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Regensburg
Dienstag, 23. Januar 2018 5

Tierschicksale

Freudentränen im Regensburger Tierheim

Murmel, der alte Charmebolzen, fand doch ein Zuhause. Dafür kam bald Nachschub: Eine Palette Rennmäuse und Ratten mit Husten.
Von Heinz Klein

  • Cindy gibt‘s am besten im Doppelpack mit Kenia. Das Frauchen der weißen Schäferhunde ist vor kurzem verstorben. Die Erben lehnten die achtbeinige Erbschaft ab. Foto: Heinz Klein
  • Warum will keiner die liebe Mona? Foto: Klein

Regensburg. „Wir haben geheult vor Freude!“ Andrea Aumeier jubelt noch Tage später, als sie von einem doppelten Wunder erzählt. Denn wer nimmt schon ein neun Jahre altes Kalb bei sich auf? Gut, die Tierart stimmt nicht ganz, aber die Größe schon: Murmel ist eine Mischung aus Irischem Wolfshund und Briard, ein Zuckerstück von beträchtlicher Größe. Sein Herrchen wurde krank, sein Bruder starb an einer Magendrehung und Murmel landete im Tierheim. Alle dachten, der sanfte Riese müsse hier sein Gnadenbrot fressen. Dann waren Gassigeher mit Murmel unterwegs. Der ließ seinen Charme spielen und als das Ehepaar zurückkam, war es verliebt. Murmel darf dort einziehen und sogar ein größeres Auto ist wegen dem Riesen schon bestellt.

Auch bei den Tierschmugglern steigt das Preisniveau.“

Andrea Aumeier, Leiterin des Hundehauses im Tierheim

Und das zweite Wunder? Auch Tyson, ein allergiegeschädigter und gesund gepflegter Akita Inu, hat wieder ein neues Zuhause. „Es ist ein total auf einen Menschen fixierter Hund“, erzählt die Leiterin des Hundehauses. Nur sie durfte zunächst zu dem japanischen Rassehund in den Zwinger. Nun hat der Ein-Mann-Hund ein Frauchen bekommen und zieht nach Ulm, strahlt Andrea Aumeier.

Zwei sanfte Weiße im Doppelpack

Cindy gibt‘s am besten im Doppelpack mit Kenia. Das Frauchen der weißen Schäferhunde ist vor kurzem verstorben. Die Erben lehnten die achtbeinige Erbschaft ab. Foto: Heinz Klein

Natürlich gibt es im Tierheim noch mehr Schicksale auf vier Beinen. Zum Beispiel Mali, die junge Ridgeback -Hündin, deren Frauchen Krebs hatte. Jetzt ist Mali auch krank und muss operiert werden. Und noch so ein Drama: Cindy und Kenia, zwei wunderschöne weiße Schäferhunde, saßen neben ihrem verstorbenen Frauchen in der Wohnung. Die Polizei brachte die Schäferhunde ins Tierheim, die Erben lehnten das achtbeinige Erbe ab. Die beiden Hunde wurden von der Seniorin nur in Haus und Garten gehalten, brachte Andrea Aumeier noch in Erfahrung. Wenn die beiden Unzertrennlichen jetzt gemeinsam vermittelt werden könnten, würde die Tierheimmannschaft wieder vor Freude heulen.

Immer wieder werden Tiertransporte aus dem Ausland gestoppt und dann kommt Nachschub ins Tierheim. Rekordhalter war ein tschechischer Lkw, der mit rund 7000 Tieren bei Amberg aufflog. Die Tierschutzvereine rückten an, um Ratten, Mäuse, Kaninchen, Meerschweinchen und andere kleine Nager abzuholen. Die Regensburger fuhren mit einer Palette mongolischer Rennmäuse und einer Palette Ratten wieder heim. „Gott sei Dank waren es nur 20 Mäuse“, freute sich Andrea Aumeier. In anderen Paletten waren es bei weitem mehr. Inzwischen sind die Nager fast alle gut vermittelt. Nur ein paar Ratten gibt‘s noch – mit Husten.

Die Chefin im Hundehaus beobachtet, dass Hunde aus Ungarn, Kroatien, Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern vermehrt in Privat-Pkws nach Deutschland geschmuggelt werden. Die Transporteure machen zunächst Urlaub im Ausland und bekommen dann bei der Heimfahrt drei, vier Hunde aus Massenzuchten mit. Gefragt sind vor allem die süßen Kleinen, Malteser und Chihuahuas, Shih Tzus und Möpse. In Deutschland werden die meist vorbestellten Hundewelpen auf Autobahnraststätten aus dem Kofferraum heraus verkauft. Doch „auch bei den Tierschmugglern steigt das Preisniveau“, weiß Andrea Aumeier. Die Tiertransporteure haben sich dann trotzdem ein paar Hunderter verdient und die Käufer bekommen kranke und ungeimpfte Welpen, die viel zu früh von ihren Müttern getrennt wurden.

Mit Beckenbruch im Graben

Kater Albert macht noch Reha. Foto: Klein

Wer will Ivy, das Knickohr? Foto: Klein

Im Katzenhaus wird momentan in 44-fachem Chor miaut. „Wir haben zur Zeit viele Verletzte“, bedauert Christine Hirschberger. Meist sind es Unfallopfer, die verletzt am Straßenrand liegen, von Menschen mit Herz aufgelesen und ins Tierheim gebracht wurden. Klassische Verletzung beim Unfall mit Autos ist der Beckenbruch. „Wenn er kompliziert ist, muss operiert werden.“ Dann muss der Tierschutzverein finanziell dafür aufkommen, sagt deren 2. Vorsitzende. Nach der OP ist Boxenruhe angesagt, denn natürlich sollen sich frisch Operierte nicht viel bewegen. Obwohl Christine Hirschberger ganz sicher die Katzensprache beherrscht, ist es nicht einfach, für Ruhe auf der Krankenstation zu sorgen. Dort liegt derzeit zum Beispiel Kater Albert – graziös, wie ein kleiner Tiger. Der alte Knabe wäre bald ebenso zu haben wie Ivy, das Knickohr.

Ach ja – Tiere werden über Weihnachten nicht als Geschenk abgegeben. Und Neuankömmlinge sollten ihren Einstand nicht im Trubel von Weihnachtsfeiern oder Silvesterpartys starten. Wer aber ein ruhiges Fest feiert und Zeit zum Eingewöhnen hat, darf sich mit einem ernsthaften Tierwunsch gerne im Tierheim melden.

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