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Stätte

Eine Kapelle, die Menschen vereint

40 Jahre Brandlberger Marienkapelle: Pilger legen dort eine geistige Rast ein, für Anwohner ist sie ein Ort der Begegnung.
Von Daniel Steffen, MZ

Eine Szene aus den frühen Tagen der Marienkapelle: Bereits 1979 feierten die Brandlberger ihr Bergfest. Foto: Archiv/Männer- und Burschenverein

Regensburg.Seit 40 Jahren ist die Marienkapelle ein wichtiger Begegnungsort am Brandlberg. Oben auf dem Berg befindlich, führt sie regelmäßig zu verschiedenen Anlässen die Menschen zusammen. Im Mai etwa finden vor Ort zwei Andachten statt, ferner ist sie die 15. und letzte Station des Kreuzwegs, den der Männer- und Burschenverein Brandlberg in der Fastenzeit beschreitet. Immer im Oktober findet auf dem Berg eine Erntedankandacht statt. „Einmal sogar hat sich ein Paar an der Kapelle das Ja-Wort gegeben“, erinnert sich Konrad Birkmeier, Geschäftsführer des örtlichen Männer- und Burschenvereins. Häufig betet er im Todesfall eines Anwohners für die Angehörigen den Sterberosenkranz und spendet auf diese Weise Trost. Kurzum: Aus dem Leben der Brandlberger ist die Kapelle nicht mehr wegzudenken. Am 14. August 1977 wurde sie vom damaligen Weihbischof Karl Flügel eingeweiht, Hunderte von Besuchern wohnten damals dem feierlichen Akt bei.

Josef Gietl hatte die Idee

Vor einer Woche zelebrierte der Männer- und Burschenverein Brandlberg im Rahmen seines Kirchweihfests das runde Jubiläum der Kapelle. Viele Erinnerungen an die Entstehungszeit wurden bei diesem feierlichen Anlass wieder wach. Dazu trug auch eine Ausstellung bei, die das Ereignis vor Ort in Bild und Wort dokumentierte.

Als „Gründervater“ kam der gebürtige Brandlberger Josef Gietl bereits im Jahr 1975 auf die Idee, eine Kapelle bauen zu lassen. Bis er seine Idee durchsetzen konnte, musste er bei den Behörden viel Überzeugungsarbeit leisten. „Der unbedingte Wille zur Vollendung ließ Gietl nicht mehr zur Ruhe kommen“, heißt es in der Chronik. So begab er sich auf die Suche nach Spendern für das Baumaterial und musste auch politische Überzeugungsarbeit leisten.

Grundstücksbesitzer Hubert Tausendpfund, den er ebenfalls überzeugen konnte, band er in die Gespräche ein – und bei einer gemeinsamen Ortsbegehung am 22. Februar 1977 konnte ein geeigneter Ort für die Kapelle gefunden werden. Schon kurz darauf reichte Ingenieur Josef Pilz den Bauplan bei der Stadt ein –und am 28. April 1977 zelebrierten die Brandlberger die feierliche Grundsteinlegung.

Bei der Brandlberger Waldweihnacht spielen die Kinder die biblische Herbergssuche nach und machen sich auf den Weg zur Kapelle. MZ-Archiv-Foto: Steffen

An die Bauarbeiten erinnert sich Konrad Birkmeier noch genau: „An die 30 Anwohner haben sich um den Bau gekümmert – immer dann, wenn Zeit war. Auch unter der Woche“, sagt er. „Wir haben da oben eine Baubude gehabt und nach Feierabend noch ein wenig Karten gespielt.“ Einen Großteil des benötigten Baumaterials spendete das Kalkwerk, die Glocke die Brandl- berger Familie Kargl – und den Marmorboden Erich Zeitler, ein Mitglied des Männer- und Burschenvereins, dem Träger der Marienkapelle. Die Arbeiten am Kupferdach übernahm Heinrich Lachner.

Da die Brandlberger ein festes Ziel vor Augen hatten, gingen die Arbeiten flott voran: „Wir wollten die Kapelle unbedingt am Marientag einweihen“, erklärt Birkmeier. Die Einweihung am 14. August 1977 stand unter dem Motto „Credo – Ave Maria –Te Deum“. Weihbischof Karl Flügel sprach folgende Worte: „Wir glauben an Gott, haben die Brandlberger gesprochen und danach gehandelt. Und nun sagt uns allen diese Kapelle, was das Herz eines jeden Brandlbergers spricht: Woher ich kam, wohin ich geh, weiß ich nicht. Nur dieses: von Gott zu Gott ist meine Zuversicht.“ Am 15. August dann fand ein großes Fest statt, bei dem Stadtpfarrer Karl Gerstl den Gottesdienst zelebrierte. So nahm die Tradition des jährlichen Kirchweihfestes ihren Anfang.

Vom „dosierten Wettersegen“

Seitdem sind nun 40 Jahre ins Land gegangen – und längst lockt das Kirchweihfest nicht nur Brandlberger an. Wie der veranstaltende Männer- und Burschenverein beobachtet, nehmen auch Besucher aus der Konradsiedlung und anderen Stadtteilen sowie aus dem Landkreis daran teil. Der „dosierte Wettersegen“ von Stadtpfarrer Thomas Eckert sorgte dafür, dass das Fest von viel Sonnenschein begleitet wurde. Zwar gab es am Abend einen heftigen Gewitterschauer, doch auch der konnte den Brandlbergern die gute Laune nicht nehmen. Wie es beim Männer- und Burschenverein Tradition ist, wurde das Kirchweihfest mit einer Eröffnungsandacht an der Kapelle begonnen. Unter anderem nahmen Stadtpfarrer Thomas Eckert sowie Frater Robert vom Orden der Barmherzigen Brüder daran teil.

Pfarrer Thomas Eckert zelebriert beim jährlichen Kirchweihfest den Berggottesdienst. Foto: Steffen

Mehrere größere Feste an der Kapelle stehen heuer noch an: So feiern die Anwohner dort am 1. Oktober ihre Erntedankandacht. Am 17. Dezember indes lockt die Brandlberger Waldweihnacht an den Berg.

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Eine 40-jährige Tradition

  • Prozession

    In der Vergangenheit wurde immer am 14. August mit einer Dankprozession, die sich von der Pfarrkirche St. Konrad zur Marienkapelle bewegte, der Einweihung im Jahr 1977 gedacht.

  • Bergpredigt:

    Anschließend fand an der Kapelle eine Bergpredigt statt. Auch pflegte der Männer- und Burschenverein bereits den Brauch, an Maria Himmelfahrt einen Festgottesdienst zu veranstalten.

  • Kräutersegnung:

    Später kam der Brauch der Kräutersegnung hinzu. Andererseits wurde die Dankprozession wegen geringer Teilnahme eingestellt. Seitdem beginnen die Feiern mit einer Eröffnungsandacht.

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