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Regensburg
Sonntag, 19. November 2017 7

Fotografie

Kunst mit anderen Augen sehen

Eine Ausstellung soll die Probleme von Sehbehinderten aufzeigen. Das Regensburger Blindeninstitut plante das Projekt.
Von Laura Lindner, MZ

Ein Mädchen des Blindeninstituts erforscht mit Hilfsmitteln wie der Lupe Bananen und Kiwischeiben. Fotos: Hillebrand/Blindeninstitut/Lindner

Regensburg.Fotos anders sehen: So lautet das Motto der Kunstfotografieausstellung des Regensburger Blindeninstituts in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Martin Hillebrand. Ziel dieser Ausstellung, die noch bis zum 18. November in der Stadtbücherei am Haidplatz zu bestaunen ist, ist es, eine Brücke von der Kunst der Fotografie zur Kunst des Sehens zu schlagen.

Das Blindeninstitut setzt sich seit über 25 Jahren für Menschen mit Sehbehinderungen und weiteren Einschränkungen ein. Mit dieser Wanderausstellung haben es sich die Diplom-Psychologin Birgit Stemmer und die Diplom-Betriebswirtin Ulrike Weimer zum Ziel gemacht, eine Auseinandersetzung mit der Thematik des Sehens anzuregen. Zu verdeutlichen, „was Sehen bedeutet und was eine Einschränkung für Betroffene heißt, ist der Zweck dieser Ausstellung“, erklärte Cornelia Wabra vom Amt für Weiterbildung.

Der Geruch verrät die Frucht

Die Probleme von Menschen mit Sehbehinderung bei verschiedenen Aspekten der visuellen Darstellung, wie zum Beispiel dem Kontrast oder der Farbwahrnehmung, sollen veranschaulicht werden, ergänzte Stadträtin Evelyn Kolbe-Stockert. Durch die Fotos könne man in die Welt der Betroffenen eintauchen und die Menschen sensibilisieren. Für Hillebrand war die Kunstfotografie bis zur Ausstellung ein reines Hobby.

Am liebsten lichte er Naur und Tiere ab, erklärte der Fotograf. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Bereiche. Zum einen fand ein schulisches Projekt mit den Kindern des Blindeninstituts statt, wobei Obst und Gemüse sowohl real als auch auf Fotos von Hillebrand angesehen wurden. Dabei tauchten die Schüler gemeinsam mit der Wahrnehmungspsychologin Stemmer in das Innenleben der Pflanzen ein. Nicht alle Schüler konnten die Früchte dabei richtig zuordnen, so Stemmer. Allerdings fanden sie anhand der Farbe, der Form, des Geruchs oder beim Tasten heraus, um was es sich handelt. Als Hilfsmittel benutzten die Kinder Lupen, Leuchttafeln oder Bildschirmlesegeräte. Dabei eignen sich die Kinder Strategien zur Merkmalserkennung an, sagte Stemmer. Dies sei für ihren Alltag von Nutzen. „Wir hatten in der Klasse spannende und lustige Stunden.“ Besonders die Makrofotografie hat der Psychologin verdeutlicht, wie unterschiedlich Menschen sehen. Selbst bei Menschen, die keine Sehbehinderung haben, fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus und nicht jeder erkenne die stark vergrößerte Kiwi oder den Kürbiskern, so Stemmer.

Mit Leuchttafeln und Lupen

Mit Leuchttafeln konnten die Schüler Objekte hinterleuchten und die Struktur erkennen. Dadurch, dass die Lichtmenge erhöht werden kann, werden Farben und Kontraste besser hervorgehoben. Bei einer Sehbehinderung, die das Kontrastsehen beeinträchtigt, können Flächen nicht ausreichend differenziert werden und die Raumtiefe geht verloren. Die Kombination aus Leuchttafeln und Lupen sei für die Schüler hilfreich gewesen, so Stemmer. Bei den Lupen ist eine dreifache oder noch stärkere Vergrößerung möglich und außerdem sind diese mit LED-Licht ausgestattet, was den Kindern half, mehr von dem Obst und Gemüse zu erkennen und zuzuordnen.

Der zweite Teil ist die Ausstellung in der Stadtbücherei. Im Mittelpunkt stehen neben den Fotos auch Plakate mit Informationen über Auge, Sehen und Wahrnehmung. Dem Besucher werden die Aspekte der Wahrnehmung veranschaulicht, wobei die Texte in die Thematik einführen und die Fotos eine Verbindung schaffen sollen.

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Das Blindeninstitut

  • Das Blindeninstitut

    in Regensburg betreut seit über 25 Jahren mittlerweile mehr als 220 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

  • Unter dem Motto

    „anders sehen“ fördert das Institut in der schulvorbereitenden Einrichtung sowie in der Förderschule an der Brunnstube Kinder mit Sehstörungen sowie weiteren Behinderungen von Geburt an.

  • In Kooperation

    mit zahlreichen Therapeuten werden individuelle Unterrichtsmethoden gewählt und an die Schüler angepasst. Im Mittelpunkt der Förderung stehen motorische, sprachliche und sozial-emotionale Fähigkeiten und auch die Wahrnehmung durch die verschiedenen Sinne.

  • Einige Schüler

    besuchen nach der Schule außerdem die heilpädagogische Tagesstätte oder wohnen unter Betreuung von pädagogischem Fachpersonal das ganze Jahr im Blindeninstitut.

  • Seit 2006

    gibt es in Regensburg eine zusätzliche Förderstätte für Erwachsene mit Sehbehinderung, Blindheit und Mehrfachbehinderung.

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