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Leben

Mieter beklagen Sanierungs-Stau

Eine Umfrage der Stadtbau Regensburg ergab: Viele der Tausenden Bewohner ihrer Häuser wünschen sich eine Modernisierung.
Von Julia Ried, MZ

Die Stadtbau will ihren Wohnungsbestand in den nächsten fünf Jahren um zehn Prozent vergrößern: 300 Wohnungen entstehen hier auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne. Sanierungsprojekte müssen daher oft warten. Foto: Tino Lex

Regensburg.Jeder zehnte Einwohner Regensburgs wohnt in einer Wohnung der Stadtbau. Das hundertprozentige Tochterunternehmen der Stadt verwaltet etwa 7000 Wohnungen und ist damit der größte Vermieter in Regensburg und zudem der größte Anbieter von geförderten Wohnungen im Stadtgebiet. Was sich ihre Mieter wünschen, hat die Stadtbau jetzt schwarz auf weiß: Unter anderem ein besseres nachbarschaftliches Zusammenleben in den Anlagen, die wegen der Knappheit an günstigen Wohnungen in der Stadt zum Teil überbelegt sind, und eine Modernisierung ihrer vier Wände stehen oben auf der Liste, das ergab eine repräsentative Umfrage des Münchner Regionalinstituts für Mittelstandsmarktforschung im Auftrag des Regensburger Wohnungsunternehmens.

Im Allgemeinen sind die 1904 Mieter, die zwischen 29. Mai und 13. Juli dieses Jahres den Fragebogen des Instituts ausfüllten, mit ihrer Wohnsituation zufrieden: 86 Prozent der Befragten würden die Stadtbau als Vermieterin an Freunde weiterempfehlen.

Stadtbau-Mieter leiden unter Lärm

Nur mittlere Zufriedenheitswerte erreichte das Unternehmen allerdings, was den Zustand der Wohnungen betrifft. Auf einer Notenskala von eins (vollkommen zufrieden) bis fünf (unzufrieden) bewerteten die Befragten den Lärmschutz innerhalb des Hauses mit 3,19, den nach außen mit 2,79, den Zustand der Sanitäranlagen mit 2,78 und die Wärmedämmung beziehungsweise Isolierung mit 2,67. Die Mieter leiden offenbar unter dem Sanierungsrückstand, den Stadtbau-Geschäftsführer Joachim Becker einräumt: „Die notwendige Modernisierung der Wohnungsbestände muss im Augenblick leider der Wohnungsneubauoffensive den Vortritt lassen.“ Modernisierungsbedarf besteht aus seiner Sicht in 40 Prozent der Wohnungen. „Wir haben einen relativ großen Wohnungsbestand, der älter als 30 Jahre ist und noch nicht saniert wurde.“

Hier sehen Sie einige Fakten zur Stadtbau Regensburg im Video.

Die Stadtbau Regensburg

Die Stadtbau könne dieses Problem derzeit nur „mit geringer Schlagzahl“ angehen – aus „Kapazitätsgründen“. Wegen des Baubooms in der Region fehlten verfügbare Handwerker, wegen der eigenen Neubauprojekte – die Stadtbau möchte in den nächsten fünf Jahren ihren Wohnungsbestand um zehn Prozent vergrößern – eigenes Personal, das die Maßnahmen planen könnte und ihre Umsetzung begleiten. Gleichzeitig gelte es, „das Dilemma Bezahlbarkeit der Miete mit zeitgemäßen Ausstattungsmerkmalen in Einklang zu bringen“, sagt Stadtbau-Chef Becker. Die Stadtbau-Mieten liegen derzeit zwischen vier und knapp zehn Euro kalt pro Quadratmeter. Etwa ein Drittel der Wohnungen ist gefördert. Allerdings werden die sehr günstigen Wohnungen zunehmend weniger, weil sie nach und nach aus der Preisbindung fallen beziehungsweise da die Stadtbau sie nach Sanierungen deutlich teurer, weil am Mietspiegel orientiert, vermietet.

Die Miethöhe gehört zu den Aspekten, mit denen die Umfrage-Teilnehmer mit am wenigsten zufrieden sind: Erreicht wurde hier die Durchschnittsnote 3,26. Zum Vergleich: Helligkeit beziehungsweise die Größe der Wohnungen bewerteten die Befragten deutlich positiver, durchschnittlich mit 2,38 beziehungsweise 2,48, die Raumaufteilung mit 2,52. Auch die Basisversorgung im Viertel wird geschätzt.

Als besonders problematisch in ihrem Wohnumfeld nehmen die Mieter das nachbarschaftliche Zusammenleben wahr. „Beklagt werden hier vor allem mangelnde gegenseitige Rücksichtnahme, Verunreinigungen und Lärmbelästigung innerhalb der Wohnanlagen“, stellt Becker fest. Die Durchschnittsnote für Sauberkeit liegen in der Umfrage beispielsweise bei 3,11, die für Einhaltung der Hausordnung bei 3,27. Der Mangel an Wohnraum begünstige solche Konflikte noch, sagt Becker. „Wir haben infolge der Mietpreisentwicklung und der Wohnungsknappheit die Situation, dass die Leute zunehmend enger wohnen.“ Einige Wohnungen seien eindeutig überbelegt. Auch die lange Warteliste der Stadtbau für Interessenten zeigt, wie groß die Nachfrage ist: Etwa 1500 Namen ist sie lang.

Mieterbund: Umfrage ist „wertlos“

Werner Hinreiner vom Mieterbund Regensburg kommentiert die Umfrage sehr kritisch. „Die Stadtbau will ihr ohnehin angekratztes Image aufpolieren“, sagt er im Gespräch mit unserem Medienhaus. Deshalb hebe sie für sie positive Ergebnisse wie die Weiterempfehlungsrate hervor.

Hinreiner sieht die Aussagen zu den Mietpreisen als „ganz wesentlichen Aspekt“. 791 Befragte geben etwa die Hälfte oder mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Miete aus. Der Mietervertreter findet das erschreckend. „Die Stadtbau hat dazu beizutragen, die Wohnungsknappheit der einkommensschwachen Regensburger zu lindern“, sagt er. Aufgabe der Stadt Regensburg sei es, ihre Tochter hier mehr in die Pflicht zu nehmen – etwa indem sie „Mietervertreibungen“ bei Modernisierungen den Riegel vorschiebe. Durch die Umfrage allerdings werde sich an der Gesamtsituation nichts ändern, zeigt sich Hinreiner überzeugt. Deswegen sei sie „wertlos“.

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