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Ausbildung

Jahrgang 13 entdeckt seine Möglichkeiten

22 Absolventen verlassen die Akademie Regensburg. Sie haben ihre Mappe gefüllt – und manche Vorstellung abgelegt.
Von Marianne Sperb, MZ

  • Georg Fiederer (links) und Stefan Göler (rechts) mit zwei Absolventen der Akademie Regensburg: Juri Schütz und Annika Bauer Fotos: Sperb
  • Die Regensburger Künstler Georg Fiederer (links) und Stefan Göler: Sie haben die Akademie für Gestaltung 2002 gegründet und führen sie jetzt ins 14. Jahr. Foto: Sperb

Regensburg. „Es gibt Leute, die von Anfang an genau wissen, was sie wollen.“ Georg Fiederer sinniert im Andreasstadel über den Jahrgang 13 der Akademie für Gestaltung, die er und Stefan Göler 2002 gegründet haben. Juri Schütz ist so einer, der mit genauen Vorstellungen in sein Vorstudienjahr gestartet ist. Jetzt, zehn Monate später, hat er seine Bewerbungsmappe verfeinert, seine Vorstellungen geklärt und neue Möglichkeiten sondiert.

Juri Schütz ist ein Comic-Mann. Comics sind sein Ding, seit er 16 ist. Die deutsche Szene wird dominiert von Amerikanern und Franzosen, von Superhelden und Science-Fiction. Juri Schütz aber war immer ein Fan von britischen Bildgeschichten, von Figuren wie Judge Dredd, der kein Alleskönner ist, sondern Polizist und nicht zwangsläufig die gute Seite repräsentiert. „Aber den“, sagt Schütz, „kennt hier keine Sau.“

Juri Schütz vor einer Wand mit seinen Comic-Zeichnungen: Der 20-Jährige studiert ab Herbst in Augsburg. Foto: Sperb

Der 20-Jährige startete an der Akademie mit drei Jahren Erfahrung an der FOS Straubing (Fachrichtung Gestaltung) im Rücken. Das Vorstudienjahr sattelte er drauf. Von Regensburg hat er profitiert, wie er sagt. Ein eigener Platz zum Arbeiten, die mediale Ausstattung – „das hatte ich zuvor so nicht“. Und: Er lernte, sich zu öffnen, für Theater und Bühnenbild zum Beispiel. Fachdozentin Katharina Dobner ist eines der „Eigengewächse“ der Akademie; die Bühnenbildnerin hat dort selbst mal ein Vorstudium absolviert.

Ausgefallende Ideen, sicherer Strich

Schütz realisierte im Andreasstadel verschiedene Projekte. Er zeigt auf „Stampede“, seine Story über eine Stadt, die nur aus Autos besteht, ausgeführt im Colour-Code von Rot und Grau-Gelb. Wenige sichere, präzise Striche umreißen einen Kerl der entschlossen den Wagen steuert. In „Winter Sturm. Eine Fahrrad Geschichte“ verarbeitete der 20-Jährige erfundene und persönliche Erlebnisse. Ein Mann kämpft sich in Regensburg auf dem Rad durch den Schnee. Auch hier fällt der kompromisslose Strich auf, die ausgefallenen Ideen und die Vielzahl von Stilmitteln – Speedlines für den Hintergrund, dichte Flocken, von einer Zahnbürste aufs Papier gespritzt.

Georg Fiederer und Stefan Göler im Gespräch: Ein Video dazu sehen Sie hier.

Video: MZ

„Er ist eine Sonderbegabung“, sagt Fiederer. „Aber Begabung allein sagt über Erfolg oder Misserfolg nichts aus. Wir hatten einige junge Leute hier, die sehr gute Zeichner waren – und am Ende ganz was anderes machten.“

Der Markt, das ist Schütz klar, ist schwierig. Wer zahlt schon 16 Euro für 40 Seiten, wenn er die Story downloaden kann? Schütz arbeitet intensiv und er schaut sich auf vielen Feldern um. Er hat den Auftrag erhalten, das Storyboard für einen Film zu zeichnen. Prozesse visualisieren, das könnte seine Sache werden. „Auch das“, sagt Fiederer, „ist ja eine Aufgabe der Akademie: zu zeigen, welche beruflichen Möglichkeiten es gibt und welches Handwerkszeug dafür nötig ist. Und zu klären: Was liegt mir überhaupt?“

Juri Schütz verlässt Regensburg Richtung Hochschule Augsburg. Die Fakultät Gestaltung dort könnte ihm liegen: Sie bringt regelmäßig ein Comic-Magazin mit Kurzgeschichten von Studenten heraus und mischt beim Comic-Salon Erlangen mit.

