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Umweltausschuss

Keine autofreien Sonntage in Regensburg

Der Antrag der ÖDP auf autofreie Tage fand Befürworter, doch er scheitert an rechtlichen Grundlagen, bedauerte Jürgen Huber.
Von Heinz Klein, MZ

Die Straßen der Regensburger Innenstadt sollen für mehrere Tage den Fußgängern und Radfahrern gehören. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Die ÖDP will Regensburg zu mehreren autofreien (Sonn)Tagen im Jahr verhelfen. In Zeiten der Ölkrise aus der Not geboren, fanden die autofreien Sonntage in der Bevölkerung breite Zustimmung. Sie würden ein Signal in Richtung einer anderen Verkehrspolitik setzen, argumentierte die ÖDP-Stadträtin Astrid Lamby. Das sei Wohlfühlpolitik und Spaßkultur nach dem Motto „ich geh mal kurz die Welt retten“¨– „aber die CSU geht da nicht mit“, hielt Bernadette Dechant dagegen. Ein autofreier Sonntag bedeute Bevormundung der Bürger. Nicht wenige müssten an Sonntagen arbeiten, manche nutzen den freien Tag zu Umzügen, andere treffen sich zu Familienfeiern, gab die CSU-Stadträtin zu bedenken. Sogar unter dem CSU-Oberbürgermeister Hans Schaidinger habe es zwei autofreie Sonntage gegeben, erinnerte Irmgard Freihoffer(Linke). Es gehe hier um Bewusstseinsbildung, darum, Gewohnheiten und auch Räume aufzubrechen. „Wir haben mit Bürgerfest, Jazzfest, Marathon und anderen Events doch schon so viele autofreie Tage in der Stadt“, sagte Maria Simon (Grüne) – „auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen.“ Auch Bürgermeister Jürgen zeigte Sympathie für den Vorschlag der ÖDP, bedauerte aber, dass rechtliche Hintergründe dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machen. Der Leiter des Umweltamts, Rudolf Gruber, erläuterte die juristischen Hürden. Um Straßen sperren zu können, müsse es einen besonderen Anlass geben. Es brauche eine Veranstaltung, eine Rechtfertigung. Für die vier autofreien Sonntage zu Zeiten der Ölkrise in den 70er Jahren habe man extra gesetzliche Grundlagen geschaffen, die später wieder abgeschafft wurden. Das Beispiel Osnabrück, das angeblich bereits autofreie Sonntage abhalte, demaskierte SPD-Stadtrat Hans Holler. Der autofreie Sonntag finde dort nur auf einer einzigen Straße statt. Nun für die bereits eventüberladene Altstadt noch einen eigenen Event zu kreieren, um damit einen autofreien Sonntag zu kaschieren, fand selbst Lamby nicht gut. Sie sattelte den ÖDP-Antrag auf einen Prüfantrag um, der allerdings keine Mehrheit fand.

Andere Städte machen es vor

Außerhalb des Umweltausschusses stieß der ÖDP-Antrag für autofreie Sonntage durchaus auf Zustimmung. „Sogar in Paris gibt es autofreie Sonntage“, sagt BN-Kreisvorsitzender Raimund Schoberer. Wenn die französische Metropole das schaffe, werde das wohl auch in Regensburg gelingen .

Beim ADAC sieht man autofreie Sonntage dagegen eher mit gemischten Gefühlen. Ein bewusstes Verzichten aufs Auto sei sicher gut, wenn man eben mal für sich ein „Autofasten“ beschließe. Das sollten aber individuelle Entscheidungen sein, sagte eine Pressesprecherin der ADAC-Zentrale in München. Ein generelles Autoverbot für alle an einem bestimmten Tag könne der ADAC aber nicht begrüßen.

„Ein autofreier Werktag hätte aber auch was – das würde zum Nachdenken anregen, wie man seine alltäglichen Wege mit dem ÖPNV bewerkstelligen kann.“

Wolfgang Bogie, VCD Regensburg

„Ein autofreier Sonntag ist sicherlich grundsätzlich gut“, sagt Wolfgang Bogie. Man solle aber erstmal mit einem autofreien Tag im Jahr beginnen und sehen, wie das angenommen wird, gab der Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) Regensburg zu bedenken. „Ein autofreier Werktag hätte aber auch was – das würde zum Nachdenken anregen, wie man seine alltäglichen Wege mit dem ÖPNV bewerkstelligen kann.“

Michael Quast, Geschäftsführer von Stadtmarketing, kann sich mit der Idee ebenfalls anfreunden. „Das wertet die Altstadt auf“, sagt er – und es würde Zeichen setzen, dass es auch ohne Auto geht. An einem Werktag allerdings kaum, denn der ganze Lieferverkehr und auch die Handwerker müssen rein können in die Stadt.

Ein autofreier Werktag – das ist schwer durchführbar und würde wahrscheinlich auf viele Widerstände stoßen, gibt Dr. Klaus Wörle vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) zu bedenken. Einen autofreien Sonntag würde er aber natürlich begrüßen. Solche autofreien Sonntage waren in den 70er Jahren der Beginn einer schönen Erfahrung, den öffentlichen Raum erfahrbar zu machen. Zwei, drei solche autofreien Aktionstage könnte sich Wörle gut vorstellen.

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  • LH
    Laura Heuberger
    29.03.2017 23:53

    Was heißt "in der Stadt"? Der autofreie Sonntag wenigstens in der Regensburger Altstadt (!) wäre kein Problem. Handwerker arbeiten, Lieferanten liefern eher nicht am Sonntag. Familien können sich zum Spaziergang ohne Autoabgase treffen, also sollte es an "Familientreffen" nicht scheitern... Taxi, Notdienste, Polizei haben sowieso Sonderrechte. Was also ist das Problem? Juristisch läßt sich das lösen. Wen vertreten eigentlich die Bedenkenträger aus Politik und Verwaltung? Kann man die klare Tendenz der o.a. Umfrage einfach ignorieren? Wie rücksichtslos und unkontrolliert geduldet, wie man im Welterbe spazierenfahren kann, verwundert schon lange. Peinlich den Touristen gegenüber!

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  • LR
    Leopold Rupprecht
    29.03.2017 18:54

    Das ist wieder ein gutes Beispiel dafür, dass die "Volksvertreter" eben nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung (in diesem Fall drei Viertelder Leser des Artikel von Herrn Klein) vertreten sondern sich in Floskeln ergießen warum die jeweiligen Belange nicht vorangetrieben werden könnten. Skandalmäßig ist Regensburg inzwischen gut im bundesdeutschen Blätterwald vertreten, bei sinnvollen Aktionen wie einer Verschnaufphase für Mensch und Natur die nur positiv ist und wohl niemand in seiner persönlichen Freiheit - zumal am Sonntag - einschränkt da läßt man gute Gelegenheiten verstreichen, Regensburg mal wieder mit positiven Nachrichten in Verbindung zu bringen. Schade.

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