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Regensburg
Mittwoch, 13. Dezember 2017 11

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Konzerte für einen guten Zweck


Von Hans Scherrer, MZ

„Ich brauche kein Fitnessstudio“, sagt Professor Norbert Düchtel; „mir reicht es schon, wenn ich hier zum Üben die Stufen hinaufklettere.“ Doch diesmal ist der international renommierte Organist nicht zum Üben gekommen, sondern zum Stimmen des Instruments – zusammen mit dem Orgelbaumeister Johannes Schädler aus Donaustauf.Konzerte für einen guten Zweck

Seit zwei Jahren ist Professor Düchtel künstlerischer Leiter der Reihe „Sonntägliche Matinee“ in der Minoritenkirche. Und im Mittelpunkt dieser Konzerte steht die „Schwalbennestorgel“, die nach für die Alte Kapelle 1583 entworfenen Plänen des Regensburger Orgelbauers Caspar Sturm rekonstruiert und 1989 in der Minoritenkirche aufgestellt wurde. Dieses Instrument befindet sich nun an der Nordwand der Kirche – und samt Spieltisch in 15 Metern Höhe. „Da kommt man schon ins Schwitzen ehe man überhaupt oben ist“, sagt Düchtel.

Die sonntäglichen Matineen finden übrigens in der Regel alle zwei Wochen statt und der Eintritt ist frei. Dennoch dienen sie einem guten Zweck, denn die Zuhörer werden am Ende des Konzerts um eine Spende für die Restaurierung und Renovierung des Orgelpositivs von Stephan Cuntz (Nürnberg 1627) gebeten. Dieses Instrument befindet sich im hinteren Teil der Kirche und kann besichtigt werden.

Denn nach eingehenden Untersuchungen des Positivs durch international renommierte Orgelbauer und Restauratoren ist ein Fachgremium zu der Überzeugung gelangt, das wertvolle Instrument den heutigen restauratorischen Erkenntnissen entsprechend wieder in den ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Ein Nachteil der Matineen ist jedoch, dass die Schwalbennestorgel jeweils kurz zuvor neu gestimmt werden muss. Das betrifft vor allem die Zungenpfeifen, deren Intonation den Temperaturschwankungen nicht standhält. Also muss nachgebessert werden. Und dazu muss man zu zweit sein: jemand, der die Pfeifen nachjustiert – das macht Orgelbauer Johann Schädler – und jemand, der so lange den Ton spielt. Den „Tastenhalter“ gibt in diesem Fall der Professor persönlich. „Man muss sich das so vorstellen: Gleich hinter der Nordwand der Kirche befindet sich ja der Dachstuhl“, erklärt Düchtel. „Dort kann es im sommer sehr heiß sein, während unmittelbar daneben der Kirchenraum anschließt und der ist recht kühl.“ Und somit entstehen diese Temperaturunterschiede, die zur Verstimmung des Instruments führen.

Innerhalb einer knappen Stunde in der Regel hat Schädler das Instrument gestimmt. Doch immer wieder kann etwas Unvorhersehbares passieren. „Ab und zu ist auch irgendwas defekt, weil ein Teil der Mechanik gebrochen ist.“ Dann gerät man unter Zeitdruck „und dann heißt es die Ruhe und einen kühlen Kopf bewahren. Aber bis jetzt haben wir das noch immer hinbekommen.“

Erschwerend kommt noch die Enge hinzu. „Hätte man nur zwanzig Zentimeter mehr Raum zur Verfügung, dann gäbe es diese Probleme nicht“, sagt Düchtel. Und diese Beengtheit ist ein Nachteil für Schädler, der immerhin 1,88 Meter groß ist. „an anderen Instrumenten kann das aber wieder ein Vorteil sein“, sagt er und beide Männer müssen grinsen. Einer erzählt den Witz, wonach die Orgel ein genauers Abbild des alltäglichen Lebens sei: Da stehen nämlich die größten Pfeifen auch immer ganz vorne.

An diesem Sonntag spielt um 11 Uhr Ludwig Schmitt an der Orgel. Die festliche Abschlussmatinee am 26. August spielt Prof. Norbert Düchtel.

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