mz_logo

Regensburg
Donnerstag, 23. November 2017 10° 3

Justiz

Ließ der Freund das Mordopfer im Stich?

Der Angeklagte schickte von der Gewalttat Fotos an den Nebenbuhler – der war in einer Disco unterwegs und unternahm nichts.
Von Marion von Boeselager, MZ

In diesem Wohnviertel war die Frau zu Tode gequält worden. Foto: Lex

Regensburg. Hätte die Bluttat an der 43-jährigen Regensburgerin womöglich verhindert werden können? Denn es gab offenbar einen Zeugen, der die stundenlangen Qualen der getöteten Frau in Wort und Bild mitbekam: Während des Martyriums der in der Nacht zum 9. Oktober letzten Jahres getöteten Regensburgerin schickte ihr Peiniger mehrere WhatsApp-Nachrichten mit Fotos der am Boden liegenden und blutverschmierten Frau an deren angeblichen Liebhaber (19).

Doch der junge Mann reagierte nur mit Text-Nachrichten auf das grauenvolle Geschehen, so die Staatsanwaltschaft. Er rief nicht die Polizei und leitete auch sonst keinerlei Hilfsmaßnahmen ein. Am Donnerstag muss sich der 19-jährige Regensburger deshalb wegen unterlassener Hilfeleistung vor dem Jugendschöffengericht verantworten.

Angeklagter soll Frau stundenlang gequält haben

Am vergangenen Montag hatte der Mordprozess gegen einen 42-jährigen Regensburger begonnen: Wie die Mittelbayerische berichtete, wird ihm zur Last gelegt, seine Lebensgefährtin in jener Nacht aus Eifersucht stundenlangen Qualen ausgesetzt zu haben.

Laut Anklage prügelte und stiefelte er die Regensburgerin in deren Bungalow im Stadtosten so lange, bis sie an ihren schweren Verletzungen starb. Das mutmaßliche Motiv: Er glaubte, seine Partnerin habe sich einen jungen Lover genommen, so die Staatsanwaltschaft. Bisher schwieg der Angeklagte vor Gericht jedoch zu den Vorwürfen.

Doch offenbar hätte der junge Mann, mit dem die getötete Regensburgerin noch am Nachmittag Textnachrichten ausgetauscht hatte, die Bluttat verhindern können. Der 42-jährige Angeklagte soll die verdächtigen Nachrichten auf dem Handy seiner Partnerin gelesen haben. Zeugen im Mordprozess hatten am Dienstag ausgesagt, der maßlos eifersüchtige Freund habe ihnen erzählt, er wolle sich den mutmaßlichen Liebhaber vorknöpfen. Doch er traf ihn dann wohl nicht in seiner Wohnung in der Nachbarschaft des Bungalows an. Da soll sich die Wut des 42-Jährigen laut Staatsanwaltschaft gegen die angeblich untreue Frau gerichtet haben.

Fotos der schwerverletzten Frau per WhatsApp geschickt

Der junge Mann war in jener Nacht mit Freunden in Diskotheken im Stadtgebiet unterwegs, als er die Text- und Bildnachrichten des Angeklagten erhielt. Der 42-Jährige schrieb nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter anderem an den 19-Jährigen: „Sie bekommt jetzt Deine Strafe!“ Zudem schickte er über einem Zeitraum von mehreren Stunden hinweg mehrfach Fotos der schwer verletzten Frau. Zuletzt lautet der Text an den mutmaßlichen Nebenbuhler: „Oh, ich glaube, sie stirbt grad.“ Der 19-Jährige soll darauf vier Mal per WhatsApp geantwortet, ansonsten aber die Regensburgerin in ihrer Not im Stich gelassen haben. Der Prozess ist zunächst auf einen Verhandlungstag angesetzt.

Weitere Nachrichten aus der Stadt Regensburg finden Sie hier.

Erhalten Sie aktuelle Nachrichten aus der Region und der Welt auch direkt auf das Smartphone. Hier geht es zur Anmeldung.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht