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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Benefizkonzert

Frau Wunder exportiert Hoffnung

Miracles Hilfsprojekt sorgt für Schulbildung. Am Donnerstag schlagen „Döberl und Hasinger“ die Brücke nach Afrika.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Beim Abschlussfest präsentieren sich die Kinder immer stolz in ihren Schuluniformen. Foto: Miracles Hilfsprojekt

Regensburg.Morgen für Morgen klingelt der Wecker, Millionen von deutschen Kindern stehen mehr oder weniger gerne auf und machen sich zu Fuß, per Bus oder mit den Eltern auf in die Schule. Die Schulpflicht ist ab dem Alter von sechs, sieben Jahren eine Selbstverständlichkeit, über die keiner groß nachdenkt – wenigstens in Deutschland nicht. Anderswo wie in Nigeria sieht es anders aus.

Schon vor zehn Jahren hat sich Miracle Amadi auf die Fahnen geschrieben, den Hebel exakt da anzusetzen, was schon Nelson Mandela als mächtigste Waffe bezeichnete, um die Welt zu verändern – bei der Bildung. Es begann am 10. Mai 2007 mit dem Kauf eines Grundstücks in Amadis Heimatstadt Benin City und führte am 5. September 2011 zum ersten Schultag. Jetzt hat die „Rhenium International School“ mit ihren rund 130 Schülern bald schon die ersten Absolventen.

Der Name der Initiatorin ist einer dieser Punkte, die den seit 2012 existierenden Verein „Miracles Hilfsprojekt“ zu etwas Besonderem machen. „Miracle“ bedeutet auf Englisch nichts Anderes als „Wunder“ – und dass die Schule steht und läuft, ist zweifelsfrei eines. Amadi hatte sich vorgenommen, etwas für ihre Heimat zu tun, wenn sie irgendwann dazu in der Lage dazu wäre. Und so legte die mittlerweile im Landkreis Regensburg lebende Afrikanerin zunächst aus ihren ureigenen Einkünften Euro um Euro zur Seite, seit sie 2004 nach Deutschland kam. Mit der größer werdenden Schule wuchs auch Verantwortung – bisweilen bis über den Kopf.

Unter den Schulkindern bei Miracle Amadi sind auch viele Mädchen. Foto: Miracles Hilfsprojekt

Unterstützung von vielen Seiten

Doch immer, wenn „Frau Wunder“ nicht mehr weiter wusste oder Gedanken ans Aufgeben durch ihren Kopf schwirrten, kamen von irgendwo Helfer her, die dafür sorgten zu stemmen, was im Alleingang längst nicht mehr stemmbar ist. „Miracles Hilfsprojekt“ ist keine riesige Hilfsorganisation, sondern eine mit ganz besonderen Verknüpfungen. Die Gründerin überprüft höchstselbst bei ein, zwei Besuchen pro Jahr mit aller Strenge, was aus ihrem Geld wird. Sie lenkt die Geschicke und begeistert Zuhörer von ihren Ideen. So kamen im Laufe der Zeit immer wieder größere und namhaftere Unterstützer dazu: Die Globus-Stiftung sorgte zum Beispiel mit dafür, ein Dach zu bauen. Die Regensburger Montessori-Schule spendete Schulmöbel, was wegen der Einfuhrbestimmungen eine nervenaufreibende, aber letztlich erfolgreiche Transportaktion nach Nigeria notwendig machte.

Lesen Sie hier, wie die Montessori-Schulmöbel ihren Weg nach Afrika fanden.

Regensburger Möbel als Vorbild

Seit mehr als einem Jahr werden die Möbel aus Regensburg in Nigeria verwendet – und dienten jetzt als Vorbild für 100 vor Ort produzierte Tische und Stühle, die auch vor Ort wieder Arbeit schafften. Das und auch ein Chemie- und ein Computer-Labor sowie eine Bibliothek finanzierte zuletzt die Daimler-Stiftung „ProCent“. „Das Projekt ist wirklich groß geworden“, sagt Miracle Amadi und liefert immer wieder Rückmeldungen mit Berichten aus Nigeria ab – wie bei der Betriebsversammlung am 22. November im Stern-Zentrum in Regensburg.

Ehrenamtliche werden gesucht

  • Benefizkonzert:

    „Döberl und Hasinger“ spielen am Donnerstag (16. November) ab 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) im Kolpinghaus beim zweiten Benefizkonzert zugunsten von „Miracles Hilfsprojekt“. Die Karte kostet 12 Euro und ist auch noch im Vorverkauf im Kolpinghaus bzw. bei „Il Bar“ (Nähe Theater) zu haben.

  • Tage der offenen Tür:

    Der 3. März 2018 soll für eine Vereinsdelegation der Höhepunkt eines weiteren einwöchigen Nigeria-Besuchs werden. Am 5. Mai wird in Pentling beim neuen Büro ein vom Verein organisiertes afrikanisch-deutsches Fest stattfinden.

  • Gesucht:

    Miracles Hilfsprojekt braucht ehrenamtliche Helfer, die zweimal die Woche je zwei Stunden etwa bei Schriftverkehr Büro in Pentling unterstützen. Auch Patenschaften für Kinder sind gefragt.

  • Präsenz:

    Nähere Informationen zu Miracles Hilfsprojekt sind bei Facebook zu finden oder auf der Website des Vereins unter www.miracle-hilfe.de.

Überhaupt hat sich im vergangenen Jahr viel getan. Mit Stephen von Roesgen machte ein Mann mit Steuerberater-Erfahrung als Kassenwart die Finanzen national und international wasserdicht. Mit Peter Bonting reiste ein erfahrener Unterstützer im Mai mit nach Nigeria und bestätigte, dass alles ankommt vor Ort. Mit der Firma Stahl fand sich ein Gönner für Büroräume des Vereins in Pentling. Dort kann sich Miracle Amadi inzwischen als Vereinsangestellte ihrer Aufgabe so widmen, dass auch andere Visionen vorangetrieben werden können: Mehr Schüler, ein Obdachlosenhaus und ein Gebäude für behinderte Kinder – um nur die anstehenden kurzfristigeren Vorhaben zu nennen.

Erst Ende August, Anfang September führte die letzte Reise nach Nigeria. „Frau Wunder“ exportiert Hoffnung. Diesmal wurde der neue Schulbus für die jüngeren Kinder, den Vereinsmitglieder erst einmal vorfinanziert mussten und der noch abbezahlt werden muss, vollgefüllt mit Sachspenden (unter anderem der Kreuzschule in Regensburg) vor Ort abgeliefert. Das aufregendste Mitbringsel war ein für deutsche Verhältnisse nicht ungewöhnliches Trampolin, das für helle Begeisterung sorgte. „So etwas ist in Nigeria einmalig. Das hat dort niemand“, sagt Miracle Amadi.

Auch einige Fahrräder und Roller fanden zuletzt als Sachspenden den Weg in die Rhenium International School in Benin City. Foto: Miracles Hilfsprojekt

Auch afrikanische Speisen gibt es

Am Donnerstag präsentiert sich der Verein auch wieder der Öffentlichkeit: Wie schon im Vorjahr stellt Geschäftsführer Martin Seitel mit dem Kolpinghaus den Veranstaltungsort für das zweite Benefizkonzert kostenlos zur Verfügung, wo diesmal „Döberl und Hasinger“ mit ihren bissigen bayerischen Folksongs die Brücke von Bayern nach Afrika schlagen und ohne Gage auftreten. Dort zeigt Miracle Amadi die neusten Bilder und Eindrücke aus Nigeria – und es werden afrikanische Speisen präsentiert.

Träume und Visionen: Wie sich die Schule in Nigeria entwickelt hat, können Sie hier nachlesen.

„Die Kinder in Nigeria wissen ganz genau, dass sie Hilfe aus Deutschland bekommen“, sagt Miracle Amadi, die in ihrer Schule vor Ort in Afrika mit Elternversammlungen Informationen weitergibt. Auch die ständige Suche nach geeignetem und vertrauenswürdigen Personal ist wichtig, um den Standard zu halten und die selbst gesteckten Ansprüche zu erfüllen. Denn auch der Lehrerberuf ist in anders in Nigeria. „Viele müssen noch eine andere Arbeit machen, um ihre Familien zu ernähren“, sagt Amadi, die von den Eltern nur Schulgebühren nimmt, wenn sie es sich leisten können.

Miracle Amadi erzählt die Geschichte „unseres derzeitigen Wachmannes“, den eine Schule in Nigeria braucht. „Er kam aus dem muslimischen Norden“ und damit dorther, wo die Gruppierung der Boko Haram immer wieder Negativschlagzeilen sorgt. „Sein siebenjähriger Junge kannte bisher keine Schule und sprach kein Englisch. Seit der Vater bei uns arbeitet, haben wir ihn bei uns aufgenommen“, sagt Amadi. Ein Kind mehr, dass den Schulalltag kennenlernen darf – und die eigenen Chancen steigert.

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