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Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Justiz

Junge Frau gab sich als Polizistin aus

Eine Regensburgerin „korrigierte“ als angebliche Beamtin das Alkotest-Ergebnis ihres Freundes. Nun stand sie vor Gericht.
Von Marion von Boeselager, MZ

In Regensburg stand ein Pärchen vor Gericht. Es ging unter anderem um Amtsanmaßung. Foto: Gruber

Regensburg.Eine 19-jährige Regensburgerin gab sich im August letzten Jahres als Polizistin der Inspektion am Minoritenweg aus. Sie erklärte am Telefon gegenüber einem Pfleger des Parsberger Bezirksklinikums, beim soeben durchgeführten Alkotest bei ihrem Freund (20) sei ein Irrtum unterlaufen. Aufgrund eines Druckfehlers müsse der gemessene Promillegehalt nicht 0,1 sondern 0,0 lauten. Doch nach einem Rückruf des Pflegers bei der echten Polizei flog die Finte schnell auf. Und rasch war auch klar, wer die Anruferin in Wirklichkeit war. Schließlich war das Mädchen bei dem Alkotest mit dabei gewesen.

Jetzt stand die 19-jährige Verkäuferin wegen Amtsanmaßung und Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen in Regensburg vor dem Jugendschöffengericht. Ihr Freund, der sie zu dem Anruf animiert haben soll, musste sich wegen Anstiftung zur Tat verantworten. Zudem war er beim Schwarzfahren im Bus erwischt worden.

Für den Freund stand viel auf dem Spiel

Wie im Verlauf des Prozesses deutlich wurde, stand für den jungen Mann viel auf dem Spiel: Nach schwieriger Kindheit und frühem Alkohol- und Cannabiskonsum war er als Jugendlicher auf die schiefe Bahn geraten. Neben Körperverletzungsdelikten hatte er mit seinen Kumpels eine Einbruchsserie in Regensburger Wohnungen und Geschäfte verübt. Deshalb war er 2015 zu vier Jahren Jugendstrafe und Einweisung in eine Entziehungsanstalt verurteilt worden. Dort führte sich der heute 20-Jährige vorzüglich. Er machte erstaunliche Fortschritte. Zuletzt hatte er häufig Ausgang. Doch dann lud ihn seine Freundin zu einer verhängnisvollen Geburtstagsfeier ein, bei der der Angeklagte zwei Bier trank. Prompt schickte ihn das BKH unerwartet am nächsten Morgen zum Alkotest zur PI Süd.

„Es war meine Idee. Ich wollte meinen Freund bei mir behalten. Er hat nichts von dem Anruf gewusst.“

Die Angeklagte

„Das war alles meine Schuld“, nahm die 19-Jährige ihren Freund vor Gericht in Schutz. „Es war meine Idee. Ich wollte meinen Freund bei mir behalten. Er hat nichts von dem Anruf gewusst.“ Zunächst schwieg der Angeklagte auch zu dem Anstiftungsvorwurf.

Doch der BKH-Pfleger gab vor Gericht an, vor dem Anruf der „Polizistin“ habe der Angeklagte den Anruf der Ordnungshüter bei ihm angekündigt. Nach einer Unterredung mit seinem Anwalt Philipp Janson gab der 20-Jährige schließlich doch zu, dass der falsche Anruf der „Polizistin“ seine Schnapsidee war.

Die – wenn auch minimale – Alkoholisierung hatte damals einschneidende Folgen für den Angeklagten: Gegen ihn wurde eine Ausgangssperre von acht Wochen verhängt. Doch danach lief alles weiter gut. So kam er im Oktober letzten Jahres auf Bewährung frei. Sein Bewährungshelfer fand für seinen Schützling nur lobende Worte: Aus dem Straftäter sei „ein ernsthafter junger Mann“ geworden. Alle Screenings seien im zurückliegenden Jahr negativ gewesen. Auch keine neuen Straftaten, bis auf eine Schwarzfahrt im Bus, kamen dazu.

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Dies wollten ihm weder Gericht noch Staatsanwaltschaft verbauen. Deshalb wurde die noch offene Reststrafe nicht bei dem Urteil einbezogen und der 20-Jährige lediglich zur Ableistung von 80 Sozialstunden nach Jugendstrafrecht verdonnert. Die Freundin kam mit 400 Euro Geldstrafe davon. Damit blieb das Gericht unter Vorsitz von Richterin Cornelia Braun etwas unter dem Antrag der Staatsanwältin, die auf 100 Stunden und 600 Euro plädiert hatte. Auch Verteidiger Janson hatte für seinen Mandanten die Verhängung von gemeinnützigen Arbeitsstunden beantragt.

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