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Regensburg
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Wirtschaft

Experten: Fünf Einkaufszentren reichen

Nach Meinung von Marktforschern ist Regensburg gut mit Shopping-Malls ausgestattet. Das Geschäft brummt, aber nicht überall.
Von Norbert Lösch

Künstliche Christbäume neben der Rolltreppe: In den Wochen vor Weihnachten ziehen Einkaufszentren viele Kunden an. Foto: Paul Zinken/dpa

Regensburg.Mit fünf Einkaufszentren von klein bis groß ist die Stadt Regensburg bedarfs- und marktgerecht bestückt – auch in der Vorweihnachtszeit. Zu dieser Einschätzung kommen Geodaten-Experten des Marktforschers Nexiga, die ganz Deutschland hinsichtlich des Versorgungsgrads unter die Lupe genommen haben. Und: Wenngleich der Online-Handel brummt wie nie, schwörten viele Kunden auch weiterhin auf den Einkauf in nahe gelegenen Shopping-Malls. Dort kennen sie das Angebot und schätzen Vorzüge wie kostenlose Parkplätze und Gelegenheiten zum Ausruhen und Essen.

Nur fünf Standorte erfasst

Dabei kommt Regenburg als Oberzentrum eine besondere Rolle zu: Keine andere Stadt in der ganzen Oberpfalz und in Niederbayern ist ähnlich gut mit Einkaufszentren versorgt. Auch Passau nicht, dem lediglich ein mittlerer Versorgungsgrad bescheinigt wird. Für Kelheim, Cham oder Straubing wird das Angebot als zufriedenstellend eingestuft. Weder in Regensburg noch anderswo sind allerdings Anziehungskraft und Funktion des Einzelhandels in den Innenstädten berücksichtigt. Aufgelistet und nach ihrem Standortpotenzial bewertet wurden nur diese fünf weitgehend zentral geführten Einkaufszentren: das Donaueinkaufszentrum, die Arcaden, das KÖWE, das Alex und das kleine Rennplatz-Zentrum. Auch das Fachmarktzentrum an der Bajuwarenstraße und der Gewerbepark blieben außen vor.

Größeren, zentral gemanagten Einkaufszentren – und natürlich dem Online-Handel – scheint ohnehin die Zukunft zu gehören. „Binnen 15 Jahren ist der Marktanteil des inhabergeführten Einzelhandels von 32 auf 18 Prozent zurückgegangen, Tendenz sinkend“, sagt Dr. Matthias Segerer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niederbayern/Oberpfalz.

Das bildet sich gerade auch in Regensburg ab. Die Verkaufsflächen in der Altstadt sind seit 2008 von knapp 75000 Quadratmetern auf jetzt geschätzte 70000 Quadratmeter geschrumpft, während allein die fünf genannten Einkaufszentren drumherum zusammen mehr als 110000 Quadratmeter Verkaufsflächen haben.

Regensburger haben viel Geld

Der Handelsexperte kann mit weiteren interessanten Zahlen und Informationen aufwarten. Zum Beispiel was das zu Ende gehende Weihnachtsgeschäft anbelangt. „Der stationäre Handel, insbesondere die Innenstädte, waren bis zum vergangenen Wochenende vom bisherigen Geschäft enttäuscht. Dieser Trend wurde mir auch in Gesprächen mit Händlern in der Region bestätigt“, sagt Segerer. Das Weihnachtsgeschäft in der Region sei demnach gerade in den ersten beiden Dezemberwochen sehr schleppend angelaufen.

Dabei schätzen die städtischen Statistiker den Einzugsbereich Regensburgs mittlerweile auf 700000 Menschen, von denen viele auch zum Einkaufen kommen – teilweise bis aus Tschechien. Im Weihnachtsgeschäft geben sie regelmäßig deutlich mehr für den Konsum aus als in der übrigen Jahreszeit. Die Konsumforschung geht davon aus, dass der Einzelhandel in den Monaten November und Dezember nicht nur ein Sechstel, sondern mindestens ein Fünftel seines Jahresumsatzes macht.

Der vorweihnachtliche Kaufrausch war auch in Regensburg spürbar. Foto: Nikolai Huland/dpa

In Regensburg selbst dürfte dieser „Advents-Kaufrausch“ wegen des elf Prozent über dem Durchschnitt liegenden Kaufkraft-Index seiner Einwohner noch einmal ausgeprägter sein. Den bestätigt die IHK: „Mit 24 963 Euro beträgt die Kaufkraft pro Kopf in der Stadt Regensburg über 4700 Euro mehr als im Landkreis Cham.“ Auch im Vergleich zum Bundesdurchschnitt – knapp 22500 Euro – liegt Regensburg hier weit vorne.

Welche Orte als Handelsstandort attraktiv sind, lässt sich rechnerisch an der Einzelhandelszentralität ablesen. Diese Kennzahl gibt an, wie viel Umsatz im Einzelhandel an einem Standort im Verhältnis zur vorhandenen Kaufkraft gemacht wird. Ein Indexwert von über 100 bedeutet, dass eine Stadt als Einkaufsstandort überdurchschnittlich attraktiv ist. Spitzenreiter in der Region Oberpfalz-Kelheim ist mit einem Wert von 288,2 die Kreisstadt Cham, dicht gefolgt von Neutraubling mit 266,7. Auch die Städte Weiden (208,5) und Schwandorf (173,8) liegen noch vor Regensburg (166,9). Das seien keine Rechenfehler, erläutert IHK-Experte Segerer, sondern spiegle die Realität sehr gut wider.

„Die Zentralität hängt nicht nur vom Einzelhandelsangebot ab, sondern auch von der Einwohnerzahl und der Konkurrenzsituation im Umland. Cham, Schwandorf und Weiden sind traditionelle Einkaufsstädte mit einem großen Hinterland.“ Im nationalen Vergleich mit Städten zwischen 100000 und 200000 Einwohnern ist Regensburg dennoch ein attraktiver Handelsstandort und hinter Trier (190,5), Würzburg (183,2) und Koblenz (167,9) bundesweit auf Platz vier.

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