mz_logo

Regensburg
Freitag, 24. November 2017 13° 2

Verkehr

Jacobi-Areal: Parkhaus ist wohl passé

Der Bauvorbescheid für die Fläche am Unteren Wöhrd ist ausgelaufen. Die Stadt Regensburg hat offenbar kein Interesse mehr.
Von Marion Koller, MZ

Das Jacobi-Gelände an der Wöhrdstraße ist jetzt ein unbefestigter Parkplatz. Die Stadtspitze wünscht sich dort keinen Parkhausbau mehr. Doch ein Koalitionspartner ist anderer Meinung. Foto: Koller

Regensburg.Der umstrittene Parkhausbau am Jacobi-Gelände, den die Stadtspitze jahrelang verfolgte, wird immer unwahrscheinlicher. Klägeranwalt Dr. Thomas Troidl vermeldet dieser Tage freudig einen Erfolg, der sich von selbst ergab. Der Jurist vertritt den Anwohner Martin S., einen entschiedenen Gegner des Parkhausbaus. Er klagte gegen den Vorbescheid der Stadt, eine Art „kleine Baugenehmigung“ für ein Jugendhotel und ein Parkhaus an der Wöhrdstraße.

„Der Rechtsstreit hat sich erledigt“

Jetzt wurde die dreijährige Geltungsdauer des Vorbescheids nicht verlängert, dadurch ist er ungültig geworden. Dr. Troidl erklärt: „Ob dies Absicht oder Nachlässigkeit darstellt, können wir nicht beurteilen.“ Sein Mandant sei sehr zufrieden mit dem Ausgang des Rechtsstreits. „Unser Ziel, den aus unserer Sicht rechtswidrigen Vorbescheid aus der Welt zu schaffen, haben wir – wenngleich auf indirektem Weg – erreicht.“ Deshalb sei für ihn der Rechtsstreit erledigt.

Am alten Eisstadion wird wohl ein Parkhaus kommen.Foto: Koller

OB Joachim Wolbergs sagt auf Anfrage nur, die Jugendhotel-Pläne seien ohnehin überholt, weil das Jugendherbergswerk beim bisherigen Standort am alten Eisstadion baut. Für das Parkhaus verweist er auf die Stadtwerke. Deren Pressesprecherin Marion Brasseler betont, das Unternehmen habe den Vorbescheid nicht einfach auslaufen lassen. Vielmehr herrsche die allgemeine Rechtsauffassung, dass während eines laufenden Gerichtsverfahrens die Frist ausgesetzt werde. „Nur der Bayerische Verwaltungsgerichtshof sieht das anders.“ Die Stadt habe dem VGH gegenüber geäußert, die Sache sei damit erledigt für sie. „Da das Jugendherbergswerk andere Pläne hat, macht es Sinn, das Verfahren für erledigt zu erklären und damit Verfahrenskosten zu sparen“, betont Brasseler. „Das sagt aber nichts aus über die grundsätzlichen baulichen Planungen der Stadt für dieses Grundstück.“

Das Jacobi-Gelände an der Wöhrdstraße in Regensburg. (MZ-Infografik)

Der Stadtnorden braucht ein Parkhaus, keine Frage. Schließlich sind wegen des Museumsbaus am Donaumarkt 360 Plätze weggefallen. Außerdem wächst der Parkdruck, wenn 2018 das Bayern-Museum eröffnet. OB Wolbergs favorisiert einen Parkhausbau am alten Eisstadion, mit Zufahrt von der Nibelungenbrücke. Diese Lösung – mit Shuttlebus ins Zentrum – würde die Wöhrdstraße und die Altstadt vor zusätzlichem Verkehr bewahren und eine für die Anwohner verträglichere Bebauung am Jacobi-Gelände ermöglichen, zum Beispiel Wohnhäuser. Noch will sich der OB nicht öffentlich festlegen, denn das würde zu einem Koalitionsstreit führen. Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra erinnert daran, dass die Fortschreibung des Koalitionsvertrags ausgearbeitet wird, die im Herbst verabschiedet werden soll. Das „Parken in Altstadtnähe“ und die damit verbundenen Optionen würden berücksichtigt.

10 000 Parkplätze

  • 10 000 Parkplätze:

    So viele gibt es insgesamt laut Stadt.

  • Donaumarkt:

    360 sind am Donaumarkt weggefallen, dafür bietet der Neubau des Petersweg-Parkhauses 100 mehr.

  • Altes Eisstadion:

    Beim alten Eisstadion sind 676. Mit Parkhaus wären es ca. 1500.

  • Jacobi-Areal:

    Am Jacobi-Gelände befinden sich 230 Stellplätze; im geplanten Parkhaus wären es 470 (200 öffentliche).

  • Anwohner:

    Den Anwohnern stehen 2000 Parkplätze zur Verfügung. Sie sollen auch bei einem Parkhausbau am alten Eisstadion mit günstigen Plätzen berücksichtigt werden.

FDP-Stadtrat Horst Meierhofer, Mitglied der bunten Koalition, wünscht sich das stadtnähere Jacobi-Parkhaus. Nur dieses könne den Donaumarkt ersetzen, sagte er im Mai zu unserer Zeitung. Für auswärtige Gäste, die einkaufen wollen, sei es ideal.

„Die Karten sind neu gemischt“

Für die stadtnahe Fläche spricht sich auch die CSU aus. Die Altstadtkaufleute ziehen sie vor, wünschen sich aber vor allem eine rasche Lösung. Unterdessen arbeitet das Planungsreferat an einer Mobilitätsdrehscheibe für das alte Eisstadion: mit Parkhaus samt Anwohnerplätzen, sehr guter Busanbindung, Fahrradverleih und Wasserbussen. Die Anwohnerklage hat das Jacobi-Parkhaus wohl allein durch die Zeitverzögerung „gekippt“. Wie sagt doch Anwalt Troidl? „Die Karten sind neu gemischt. Wir stehen wieder ganz am Anfang.“

Umfrage

Hat Regensburg ein Parkplatzproblem?

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht