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Regensburg
Montag, 11. Dezember 2017 4

Immobilien

Masten-Fabrik weicht Wohnungen

Das Evangelische Siedlungswerk reißt die leer stehende Industriehalle in Regensburg 2018 ab, um 175 Apartments zu bauen.
Von Julia Ried, MZ

  • Diese Industriehalle soll in der ersten Hälfte des Jahres 2018 abgerissen werden. Foto: Tino Lex
  • Mit diesem Modell gewann ein Regensburger Team aus Architekten und Landschaftsplanern den städtebaulichen Wettbewerb. Foto: Köstlbacher/Miczka

Regensburg.Schon seit fast vier Jahren steht die langgezogene, hellgraue Industriehalle an der Ecke Donaustaufer Straße/Lechstraße gegenüber dem Gewerbepark leer. Nun ist klar: In wenigen Monaten soll die ehemalige Masten-Fabrik der Firma Europoles abgerissen werden, wie das Evangelische Siedlungswerk (ESW) mitteilte. Das gemeinnützig orientierte Nürnberger Unternehmen baut dort Wohnraum, der für viele erschwinglich sein soll: Der erste Entwurf zweier Regensburger Büros, die als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervorgegangen sind, sieht 175 Mietwohnungen vor, darunter 45 geförderte. Das neue Quartier soll auch Familien anziehen. Es entstehen Zwei-, Drei-, Vier- und Fünf-Zimmer-Apartments, die größten sollen etwa 105 Quadratmeter Wohnfläche haben.

Das ESW hatte den Teilnehmern des Wettbewerbs zum Ziel gesetzt, auf dem 177 700-Quadratmeter-Grundstück an zwei viel befahrenen Straßen „eine möglichst hohe Anzahl an Wohnungen zu erreichen, ohne Abstriche beim Städtebau und der Wohnqualität machen zu müssen“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

Ziel: spürbare Entlastung

Geschäftsführer Robert Flock erklärt: Ziel des ESW sei es, bezahlbare Wohnungen für möglichst breite Schichten der Bevölkerung zu schaffen, und zwar dort, wo er am dringendsten benötigt wird – in den Städten. Das aktuelle Projekt, in das das ESW etwa 50 Millionen Euro investiert, werde in Regensburg für „spürbare Entlastung“ sorgen, zeigt sich Flocks Co-Geschäftsführer Hannes B. Erhardt überzeugt.

Das ESW verwaltet bayernweit etwa 8000 Mietwohnungen, knapp 5000 davon gehören ihm selbst. In Regensburg vermietet es 311 Einheiten, die meisten davon im Stadtnorden und -osten; dazu gehören 126 Studentenwohnungen auf dem Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne. Die ESW-Durchschnittsmiete in Regensburg beträgt 6,35 Euro pro Quadratmeter kalt. Das Unternehmen gehört der evangelisch-lutherischen Landeskirche und hat deshalb deutlich niedrige Renditeerwartungen als private Bauträger.

Erst vor gut einem Jahr hatte das ESW die Industriebrache im Stadtnorden gekauft. Es handelte sich dabei um eine der letzten noch verfügbaren und für Wohnbau geeigneten innerstädtischen Flächen in dieser Größe. „Wir haben schon kämpfen müssen um das Grundstück“, erläutert Flock. Dabei ist das Gelände kein einfaches; selbst der Käufer nennt es „anspruchsvoll“: Es ist lang, schmal, starkem Verkehr ausgesetzt und mit Altlasten aus seiner langen Industriegeschichte behaftet, die das ESW nun erst einmal entsorgen lassen muss.

Am Siegerentwurf aus dem Architektenwettbewerb gefällt den Bauherren besonders, dass an der Lechstraße kein geschlossener Wohnblock stehen soll, das Konzept aber trotzdem „im Innenbereich ein ruhiges Wohnquartier“ schafft. Der Entwurf des Architekturbüros Köstlbacher/Miczka und der Landschaftsplaner vom Büro Wamsler/Rohloff/Wirzmüller, die sich mit ihrem Beitrag gegen sechs weitere durchsetzten, sieht an der Donaustaufer Straße ein sechsstöckiges Gewerbegebäude vor. Flock vom ESW sagt: „Wir können uns dort diakonische Einrichtungen vorstellen, wir können uns soziale Einrichtungen vorstellen.“

An der Lechstraße, dem Gewerbepark gegenüber, stehen drei fünf- und sechsstöckige Wohnhäuser, die ein Knick in der Mitte jeweils in zwei Flügel teilt, davor soll reichlich Platz für große Bäume sein. Die Durchlässe in die Innenhöfe sind schmal, um für den nötigen Lärmschutz zu sorgen, erklärt Architekt Martin Köstlbacher im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Die gegenüberliegenden sechs Gebäude, die an das bestehende Wohngebiet angrenzen, sind mit drei bis vier Stockwerken niedriger. Sie liegen nicht direkt an einer der beiden großen Straßen. Doch Wohnungen erster und zweiter Klasse soll es auf dem Gelände trotzdem nicht geben, erläutert Köstlbacher. „Jede Wohnung hat einen Freisitz.“ Die Bewohner sollen ausschließlich in der Tiefgarage parken, das spart Platz.

Stadt muss erst Baurecht schaffen

Zum Zeitplan erklärt Flock vom ESW: „Wir werden im kommenden Jahr, in der ersten Jahreshälfte, bereits das Grundstück abräumen. Und wenn es dann gut läuft, können wir 2019 anfangen, zu bauen.“ Das ESW muss warten, bis die Stadt dort Baurecht schafft. Die zügige Aufstellung eines Bebauungsplans für das Areal ist Teil der Wohnbauoffensive der Stadt. Anton Anton Sedlmeier, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, erläutert: „Das ist eine klassische Nachverdichtung und Umnutzung eines gewerblich genutzten Standorts.“

Alle Entwürfe des Architektenwettbewerbs werden noch bis 2. November im Foyer im ersten Stock des Alumneums, Am Ölberg 2, gezeigt. Die Ausstellung ist von acht bis 20 Uhr geöffnet.

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