mz_logo

Regensburg
Samstag, 16. Dezember 2017 6

Menschen

„Liebling, bist du dran? Bussi, Tschaui“

Festspielleiter Reinhard Söll spricht mit MZ-Autorin Marion Koller über seine Lebensgefährtin, Stars und die Tom-Jones-Absage.
Von Marion Koller, MZ

  • Dem Genuss nie abgeneigt: Reinhard Söll Archivfoto: altrofoto.de
  • Reinhard Söll mit Lebensgefährtin Swetlana Panfilow Archivfoto: altrofoto.de

Regensburg.Reinhard Söll empfängt abends in dem etwas vernachlässigten Stadthaus in der Schenkendorfstraße, wo Odeon-Concerte seinen Sitz hat. Der barocke 56-Jährige bringt Wasser und lässt sich am Schreibtischstuhl nieder. Pfeifenrauch wabert durch das Gebäude. Hunderte von Musiker-Porträts bedecken die Wand – von Liza Minelli bis David Garrett. All diese Stars hat er in 30 Jahren nach Regensburg geholt. Bis zu 80 Konzerte managt Söll pro Jahr in Deutschland. Der Jurist erzählt amüsant und macht einen galanten Eindruck. Es heißt aber, er sei ein sehr harter Verhandler.

Herr Söll, Interviews am Vormittag gewähren Sie nicht, weil Sie lange schlafen.

Ich habe einen unbürgerlichen Tagesablauf. Nachts arbeite ich bis drei Uhr. Da ist es ruhig, ich kann mich konzentrieren. Ich bin ein Internet-Junkie, lese Nachrichten. Nicht alles hat mit meinem Business zu tun, aber vieles wächst zusammen. Wir machen uns auch viele Gedanken über das Publikum und seine Psychologie.

Stört dieser Tagesablauf Ihre Lebensgefährtin?

Die ist schon mal ärgerlich, dass ich zu wenig Zeit habe, aber insgesamt tolerant. Mein Gott, das Leben mit mir hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Man isst mit Placido Domingo zu Abend. Der Nachteil: Man hat keine Zeit fürs Schwimmbad.

Was war das für ein Abendessen?

Das war ein privates Dinner diese Woche bei der Fürstin. Herr Schuhbeck hat gekocht. Musikproduzent Quincy Jones war dabei. Domingo hat null Starallüren, er ist ein netter, zugänglicher Mann.

Wie sieht es bei anderen mit Allüren aus?

Einer wie Elton John wird extrem abgeschottet. Er hat nicht übernachtet, ist ein- und ausgeflogen. Generell gilt: Die Trabanten sind schlimmer als die Künstler. Die Agenten wollen abschotten, dann kommt der Star – und ist unkompliziert. Ich erlebe auch Kurioses: Ein Künstler musste einen Zwangsvaterschaftstest machen, als er bei uns war. Aber Namen plaudere ich natürlich nicht aus.

Sie holen Weltstars zu den Schlossfestspielen. Wie gelingt das?

Sie werden uns angeboten und dann geht es vorwiegend um Finanzielles. Wenn wir 200 000 Euro für einen Schlossauftritt bieten und ein anderer Veranstalter 300 000 für einen Auftritt auf einem Kartoffelacker, dann hat der Kartoffelacker die besseren Chancen. Meistens entscheidet die Agentur. Wir sind seit 30 Jahren in der Branche und gelten als seriöser Partner. Placido Domingo wollen wir schon seit zehn Jahren, er wurde uns jetzt im Februar angeboten. (Lebensgefährtin Swetlana Panfilow ruft an. Söll reißt versehentlich das Hörerkabel aus dem Gerät und steckt es wieder an.) „Liebling, bist du noch dran? Es dauert noch. Okay. Bussi, Tschaui.“

Wie teuer war der Startenor?

Das darf ich nicht sagen, aber es war ein außerordentlich hoher Betrag. Deshalb müssen die Festspiel-Karten teuer sein. Die Konzerte sollen sich einigermaßen tragen. Für 15 Prozent des Gesamtetats kommen Sponsoren auf, zum Beispiel BMW, Sparkasse, Rewag.

Popsänger Tom Jones hat kurzfristig seinen Auftritt am Donnerstag abgesagt, für den 2600 Tickets verkauft worden waren. Wie ging es Ihnen nach dieser Nachricht?

Die haben Mittwoch um 11 Uhr abgesagt. Erst musste die Info an alle Kartenkäufer raus, die Fürstin musste es auch wissen. Dann habe ich überlegt, welcher Sponsor eine Veranstaltung hat. Was glauben Sie, was so eine Absage für eine Verwüstung in Gastronomie und Hotellerie anrichtet! Es gibt Leute, die beschimpfen einen. „Den haben Sie nie engagiert“, musste ich mir damals bei der Elton-John-Absage anhören. Wegen Tom Jones hat mir ein einziger eine affige Mail geschrieben. 99 Prozent reagieren verständnisvoll.

Welches Konzert war für Sie der Höhepunkt der Schlossfestspiele?

Mein Herz schlägt für die Klassik. Natürlich war für mich Domingo ein unglaubliches Erlebnis. Die Präsenz, das Charisma!

Was macht dieses Charisma aus?

Es gibt ja Künstler, die meinen, zu kurz gekommen zu sein, weil andere nur die besseren Kontakte hatten. Das glaube ich nicht. Die Leute, die dauerhaft an der Spitze stehen, haben dieses Quäntchen nicht Erlernbares. Ein Performing Artist ist ein Gesamtkunstwerk. Wichtig ist die Persönlichkeit, oft auch das Aussehen. Nützlich ist auch, wenn jemand eine besondere „Geschichte“ anzubieten hat – etwa einen spektakulären Misserfolg.

Sie sind in Regensburg als Sohn eines Romanistik-Professors aufgewachsen. Was haben Ihre Eltern zur Berufswahl gesagt?

Meine Mutter, heute 85, hat mich immer unterstützt. Einmal wurde sie gefragt: Was macht der Reinhard? Sie sagte: Der veranstaltet Konzerte. Ein Kollege meines Vaters hakte nach: Aha, und was macht er beruflich?

Was treibt Sie an?

Ich bin kein Selbstreflektierer. Es sind so viele Ereignisse gesetzt. Ich fahre mit 100 km/h durch die Landschaft und es geht immer weiter. Im August brauche aber auch ich eine Auszeit.

Wann sind Sie glücklich?

Ich bin ein Mensch, der einen absoluten Hang zum Süden hat. Gut essen, Dolce Vita, Sonne, tolle musikalische Erlebnisse. Als Veranstalter macht es mich glücklich, wenn ich sehe, wie die Leute happy rausgehen.

Nach den Schlossfestspielen verreisen Sie erst einmal.

Ich habe mir in den letzten Jahren das Cabrio-Cruisen angewöhnt. Das Dach aufmachen – und Urlaub vom ersten Augenblick an. Heuer geht es nach Aix-en-Provence und Arles. Ich bin ein leidenschaftlicher Feinschmecker, was ich nicht verbergen kann (lacht). Am liebsten mag ich Sterneküche, aber fast noch mehr die typische Landküche. Danach hängen wir einen Familienurlaub auf Mallorca mit meinem Sohn Ludwig und Stephan, dem Sohn meiner Lebensgefährtin, an. Beide sind 15. Sie wollen den Ballermann und Jürgen Drews sehen – so richtig abgetrasht.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht