten, sondern auch Zulassungen von Autoherstellern, -verleihern und -händlern – stieg die Zahl der in Regensburg zugelassenen Benziner in Relation stärker als die der Diesel. 949 Diesel-Pkw kamen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres den Daten der Zulassungsstelle der Stadt zufolge dazu, so dass jetzt 31 007 in Regensburg zugelassen sind. In der Rubrik „Otto inklusive Erdgas und Autogas“ verzeichnete die Stadt ein Plus von 1275 auf 47 950 Autos.

Hier sehen Sie Entwicklung der Zulassungszahlen in Regensburg.

Kunden weichen auf Benziner aus

Das Interesse der Kunden an Benzinern steigt, das berichten auch die Händler. So sagt Rainer Hensel, Geschäftsführer der in Regensburg ansässigen Jepsen-Automobilhandelsgesellschaft mit acht Autohäusern in Regensburg und Neutraubling, die mit Volkswagen, Audi, Porsche, Skoda und Seat mehrere Marken der Volkswagengruppe führt: „Wir merken, dass die Unsicherheit der Kunden insbesondere bei kleinen Autos dazu führt, dass sie einen Benziner vorziehen.“ Er berichtet: „Im Neufahrzeuggeschäft geht der Diesel-Anteil merklich zurück“, von 46, 47 Prozent auf etwa 40 Prozent. Insgesamt seien die Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorjahr auf gleichem Niveau. Die beim Diesel-Gipfel vereinbarten „Umweltprämien“, die mehrere Hersteller Fahrern von bestimmten Modellen beim Neuwagenkauf gewähren, tragen seiner Meinung nach dazu bei, dass das Geschäft stabil bleibt. In den Vorjahren sei es allerdings gewachsen.

Arno Dressler, der ein Renault-, Dacia- und Ford-Autohaus in Obertraubling führt, sagt: „Die Kunden werden täglich neu verunsichert. Sie kommen, sie informieren sich, aber sie sind unentschlossen.“ Vor allem ältere Menschen hätten verstärkt Fragen, sorgten sich, dass sie mit einem Diesel nicht mehr zum Masseur oder zum Arzt in die Stadt kommen. Zwar würden einige Kunden auf Benziner ausweichen, speziell im August hätten sich die Verkaufszahlen aber auch insgesamt „etwas eingetrübt“, erzählt der Autohaus-Chef. Sie seien um etwa 15 Prozent niedriger im Vergleich zum August 2016.

Dieselfahrer, die ihren Gebrauchten verkaufen möchten, müssen mit deutlichen Preisabschlägen rechnen. Dressler etwa zahlt ihnen zehn bis 15 Prozent weniger, als sie üblichweise bewertet werden. Obwohl sie günstiger verkauft werden, stehen sie der Kfz-Innung zufolge länger bei den Händlern.

Elektromobilität profitiert nicht

Die Stadt setzt weiterhin auf die Förderung des Elektrofahrzeug-Kaufs, aber ebenso auf die von Car-Sharing, ÖPNV, Fußgänger- und Radverkehr, sagt Umweltamtschef Rudolf Gruber. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass in Regensburg einer am Mittwoch bekannt gewordenen Studie des Bundes-Umweltminsteriums zufolge ein Diesel-Fahrverbot wohl nicht nötig ist, damit die Stadt die Stickstoffdioxid-Grenzwerte einhält – sie wurden in den vergangenen Jahren knapp überschritten. Gruber sagt: Darauf könne sich Regensburg nicht verlassen, zumal der Verkehr wachse. „Wir müssen auf kommunaler Ebene handeln.“ Zusammen mit den Maßnahmen auf Bundes- und EU-Ebene ergebe sich ein „Mosaik“, das letztendlich die Stadtluft besser machen soll.

Der Luftreinhalteplan

  • Anlass:

    Ende 2004 setzte das Bayerische Umweltministerium den ersten Luftreinhalteplan für Regensburg in Kraft. Auslöser war, dass die Feinstaub-Grenzwerte öfter nicht eingehalten wurden als erlaubt; zulässig sind 35 Überschreitungen. Da 2004 bis 2006 erneut Überschreitungen auftraten, wurde bis 2011 eine erste „Fortschreibung“ des Plans erarbeitet.

  • Fortschreibung:

    Aktuell arbeitet die Regierung der Oberpfalz an der zweiten Fortschreibung. Anlass sind Verstöße gegen die Jahres-Grenzwerte für Stickstoffdioxid. Voraussichtlich Ende 2017 werde der neue Plan – der auch eine Umweltzone vorsieht – in Kraft treten, sagte eine Regierungssprecherin gestern.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht