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Regensburg
Mittwoch, 20. September 2017 17° 6

Spenden

Kirchen ärgern Gebühren für die Kollekte

Für einen guten Zweck wird gesammelt, doch das Einzahlen kostet oft. Nicht nur eine Gemeinde findet das „unmöglich“.
von Mario Geisenhanslüke, MZ

Ein Sammelkorb für die gottesdienstliche Kollekte: Wenn Kirchen das Geld einzahlen, müssen sie immer öfter Gebühren bezahlen. Foto: dpa

Regensburg.Während der Messe geht er durch die Reihen: der Klingelbeutel. Gottesdienst-Besucher kramen in Geldbeuteln und Taschen. Münzen um Münzen wandern in den Weidekorb, mal ist ein Schein dabei. So kommen auch bei Gottesdiensten in Regensburg mal größere und mal kleinere Summen zusammen – immer für einen guten Zweck. Doch rund um die Kollekte gibt es Ärger. Denn immer mehr Banken verlangen für das Einzahlen des Geldes Gebühren.

Der evangelische Pfarrer Martin Schulte der Dreieinigkeitskirche sagt deutlich: „Wir müssen auch zahlen. Ich finde das aber absolut unmöglich, dass Banken Gebühren verlangen, wenn man ihnen das Geld hinträgt.“ Er werde das Gespräch mit der Bank suchen, sämtliche Möglichkeiten prüfen – und auch, wenn es sich anbietet, die Bank wechseln. Rückendeckung bekommt er dabei von seinem Chef. Dekan Eckhard Herrmann sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ich finde das vollkommen indiskutabel. Ich denke, dass hier letztendlich die Banken durch ihr Verhalten die Spenden mindern. Das ist arrogant.“

1800 Euro in einem Extremfall

Pfarrer Martin Schulte ärgern die Gebühren. Archivfoto: altrofoto.de

Immer mehr Banken und Sparkassen in Deutschland verlangen Entgelt dafür, dass sie Münzen annehmen. Das trifft neben Kioskbesitzern, Taxiunternehmern und Vereinen auch die Kirchengemeinden. Denn die Gebühren müssen aus dem Haushalt bezahlt werden. Eine Kirchengemeinde in Wittenberg in Sachsen-Anhalt soll im vergangenen Jahr 1800 Euro Gebühren für die Einzahlung von Kleingeld bezahlt haben, schildert die Zeitung „Glaube+Heimat“ einen extremen Fall.

In Regensburg ist es nicht so schlimm. Die Dreieinigkeitskirche muss zum Beispiel 80 Cent pro Einzahlung am Schalter und 30 für eine Einzahlung am Automaten bezahlen. Doch bei mindestens einem Gang zur Bank pro Woche kommt dennoch etwas zusammen. Die Neupfarrkirche hat wegen zu hoher Gebühren sogar die Bank gewechselt. Sie zahlen nun eine Grundgebühr von zwei Euro pro Monat und müssen für Kontobewegungen und ähnliches zusätzlich zahlen. Für das Einzahlen der Kollekte hingegen konnte ein kostenloser Sondertarif ausgehandelt werden.

„Ich denke, dass hier letztendlich die Banken durch ihr Verhalten die Spenden mindern. Das ist arrogant.“

Dekan Eckhard Herrmann

Die Lage ist nicht einheitlich, jedes Geldinstitut legt eigene Regeln fest. Das bestätigen auch die Sprecher der drei großen Bankenverbände in Deutschland. „Wir dürfen und können da keine Vorgaben machen“, sagt Alexander von Schmettow vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Hintergrund der Entgelte sei die „Bargeldprüfungsverordnung der Europäischen Union“ von 2015. Seitdem müssen die Banken aufwendig prüfen, ob Hartgeld echt und unbeschädigt ist. Dazu seien spezielle Maschinen nötig, die „mehrere hunderttausend Euro kosten“.

Einen Kommentar zum Thema von MZ-Redakteur Mario Geisenhanslüke lesen Sie hier:

Kommentar

Moralisch falsch

Schweden ist ein Land, in dem ohnehin nur noch wenig mit Bargeld gezahlt wird. Ein Slogan von Bargeld-Gegnern dort lautet: „Bargeld braucht nur noch deine...

Karoline Feigl, Pressesprecherin der Raiffeisenbank Regensburg-Wenzenbach, teilte auf Anfrage mit: „Technische Innovationen, steigende Kosten für Infrastruktur und Personal, eine immer weiter verschärfte und extrem kostenintensive Bankenregulierung sowie die anhaltende Niedrigzinsphase sind die Gründe für die verursachungsgerechte Bepreisung unserer Leistungen.“ . Die Raiffeisenbank verlangt bei institutionellen Kunden, wozu auch Kirchen und Vereine gehören, einen Euro für Ein- und Auszahlungen an der Kasse. Münzgeldeinzahlungen kosten fünf Euro pro Safebag. Einzahlungen an eigenen Automaten seien für die Kunden kostenfrei. Weiter schreibt Feigl: „Aktuell gibt es keine Sonderkonditionen für die oben genannten Kundengruppen.“

Bistum: „Absolute Ausnahmen“

Für die Katholiken in Stadt und Landkreis scheint es hingegen noch kein großes Problem zu sein. Veit Neumann von der bischöflichen Pressestelle des Bistums Regensburg spricht von „absoluten Ausnahmen“. Es seien in verschiedenen Pfarreien zwar zwischen 2016 und 2017 Gebührenerhöhungen in diesem Bereich aufgefallen. Auch hätten sich seit dem Jahreswechsel 25 Pfarreien an das Bistum gewandt, um nachzufragen, wie damit umzugehen sei. Bei rund 770 Pfarreien und anderen Seelsorgestellen sei dies aber die Minderheit. Das Ordinariat empfehle dann immer: „Lieber vor Ort mit der Bank eine Lösung suchen, weil es sich ja um Spenden handelt.“ Dies würde, so Neumann, gut funktionieren.

Ein Kirchgänger spendet im Jahr 2006 seine Kollekte im Bonner Münster per Kreditkarte. Es handelte sich dabei um den ersten „elektronischen Opferstock“ in einer katholischen Kirche in Deutschland. Foto: dpa

Auch die zweite große Bank der Region hält es indes ähnlich. Die Sparkasse Regensburg verlangt zwar keine Gebühren bei Papiergeldeinzahlung. Wechselgeschäfte mit ungerolltem Kleingeld am Schalter oder per Automat kosten allerdings zwei Prozent des Betrages – mindestens aber drei Euro. Auf Anfrage teilte Fabian Lutz von der Pressestelle allerdings mit: „Es gibt Sonderregelungen. Für Kunden mit häufigem Bargeldverkehr bieten wir entsprechende Rahmenvereinbarungen, bei den denen wir den entstehenden Aufwand verursachergerecht bepreisen.“ Das gelte auch für Kirchen und gemeinnützige Vereine, die dann zusätzlich bei der Kontoführung begünstigt würden.

Die Münzen im Klingelbeutel gehören zwar irgendwie dazu, dennoch denkt manch einer über andere Möglichkeiten nach. Kollektenbons sind eine davon: Gottesdienstbesucher kaufen einen Bogen für 30 Euro mit mehreren Bons in Stückelungen und entscheiden dann je nach Kollektenzweck, wie viele Bons sie in den Beutel werfen. Auch andere haben Angebote: 2006 war die katholische Münster-Gemeinde in Bonn die erste, die einen elektronischen Opferstock für EC- und Kreditkarten aufstellte. Zuletzt kündigte im Juli das Bistum Münster bargeldlose Spenden an. In Schweden stehen schon einige „Kollektomaten“ in Kirchen.

(mit Material von epd)

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