mz_logo

Regensburg
Sonntag, 19. November 2017 7

Öffentlichkeit

Ein Maulkorb für die Tourismus-Chefin?

Die RTG-Geschäftsführerin Sabine Thiele wagt es nicht mehr, sich gegenüber der MZ zu äußern. OB Wolbergs versichert aber, sie genieße sein Vertrauen.
Von Marion Koller, MZ

  • Hinter den Rathauskulissen brodelt es. Archivfoto: altrofoto.de
  • Am 22. Juli berichtete die MZ über die Sicherheitsüberprüfung der sechs mittelalterlichen Säle. Das führte zur Verstimmung zwischen OB und RTG.

Regensburg.Hinter den Rathauskulissen brodelt es. Am Dienstagnachmittag berief OB Joachim Wolbergs alle Mitarbeiter ein, die sich um Marketing und Vermietung der sechs historischen Säle der Stadt kümmern. Mit dabei: Sabine Thiele, die Geschäftsführerin der Regensburg Tourismus GmbH, und ihr Mitarbeiter Klaus Blobner. Es ging um die Nutzungsbedingungen von Leerem Beutel, Dollingersaal etc., vor allem aber um eine Sprachregelung gegenüber den Medien. Das Management für den Leeren Beutel wurde der RTG entzogen (MZ berichtete).

Ein Schock für den Beutel-Wirt

Der Hintergrund: Klaus Blobner war kurz vor dem Jazz-Weekend Anfang Juli vorgeprescht und hatte Winfried Freisleben, dem Wirt des Leeren Beutels, mitgeteilt, dass Saal und Gaststätte nur für 233 Gäste zugelassen seien. Ein Schock für Freisleben, der sonst bis zu 400 Besucher einlässt. Auch für andere historische Säle, die die RTG gerne und lukrativ vermietet, kündigte Blobner dringend nötige Sicherheits-Umbauten an. Offenbar hatten aber weder RTG-Geschäftsführerin Thiele noch OB Wolbergs den Mitarbeiter autorisiert, mit diesem Vorhaben an die Öffentlichkeit zu gehen. Es gab daraufhin wohl ein paar interne Gespräche.

Als die MZ bei der RTG wegen der geplanten Schiffsanlegestellen in der Thundorferstraße – einem Thema, das mit den Sälen nichts zu tun hat – nachfragte, sagte Sabine Thiele, sie dürfe sich nicht mehr gegenüber der Presse äußern. OB Joachim Wolbergs wolle das nicht. Die RTG sei in der MZ zuletzt nur noch schlecht weggekommen. Der OB bezog sich auf Berichte über Technik-Pannen im Welterbezentrum und Sicherheitsdefizite in den historischen Sälen. Ein Maulkorb also? Und das bei einem Rathauschef, der mit dem Wahlversprechen angetreten ist, einen neuen Stil, einen verbindlicheren Umgangston und mehr Transparenz einzuführen?

Auf MZ-Anfrage wies der Oberbürgermeister die Maulkorb-Lesart diese Woche vehement zurück. „Das habe ich nicht gesagt!“, betonte er. „Ich habe nie einer Geschäftsführerin oder einem Amtsleiter verboten, was zu sagen.“ Natürlich dürfe sich eine Geschäftsführerin äußern. Frau Thiele könne weiterhin auf alle Anfragen antworten. „Es gibt keinen Maulkorb von mir.“ Jede Führungskraft der Stadt könne sich gegenüber den Medien äußern, aber nicht jeder Mitarbeiter. Außerdem müssten die Aussagen wahr sein, erklärte der OB. Allerdings habe er Äußerungen aus der Regensburg Tourismus GmbH zum Thema historische Säle „nicht sehr glücklich“ gefunden.

„Ich habe das beste Verhältnis zu Frau Thiele, aber ich war nicht amüsiert über Aussagen des Herrn Blobner“, räumte der OB gestern am Handy ein. Den RTG-Mitarbeiter bezeichnete der OB als „übereifrig“. „Ich rate, dass wir uns nicht öffentlich widersprechen, wenn es nicht sein muss“, empfahl Wolbergs.

Die Konkurrenz schwächen

Hinter vorgehaltener Hand munkeln Rathausmitarbeiter, dass Blobner nicht einfach nur vorgeprescht ist, sondern die beliebten und außergewöhnlich schönen historischen Säle als Konkurrenz für „sein“ Tagungszentrum im Alten Schlachthof schwächen wollte.

Jedenfalls verweigerte die RTG dem Leeren Beutel eine Sondergenehmigung für das Jazz-Weekend. Oberbürgermeister Wolbergs löste das Problem mit wenigen Telefonaten (MZ berichtete). Er beorderte eine Brandwache der Feuerwehr vor das Lokal und engagierte einen Security Service für die Notausgänge, der die Türen im Notfall geöffnet hätte. Am Dienstag kündigte Wolbergs nun an, die Fluchttüren würden so umgebaut, dass sie sich nach außen öffnen. Das entspreche den Sicherheitsvorschriften für 400 Menschen.

Weitere Umbauten sind geplant

Im Übrigen sei die Saalnutzung klar geregelt. Im Welterbezentrum und Konferenzsaal des Salzstadels dürfen sich nicht mehr als 200 Besucher aufhalten. Dort wurde zwar als zweiter Fluchtweg eine Treppe installiert. Diese entspricht aber nur dem Denkmalschutz, nicht dem Versammlungsstättengesetz. Sie ist um zehn Zentimeter zu schmal. Beim Katholikentag mussten Besucher deshalb warten, bis andere den Saal wieder verließen. Für den Dollingersaal und das Thon-Dittmer-Palais sind Sicherheits-Umbauten geplant.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht