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Regensburg
Freitag, 24. November 2017 10° 4

Umwelt

Klar Schiff für den Gütertransport

Die OTH Regensburg will schadstoffbelastetes Waschwasser nach der Reinigung von Frachtschiffen reduzieren.
Von Tim Guggenberger, MZ

Um schädliche Verunreinigungen im Waschwasser zu reduzieren, wurden neue Methoden zur Trockenreinigung erarbeitet. Foto: Guggenberger

Regensburg.Die Binnenschifffahrt auf der Donau spielt auch in Regensburg eine zentrale wirtschaftliche Rolle. Der Bayernhafen besitzt den höchsten Schiffsgüterumschlag in Bayern und ist ein wichtiger Knotenpunkt für gesamteuropäischen Warenverkehr. Bei dem hohen Transportaufkommen „müssen wir darauf achten, dass keine schadhaften Stoffe in die Donau eingeleitet werden“. Das sagt Prof. Andreas Ottl von der OTH Regensburg. Im Auftrag des Bayerischen Umweltministeriums hat der Experte für Siedlungswasserwirtschaft umweltschonende Reinigungsmethoden für die Frachtschiffe entwickelt. Die Ergebnisse seines Forschungsvorhabens stellte er in einer Schlussveranstaltung am Osthafen vor.

Verunreinigtes Waschwasser

Verschiedene Schiffsladungen, zum Beispiel Lebensmittel und Kunstdünger, dürfen nicht miteinander in Berührung gebracht werden. Um das zu gewährleisten, werden die Schiffsladeräume nach dem Entladen ausführlich mit Wasser gereinigt. Die Entsorgung des Waschwassers bereitete laut Ottl in Vergangenheit jedoch besonders den Schiffsführern viel Kopfzerbrechen. Im „Übereinkommen über die Sammlung, Abgabe und Annahme von Abfällen in der Rhein- und Binnenschifffahrt“ (CDNI) ist gesetzlich geregelt, dass Waschwasser nicht in die Gewässer gelangen darf. Damit ist es meistens ein Fall für die öffentliche Kanalisation und der Kläranlagen am Ende.

Kohle, Kunstdünger und Lebensmittel: Damit Ladungsreste nicht miteinander in Kontakt kommen, werden die Laderäume der Frachter gründlich gereinigt. Foto: Guggenberger

„Die Betreiber der Kläranlagen wollen aber wissen, was und wie viel eingeleitet wird.“ Deshalb waren in Vergangenheit aufwendige chemische Analysen vonnöten. Aufgrund des hohen finanziellen und organisatorischen Aufwands sei deshalb das CDNI bisher noch nicht richtig umgesetzt worden. Unter der Leitung von Prof. Ottl hat die OTH Regensburg deshalb neue Reinigungsmethoden entwickelt. Die oberste Zielsetzung sei es gewesen, die Menge des benötigten Waschwassers zu reduzieren.

Dazu erarbeitete das Expertenteam der OTH zunächst neue Methoden für eine optimierte Trockenreinigung. Die Forscher haben verschiedene Geräte getestet, um festzustellen, welche am besten geeignet sind. „Wir nutzen überwiegend konventionelle Reinigungsgeräte“, erklärt Ottl. „Das beginnt schon beim Handbesen, um Kunstdünger von unzugänglichen Stellen an den Wänden zu bekommen.“

Mit Staubsaugern werden Ladungsreste auch von den Wänden entfernt. Foto: Guggenberger

Nach dem Entfernen grober Reste greifen die Hafenmitarbeiter dann zu staubsaugerartigen Geräten. Mithilfe von Unterdruck können diese loses Material von den Wänden des Schiffsladeraums entfernen. Dieser Schritt sei notwendig, um auch in Fugen und kleine Spalte in den Wänden zu gelangen. „Weiter geht es mitpersonengesteuerten oder selbstfahrenden Kehrsaugmaschinen, die am Boden anhaftende Stoffe entfernen“, erklärt Ottl. Erst nach Abschluss dieses Schrittes dürfe die herkömmliche Reinigungsmethode mit Wasser angewandt werden. „Mit der optimierten Reinigung können wir einen wesentlichen Anteil schädlicher Inhaltsstoffe aus dem Waschwasser entfernen.“ Durch die Kombination aus Trocken- und Nassreinigung ist laut dem Experten das beste Ergebnis zu erzielen.

Schutz für die Donau

Reinigung mit Kehrsaugmaschinen. Foto: Guggenberger

Die fachgerechte Umsetzung der im CDNI-Abkommen geregelten Vorgehensweise sei für den Umweltschutz unerlässlich. Den Beweis dafür liefert die im Zuge des Forschungsprojekts durchgeführte chemische Analyse des herkömmlich anfallenden Waschwassers. In der sogenannten ersten Bestandsaufnahme konnten die Experten der OTH Stickstoffe und Phosphor im Waschwasser nachweisen. „Diese Stoffe werden als Düngemittel verwendet. In hoher Konzentration können sie zu einem übermäßigen Algenwachstum in den Gewässern führen“. Laut Ottl würde diese Überdüngung eine erhebliche Gewässerverunreinigung bedeuten. Als Maßnahme für den Schutz des Ökosystems dürfen die Schadstoffe also keinesfalls in die Gewässer gelangen. „Die Kläranlagen können diese aber aus dem Wasser herausfiltern.“ Voraussetzung dafür sei jedoch ihre geringe Konzentration, die durch optimierte Reinigungsmaßnahmen der Schiffe sichergestellt werden könne.

Mit Staubsaugern werden Ladungsreste auch von den Wänden entfernt. Foto: Guggenberger

Den praxistauglichen Leitfaden dafür konnten Unternehmen und Behörden begutachten bei der Abschlussveranstaltung. Darunter waren auch Beamte der Kreisverwaltung und Schifffahrtspolizei, die Wasserwege und Häfen an der Donau kontrollieren. Eine Aufklärung über die optimierten Reinigungsmethoden sei auch bei ihnen notwendig, damit die fachgerechte Umsetzung des von der OTH erstellten Leitfadens überwacht werden könne. „Der Hafen befindet sich am Grenzgebiet zwischen Land und Gewässer. Die unterschiedlichen Zuständigkeitsbereiche der Behörden müssen im Reißverschlussverfahren ineinandergreifen, damit ein Schutz des Ökosystems jederzeit gewährleistet ist“, so Ottl. Sollte der Leitfaden der OTH in Bayern Erfolg zeigen, wäre auch eine bundesweite Umsetzung denkbar.

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Saubere Schifffahrt

  • Die Binnenschifffahrt

    gilt als der umweltfreundlichste Verkehrsträger. Die Behandlung von anfallenden Abfällen ist dort ein besonders wichtiges Anliegen.

  • Das CDNI-Abkommen

    trat 2009 in Kraft, um eine zentrale Regelung der Verwaltung und Entsorgung von Abfällen zu gewährleisten.

  • Die Mitgliedsstaaten

    sind Deutschland, Frankreich, Niederlande, Belgien, Luxemburg und die Schweiz. Das Abkommen ist auf allen Binnenwasserstraßen der Länder gültig.

  • Die Ziele

    sind die Förderung der Abfallvermeidung und die Organisation von Entsorgungsmöglichkeiten auf dem gesamten Wasserstraßennetz.

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