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Regensburg
Freitag, 24. November 2017 13° 2

Bauwerk

Mehr Stabilität für St. Blasius

Der mittelalterliche Dachstuhl der Dominikanerkirche ist marode, die Außenwände neigen sich. Nun hat die Sanierung begonnen.
Von Kathrin Robinson, MZ

Architekt Erhard Winklmann vom Staatlichen Bauamt erklärt die Schäden am beeindruckenden Dachstuhl der Dominikanerkirche.Foto: Lex

Regensburg.73 Meter misst das monumentale Kirchenschiff. Die Fassaden aus hellem Kalkstein streben dem Himmel zu. Hoch oben thront ein Dachwerk, das zum großen Teil noch aus dem 13. Jahrhundert stammt – neben dem Dachstuhl des Doms ist es das älteste in Regensburg. Die imposante Dominikanerkirche St. Blasius am Albertus-Magnus-Platz ist, wie alle Gotteshäuser des Mittelalters, für die Ewigkeit gebaut. Und doch nagt auch an diesem Ehrfurcht auslösenden Bauwerk der Zahn der Zeit.

Passanten konnten seit April verfolgen, wie Gerüste an der gotischen Kirche emporwuchsen. Nun ist sie vollends eingerüstet. Das Gotteshaus wird saniert. Das ist dringend nötig. „Vor allem der Dachstuhl ist marode“, erklärt Architekt Erhard Winklmann vom Staatlichen Bauamt Regensburg. Das hat auch gravierende Folgen für die Statik.

Breite Aufrisse im Mauerwerk zeigen, wie sehr sich die Außenwände der Kirche schon zur Seite geneigt haben. Foto: Lex

Die sogenannten Obergadenwände – das sind die oberen Wandflächen des Mittelschiffs – haben sich bis zu 20 Zentimeter nach außen geneigt. In schwindelerregender Höhe zeigt Winklmann auf das Probem. Zwischen den Holzbalken des Dachstuhls sieht man breite Aufrisse im Mauerwerk. Über die Jahrhunderte sei mehrmals versucht worden, den Dachstuhl zu sanieren, erklärt Winklmann. „Doch trotz verschiedener Einbauten schieben die Wände weiterhin nach außen.“

Architektonische Besonderheiten

Die Probleme mit der Statik sind auch einer Besonderheit der Architektur der Dominikanerkirche geschuldet. „Die Dominikaner bauten wie alle Bettelorden eher schlicht und einfach“, sagt Winklmann. Deshalb verzichteten sie auch bei ihrem Gotteshaus in Regensburg trotz seiner schlanken, hohen Proportionen und einer geringen Wandstärke auf Strebepfeiler, wie sie beispielsweise der Dom über den Seitenschiffen hat. Doch diese dienen nicht nur der Zierde, sie stabilisieren auch die Außenmauern des Mittelschiffs. „Bei der Dominikanerkirche fehlen sie völlig“, sagt Winklmann.

Auf der Großbaustelle verschaffen sich in diesen Tagen Experten einen Überblick. Im Westen ist das Kirchendach bereits komplett abgedeckt und eingehaust, damit die Arbeiten auch bei schlechtem Wetter fortgesetzt werden können. Die Verantwortlichen im Staatlichen Bauamt Regensburg hoffen, dass im Winter bis auf zwei, drei Wochen durchgearbeitet werden kann. Seit Jahren wird die Sanierung der Kirche, die dem Freistaat Bayern gehört, vorbereitet. Allein für die Arbeiten am Dach sind rund drei Jahre eingeplant. „Nimmt man Haupt- und Seitenschiffe zusammen, haben wir allein circa 240 Auflagepunkte des mittelalterlichen Dachstuhls. Die sind zum Teil feucht, zum Teil ganz weggefault. Da ist im Grunde an jedem was zu machen“, erläutert Winklmann. Hinzu kommen marode Balken und Latten, die entfernt und ersetzt werden sollen, und die Risse im Mauerwerk, die ausgemauert werden müssen – das alles natürlich in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Sanierungssünden aus den 60er Jahren, die den Anforderungen des Denkmalschutzes nicht genügen, werden wieder rückgebaut. Daneben werden einige Stahlträger eingezogen, um dem Dachstuhl zusätzliche Stabilität zu verleihen.

Wissenswertes über St. Blasius

  • Bettelorden:

    Die Dominikanerkirche St. Blasius gehört zu den bedeutendsten Bettelordenskirchen in Deutschland. Bettelorden wie die Franziskaner, die Karmeliter oder die Dominikaner waren Ordensgemeinschaften, die das Gebot der Armut in den Vordergrund stellten. Um 1230 gründeten Dominikaner einen Konvent in Regensburg.

  • Kirchenbau:

    Mit dem Bau der Dominikanerkirche wurde ca. 1246 begonnen. Vollendet wurde sie 1383/84.

  • Bedeutung:

    St. Blasius ist nach dem Dom die wichtigste gotische Kirche in Regensburg. Zwischen 1237 und 1240 wirkte hier der Universalgelehrte und Heilige Albertus Magnus.

  • Geschichte:

    Zur Zeit seiner Blüte im späten 15. Jahrhundert zählte die Regensburger Niederlassung der Dominikaner zu den größten Dominikanerklöstern Deutschlands. 1809 wurde das Kloster aufgelöst. Heute gehört die Kirche dem Freistaat Bayern. (wk)

Arbeiten dauern bis 2020

Auch der Innenraum ist eingerüstet. Foto: Lex

Schon vor Beginn der Arbeiten am Dach von St. Blasius wurden die Außenmauern der Kirche über Stahlseile und Gewindestäbe zusammengespannt, um für Sicherheit zu sorgen. Das Gotteshaus ist nicht nur außen, sondern auch innen eingerüstet, damit ständig die Statik des Gebäudes überprüft und kontrolliert werden kann, ob durch die Arbeiten Schäden an Mauern oder Gewölben entstehen.

Das Dach steht zwar im Fokus der Renovierungsarbeiten. Doch daneben sind weitere Maßnahmen geplant. „Die Fassade wird im Zuge der Renovierung ausgebessert“, erklärt Winklmann. Der Naturstein werde gesäubert, die Fugen ausgebessert. Auch die Kirchenfenster werden restauriert. Die Schutzgitter, die sich außen vor den Fenstern befinden, sollen ganz weg kommen. Und auch im Inneren stehen Arbeiten an. Unter anderem werden das Laien- und Chorgestühl und der Boden restauriert.

Die Fenster werden restauriert. Foto: Lex

Der Innenraum der Kirche selbst wird nur punktuell überarbeitet. „Die Raumschale wurde von 1968 bis 1972 neu gefasst. Sie ist noch in einem guten Zustand“, sagt Winklmann.

8,2 Millionen Euro soll die Sanierung von St. Blasius am Ende kosten. Mit all den Herausforderungen, die ihr innewohnen, dürfte der Architekt im Moment für eine der denkmaltechnisch herausforderndsten Baustellen Regensburgs verantwortlich sein. Bewunderung fühlt er, wenn er daran denkt, wie die Menschen im Mittelalter mit einfachsten Mitteln ein monumentales Bauwerk wie die Dominikanerkirche erschufen. 2020 soll sie wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein – eine Kirche, für die Ewigkeit gebaut.

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