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Regensburg
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Erziehung

Familienpaten helfen in höchster Not

Die Zola Wazolas hatten einen schweren Start in Regensburg. Silvia Krämer half ihnen, anzukommen – die Freundschaft blieb.
von Michael Sperger, MZ

  • Die Zola Wazolas treffen sich weiter häufig mit Familienpatin Silvia Krämer. Sie gehört zur Familie. Foto: Sperger
  • Gemeinsam mit der Patenoma wird gespielt und gelacht. Foto: Sperger

Regensburg.In der Wohnung von Silvia Krämer herrscht das pure Tohuwabohu. Vier kleine Kinder sitzen am Boden und spielen mit Legosteinen. Nur eins davon ist ihr eigener Enkel, die anderen Drei sind ihr dennoch ans Herz gewachsen. „Meine Schoko-Kinder“, sagt Krämer liebevoll „sind bei mir zu Hause immer willkommen“.

David, Joys und Lieam Zola Wazola sind gerne dort. Vor sechs Jahren ist ihre Mutter Julie zum Jugendamt gegangen, da sie mit der Situation völlig überfordert gewesen war. „Ich war neu in Regensburg und wusste nicht, wo ich anfangen sollte“, erzählt die Frau aus dem Kongo. Nach anfänglicher Skepsis ihres Mannes wandte sie sich an das Jugendamt, das sie an Hildegard Eisenhut vermittelte. Sie leitet seit 2007 das Projekt der Familienpaten. „Aktuell haben wir über 30 ausgebildete Paten im Alter von 18 bis 70 Jahren, die uns ehrenamtlich unterstützen“, erzählt sie. Davon ist nur einer männlich. „Neue Paten sind immer gerne gesehen und werden immer gebraucht“, sagt Eisenhut.

„Man bekommt mehr zurück“

Um ihre drei leiblichen Enkel kümmert sich Krämer natürlich auch. Doch sie brauchte immer Action um sie herum und da zwei der drei nicht mehr in Regensburg leben, machte sie die Ausbildung als Familienpatin. „Man bekommt von den Kindern und ihren Eltern mehr zurück, als man hineinsteckt“, sagt sie. Nach ihrer Rente betreute sie zum Teil drei Familien gleichzeitig.

„Als Familienpatin ist man nicht nur eine einfache Kinderbetreuerin.“

Hildegard Eisenhut, Leiterin des Patenprogramms

Es ist nicht immer einfach, an die Familie heranzukommen, wenn sich die Betroffenen nicht öffnen. „Als Familienpatin ist man nicht nur eine einfache Kinderbetreuerin“, sagt Eisenhut. Auch für Mutter Julie war und ist Krämer mehr. „Sie half uns als Finanzberaterin, Eheberaterin und vieles mehr.“ „Die Betreuung ist offiziell schon lange vorbei. Der Kontakt ist trotzdem nie abgerissen“, sagt Krämer erfreut. Die Kinder wären wohl auch todtraurig ohne ihre „Patenoma“.

Die Ausbildung

  • Inhalt:

    In den 70 Stunden Kurs geht es auch um Themen wie Gesprächsführung, Nähe und Distanz sowie Teamfähigkeit.

  • Termin:

    Die nächste kostenlose Ausbildung zum Familienpaten ist für Anfang 2018 an sechs Wochenenden geplant.

  • Kontakt:

    Bei Interesse melden Sie sich unter Tel.: (0176) 38 539 883 oder per Mail an Hildegard Eisenhut: h.eisenhut@kinderschutzbund-regensburg.de

Drei Stunden die Woche war sie in ihrer offiziellen Tätigkeit bei der Familie gewesen. Mittlerweile treffen sie sich unregelmäßig. „Ich mache einen Schwimmkurs mit den Kindern und helfe auch den Eltern weiter, wenn sie mich fragen“, sagt Krämer. Allgemein sei es wichtig, sich den Eltern nicht aufzudrängen oder eine Meinung aufzuzwingen.

Unterschiedliche Charakter

„Jeder Pate hat einen unterschiedlichen Charakter“, erklärt Eisenhut. Deshalb sei der Austausch zwischen den ehrenamtlichen Helfern sehr wichtig. Jeder könne sich Tipps von den Kollegen holen.

Zum Beispiel, wenn es Probleme mit einer Familie gibt. Die Eltern stehen den Familienpaten oft skeptisch gegenüber. „Die Schlüssel zu den Familien sind meist die Kinder. “, sagt Eisenhut. Bei Julie und ihren Kindern war das nie ein Thema. „Oma war von Anfang an akzeptiert“, sagt sie. Auch beim Rest der Familie, die noch in Afrika lebt, sei Silvia Krämer bekannt und geschätzt. „Sie war auch bei unserer Hochzeit dabei und jeder von unseren Verwandten wollte ihr die Hand schütteln“, erinnert sich die Mutter. Silvia Krämer half, ein Leben in Regensburg aufzubauen. Dafür bekam sie viel Lob und eine zweite Familie: die Zola Wazolas.

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