Juri Schütz und Annika Bauer über ihr Jahr an der Akademie: Ein Video dazu sehen Sie hier.

Video: MZ

Annika Bauer, ein anderes junges Talent, das jetzt das Orientierungsjahr beendet, wird ab September an der Uni Trier Kommunikationsdesign studieren. Am Ende will sie bei Industrie- oder Produktdesign landen. „Ich habe das Jahr hier geschätzt“, sagt sie. Einige Vorstellungen hat sie revidiert: „Ich dachte, Designer arbeiten im Kämmerchen, am PC. In Wirklichkeit passiert viel auf Papier und im Austausch.“

Kritik aus der Runde hilft

Bauer lernte: Zeichnen ist vor allem Übungssache. „Und dass das Gespräch mit anderen einen weiter bringt.“ Eine gelbe Milchtüte, die sie designt hatte, wechselte nach Kritik aus der Runde die Farbe. „Ich hab’ die Tüte, die für Bananenmilch gedacht war, einfach geknickt. Stattdessen wurde es eine für Blaubeermilch.“

Annika Bauer: Die 21-Jährige sieht sich später einmal als Produkt- oder Industriedesignerin. Foto: Sperb

Die 21-Jährige, die nach dem Abi eine Zeitlang als Volunteer in einem Reservat in Südafrika gearbeitet hat, entwarf an der Akademie zum Beispiel ein Memory-Spiel mit Typographien und eine Reihe schräger Figuren, die für gesunde Ernährung werben: eine Karottenfrau, einen Brokkolimann.

Jahrgang 13 war vor allem weiblich. 19 Frauen und drei Männer absolvierten das Jahr. Sie haben gelernt, die Gültigkeit von aktuellen ästhetischen Phänomenen zu hinterfragen, um ihre eigenen Bilder und Ideen dagegen stellen zu können. Mit einer Ausnahme haben alle einen Studienplatz sicher. „Ein Super-Jahrgang“, sagt Fiederer. „Ausgesprochen dynamisch“, bekräftigt Göler. „Alle haben sich wahnsinnig reingehängt.“ „Man muss sich schon auch selbst motivieren“, bekennt Bauer. „Anders geht’s nicht.“

Am 4. Oktober beginnt Jahrgang 14. Studenten, die sich erst mal sortieren wollen, werden dabei sein. Und einige, die von Anfang an genau wissen, was sie wollen.

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Unabhängige Privatschule

  • Einrichtung:

    Die Akademie für Gestaltung in Regensburg ist eine unabhängige Privatschule und finanziert sich über Studiengebühren. Beim Studieninformationstag am Sonntag (4. September, 13 bis 17 Uhr) gibt die Chance, sich ohne Anmeldung ein Bild zu machen von Unterricht, Werkstätten und Dozenten: Andreasstraße 28. Jahrgang 13 waren 19 Frauen und drei Männer. Mit einer Ausnahme haben alle Absolventen einen Studienplatz ihrer Wahl gefunden.

  • Chancen:

    Die Akademie öffnet die Tür zu einer Vielzahl von Berufs- und Studienmöglichkeiten. Die Absolventen werden Produkt- und Industriedesigner, Innenarchitekten, Illustratoren, Fotografen, Zeichner, Filmausstatter, Bühnenbildner. Sie entwerfen Mode, Möbel, Spielzeug, gestalten Messen und Events. In mehr als 1000 Unterrichtsstunden vermitteln Dozenten fundiertes Grundwissen und bereiten in Theorie und Praxis auf die Hochschule vor.

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