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Regensburg
Montag, 23. Oktober 2017 5

Kundgebung

Kritiker sangen „Lobpreis der Rendite“

Die „Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnot“ forderte in Regensburg mehr bezahlbaren Wohnraum und kritisierte die vielen Leerstände.
Von Daniel Steffen, MZ

Mit einem ironischen „Lobpreis der Rendite“ beteiligte sich die Gruppe „Recht auf Stadt“ an der Kundgebung am Neupfarrplatz. Foto: Steffen

Regensburg.Mit einem ironischen „Lobpreis der Rendite“ prangerte die Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnot den Mangel an äquivalentem Wohnraum und die zunehmende Gentrifizierung in der Domstadt an. In dem Theaterstück spielte Kurt Raster den eiskalten Vermieter – und seine in Jutesäcke gehüllten „Mietsklaven“ stimmten mit Sätzen wie „Gelobt sei der Profit“ in den Lobgesang ein. Die Szenen auf dem Neupfarrplatz erinnerten an einen Gottesdienst, zumal jene „Mietsklaven“ in einer Gebetshaltung verharrten. Auf diese Weise symbolisierten sie das ungleiche Verhältnis beider Parteien zueinander.

„Wohnen ist ein Menschenrecht und nicht verhandelbar“, betonte Kurt Raster im Gespräch mit unserem Medienhaus. Er selbst hat als „Mietrebell“ von sich reden gemacht und ist von der Gentrifizierung direkt betroffen. 2001 ging auch seine Wohnung, die einst der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft gehörte, in den Besitz eines privaten Investors über. Seitdem seien die betreffenden Wohnungen im Kasernenviertel keine Sozialwohnungen mehr. Auch habe er alle drei Jahre eine saftige Mieterhöhung von 15 Prozent bekommen. „Da kannst du deine Uhr danach stellen“, sagt er. Zusammen mit seiner sozial orientierten Gruppe „Recht auf Stadt“ nahm er am Freitag bei der Aktion der kürzlich gegründeten Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnot teil.

Die Idee zu der Gründung hatte Reinhard Kellner, Sprecher der Sozialen Initiativen. „Man kann nur immer wieder darauf hinweisen, dass wir mehr bezahlbaren Wohnraum in Regensburg brauchen“, sagt Kellner. Die Kundgebung am Neupfarrplatz diene diesem Zweck. Er ist der Überzeugung, dass genossenschaftliches Wohnen am günstigsten sei. Deshalb lautet sein Appell an die Stadtspitze: „Genossenschaften nach vorn“.

Aus Sicht der Sozialen Initiativen muss sich an der Wohnsituation in Regensburg viel ändern. „1800 Menschen stehen bei der Stadtbau GmbH auf der Warteliste für Neuantragsteller“, kritisiert er. Wie er von der städtischen Pressestelle erfahren habe, hätten nur zehn Prozent dieser Antragsteller „eine reelle Chance, eine sozial geförderte Wohnung zu bekommen“. Zugleich aber stünden in Regensburg über 2300 Wohnungen leer, ebenso wie 50 Wohnhäuser – und dies „teilweise schon seit Jahrzehnten“.

Wie Kellner weiß, haben es „einige Personengruppen auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer“ – zum Beispiel Hartz IV-Empfänger. Um die Lebenssituation dieser Menschen zu verbessern, habe sich die Arbeitsgemeinschaft gegründet. Kellner hat eine Idee, wie man den angespannten Wohnungsmarkt ein wenig entschärfen könnte: „Es sollte in Regensburg eine Wohnungstauschbörse geben. Sie zu initiieren, wollen wir nun versuchen.“

Veranstalter der Kundgebung

  • Mitglieder:

    Der Arbeitsgemeinschaft Wohnungsnot gehören an: der Verein Campus Asyl, das Caritas-Übergangsheim für alleinstehende Männer und das Mietshaussyndikatsprojekt Danz.

  • Weitere Mitglieder:

    Das Magazin Donaustrudl, die Vereine „Irren ist menschlich“ und „Kontakt“ sowie die Gruppe „Recht auf Stadt“ und der Dachverband der Sozialen Initiativen (mds)

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