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Regensburg
Montag, 20. November 2017 5

Kriminalität

Einbrüche können Trauma auslösen

Die Zahl der Delikte ist zwar rückläufig, die Aufklärungsquote jedoch niedrig. Deswegen müssen sich Regensburger schützen.
Von Heike Haala, MZ

Wohnungseinbrüche in Regensburg werden zwar weniger, jedoch werden lediglich 20 Prozent dieser Fälle aufgeklärt. Foto: dpa

Regensburg.Sie brechen Terrassentüren auf oder schieben Rollläden hoch. Sie durchwühlen Schubladen, Unterlagen und Schränke und erbeuten dabei Schmuck, Bargeld oder teure Elektrogeräte. Und wenn sie besonders dreist sind, genehmigen sie sich sogar noch eine Dusche in der Wohnung ihres Opfers – so geschehen im Cranachweg im Juli dieses Jahres. Dabei haben es Einbrecher, die sich Zutritt zu Regensburger Wohnungen verschaffen, eigentlich auf Wertsachen abgesehen. Die Polizei will die Regensburger nun dazu bringen, sich selbst besser dagegen zu schützen.

In unserem Video sehen Sie Tipps der Polizei gegen Einbrüche.

Tipps zum Schutz vor Einbrechern

Im Jahr 2016 gab es 166 Opfer von Wohnungseinbrüchen im Regensburger Stadtgebiet, im Jahr zuvor waren es ebensoviele. Besonders wenig Einbrüche gab es zuletzt etwa im Jahr 2009, damals waren es 99 Fälle, oder im Jahr 2012 mit 124 Fällen. Auch im Jahr 2017 werden es aller Voraussicht nach weniger Regensburger sein, die Opfer von Einbrüchen werden, sagt Albert Brück, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz. Weil aber die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbruchsdiebstählen in Regensburg lediglich bei 20 Prozent liegt, setzt die Polizei auch auf Prävention. Ihr Ziel: Die Regensburger sollen sich so verhalten, dass sie es den Einbrechern möglichst schwer machen.

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Die Polizei informiert

Um Hausbewohner darüber zu informieren, was sie tun können, veranstalten die beiden Polizeiinspektionen sowie die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle am Freitag von 10 bis 14 Uhr im Donaueinkaufszentrum einen Tag des Einbruchschutzes. Eine weitere Präventionsmaßnahme im Stadtgebiet sind speziell geschulte Beamte, die sich damit auseinandersetzen, welche Bereiche gefährdet sind. Schwerpunkte im Regensburger Stadtgebiet gebe es nicht. Eine Software, die vorhersagt, wo bald mit hoher Wahrscheinlichkeit eingebrochen wird, kommt in Regensburg derzeit nicht zum Einsatz. Etwa in Nürnberg oder in München wurde dieses Pre Crime Observation System, kurz „Precobs“, bereits getestet.

Unseren Artikel über den Sicherheitsbericht lesen Sie hier.

Wenn die Einsatzkräfte wegen eines Wohnungseinbruchsdiebstahls gerufen werden, ringt ihnen das stets Einiges ab, sagt Brück. Neben dem Start der Ermittlungen oder etwa der Spurensicherung geht es bei diesen Einsätzen auch immer darum, die Opfer zu beruhigen und ihnen die nächsten Schritte aufzuzeigen. Beispielsweise werden sie im Nachgang von den Experten der Regensburger Kriminalpolizei beraten.

Der finanzielle Schaden, der Stress, Gestohlenes zu Ersetzen und die Behördengänge sind also nicht die einzigen Folgen eines Einbruchs. Wenn ein Mensch Opfer einer solchen Straftat wird, kann auch seine Seele ordentlich an diesem Erlebnis zu knabbern haben. Immerhin ist der Täter in seinen persönlichen und Lebensbereich eingedrungen, erklärt Brück. Deswegen macht sich bei manchen Opfern nach der Tat Unsicherheit breit.

„Wann immer jemand einem Geschehen von außergewöhnlicher körperlicher oder seelischer Bedrohung ausgesetzt ist, besteht die Gefahr einer posttraumatischen Belastungsstörung“, sagt Astrid Hubmann, Psychologische Psychotherapeutin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, über die möglichen psychologischen Folgen eines Wohnungseinbruchs.

Weitere Polizeimeldungen aus der Oberpfalz lesen Sie hier.

Ein Gefühl von Hilflosigkeit

Nach traumatischen Erlebnissen wie etwa einem Einbruch litten die Betroffenen manchmal unter wiederkehrenden, plötzlichen Erinnerungen an das Ereignis in Form von Albträumen oder sogenannten Flashbacks. „Die Patienten erleben häufig Gefühle von Hilflosigkeit, sie sind übererregbar, unruhig und deutlich schreckhaft bei erhöhter allgemeiner Wachsamkeit“, sagt Hubmann.

Diese Symptome seien zunächst eine normale und menschliche Reaktion auf eine außergewöhnliche Belastung. „Sie bedürfen nicht sofort einer psychotherapeutischen Behandlung.“ Dauerten die Symptome jedoch länger an, sei laut der Psychologin therapeutische Hilfe durch einen Psychotherapeuten oder durch einen Traumatherapeuten indiziert.

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