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Tourismus

Marc-Aurel-Ufer wandelt sich in Stachus

Bei der Regensburger Wurstkuchl geht es zu: Zigmal am Tag legen Ausflugsschiffe ab. 2015 kommt eine Passauer Flotte dazu. Die Anlieger fürchten Lärm.
Von Marion Koller, MZ

Einer der belebtesten Punkte im Welterbe: Das Donauufer bei der Wurstkuchl. Die Stadt hat weitere Pläne. Foto: Lex

Regensburg. Vom Marc-Aurel-Ufer aus fahren Gäste aus aller Welt mit dem Ausflugsschiff zur Walhalla oder zum Donaudurchbruch. Bislang durfte nur eine Reederei dort starten: die Regensburger Personenschifffahrt Klinger. Bis zu 100 000 Passagiere befördern die vier Schiffe pro Jahr, 250 bis 300 bei einer Fahrt. Der Passauer Konkurrent Wurm und Köck, der seit 2011 auch in Regensburg tätig ist, muss derzeit noch am Donaumarkt ablegen. Ab dem Saisonbeginn im kommenden Jahr wird auch die Reederei aus der Dreiflüssestadt von der Wurstkuchl aus starten.

Konkurrent aus Passau freut sich

Die ersten Weichen dafür hat der Stadtratsausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Wohnungsfragen am Mittwochabend gestellt. Das Gremium hat die Erneuerung der beiden öffentlichen Schiffsanlegestellen bei der Historischen Wurstkuchl einstimmig genehmigt. Es gab keine Wortmeldung zur Vorlage von Planungsreferentin Christine Schimpfermann.

Die Anwohner in der Thundorferstraße, die jetzt schon lärmgeplagt sind, müssen während der Bauzeit – und danach – mit einer höheren Belastung rechnen. Eine Mittvierzigerin aus der Thundorferstraße, die anonym bleiben möchte, sagte zur MZ: „Du musst was aushalten als Anwohner: den Qualm der Wurstkuchl, den nächtlichen Lärm Betrunkener, die Streichung von Anwohnerparkplätzen und die Menschenmassen von den Ausflugsdampfern.“ Wenn künftig noch weitere Schiffe bei der Wurstkuchl ablegten, werde das zum Problem, befürchtet sie.

Schon jetzt steigen am Marc-Aurel-Ufer rund 100 000 Passagiere pro Jahr – die meisten im Sommer – in die Klinger-Schiffe ein. Künftig kommen die große „Kristallkönigin“ (625 Plätze) von Wurm und Köck sowie ihr Schwesterschiff „Kristallprinzessin“ (290) dazu. Michaela Fichtl, Regensburger Geschäftsstellenleiterin von Wurm und Köck, freut sich auf den neuen, zentralen Standort und hofft auf Umsatzzuwächse. Die Passauer bieten seit Herbst 2011 Fahrten ab Regensburg an. Bisher galt ein Bestandsschutz für Klinger. „Das waren drei harte Jahre“, sagt Michaela Fichtl. Wie viele Passagiere ihre zwei Kristall-Schiffe im Jahr befördern, verrät sie nicht.

Fest steht jedoch, dass die Kristallkönigin dreimal täglich zur Walhalla aufbricht und mittwochs bis samstags fünfmal am Tag eine Donau-Rundfahrt bietet. Themen- und Abendausflüge kommen hinzu.

Doch zunächst müssen die Anwohner mit der Baumaßnahme klar kommen, die im September beginnt. Sie werde mit einer gewissen Lärmbelästigung verbunden sein, kündigte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra an. Es müssen zwei Liegedalben und zwei Anlegepfähle an die Ufermauer gerammt werden. Während der Arbeiten kann es passieren, dass die Lände für Fußgänger gesperrt und Parkplätze für die Baustelleneinrichtung benötigt werden. Im Frühjahr 2015 werden die Stahl-Fertigteile für die Steganlage angeliefert und an der Ufermauer befestigt. Die Stadt bemühe sich, die Baumaßnahme so zügig wie möglich durchzuführen, versprach Roenne-Styra.

Auch sonntags stört der Motorlärm

Anwohner Richard Weidmüller aus der Werftstraße kennt die Probleme mit Schiffs- und Verkehrslärm aus seinem Viertel. Kürzlich hat er zusammen mit Nachbarn eine Unterschriftenliste an OB Joachim Wolbergs überreicht. Denn die Bewohner des Unteren Wöhrd wünschen sich eine Bürgerversammlung zu dem Thema. Weidmüller sagte, die Ausflugsschiffe gehörten für ihn zu Regensburg. „Aber wer direkt neben den Schiffen wohnt, leidet darunter.“ Der Tourismus müsse mit Augenmaß entwickelt werden. „Wir müssen überhaupt wachsam sein, dass er nicht entgleist – wie in Prag.“

Architektin Lotte Welck sieht das ähnlich. Sie wohnt beim Liegeplatz der Kristallkönigin und ärgert sich beinahe jeden Tag darüber, dass die Crew das Schiff nicht sofort an den Stromanschluss andockt, sondern den Motor laufen lässt. „Das sind sonntags oft gefühlte zwei Stunden“, klagte sie. Das Wummern und die Abgase seien fürchterlich. „Wenn man Rücksicht auf die Anwohner nähme, wäre schon was gewonnen“, sagte die Architektin, die findet, dass der Schiffsverkehr zu viel wird. „Man sollte die Donau nicht vollpflastern wie den Stachus.“ Das gelte auch für das Marc-Aurel-Ufer.

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