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Regensburg
Freitag, 24. November 2017 13° 2

Gericht

Mitarbeiterin mit Schlägen gedroht


Von Marion von Boeselager, MZ

Ein 64 Jahre alter Mann ist vom Amtsgericht Regensburg zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Euro verurteilt worden. Der mittellose Mann hatte die Mitarbeitern des Betreuungsvereins bedroht.

Der Regensburger Betreuungsverein unterstützt mit seiner Arbeit behinderte oder psychisch kranke Menschen. Dass dies manchmal gute Nerven verlangt, zeigt ein Vorfall vom August aus dem vergangenen Jahr: Günter K, der wegen eines anderen Vorfalls schon Hausverbot in den Räumlichkeiten des Vereins hatte, empörte sich, weil seine Forderung nach mehr Geld für seine Lebensgefährtin abgeschlagen wurde. Als die Mitarbeiterin des Vereins den Besucher bat, nun das Büro zu verlassen, hob der Mann die Hand, zog nach hinten aus und drohte ihr: „Ich hab noch nie eine Frau geschlagen, aber wenn Sie nicht den Mund halten, werd’ ich das tun!“ Erst als die Mitarbeiterin mit der Polizei drohte, entfernte sich der wütende Mann. Die Frau erstattete Anzeige wegen Nötigung und Hausfriedensbruch. Gegen Günter K. wurde Strafbefehl über 30 Tagessätze zu je 15 Euro erlassen. Günther K. legte Einspruch ein.

Vor dem Amtsgericht räumte Günther K. zwar seine Worte und die erhobene Hand ein, fand das aber nicht weiter tragisch: „Ich bin halt ein bisschen hochgegangen. An das Hausverbot hab ich nicht mehr gedacht“, sagte Günther K. Nach Einzelheiten des Vorfalls gefragt, erzählte er aber eine ganz andere Vorgeschichte als die Geschädigte: „Ich wollte für meine Freundin Frau das Geld abholen, weil sie sich nicht wohl fühlte.“ Tatsächlich war aber die Betreute zuvor schon allein beim Verein auf der Matte gestanden und wollte mehr Geld. Da sie aber ihr Budget für den Monat schon ausgeschöpft hatte, wurde sie auf den nächsten Abholtermin am 1. September – drei Tage später – vertröstet. Da holte sie ihren Lebensgefährten als „Verstärkung.“

Auf den Widerspruch hingewiesen, grantelte der Angeklagte: „Ich sag jetzt gar nichts mehr. Und wenn’s mir nicht passt, dann geh ich.“ Nach seinen Einkünften gefragt meinte er: „Ich habe keine. Ich bin halt ein Lebenskünstler. Ich wohne mal, hier mal da, helfe manchmal aus und sammle Flaschen.“ Hartz IV habe er nie beantragt: „Da kenn ich mich nicht aus und mit den Behörden hab ich’s nicht so.“ Er trat vor die Richterin hin und leerte seine Börse und seine Hosentaschen aus: „Schaun Sie: leer.“

Richterin Schimke-Kinskofer erklärte daraufhin, bei einem Obdachlosen wie dem Angeklagten, der von der Hand in den Mund lebe, müsse die Tagessatzhöhe vom Hartz-IV-Tarif 15 Euro deutlich nach unten angepasst werden – auf nur mehr zwei Euro. Der Angeklagte müsse 60 Euro Strafe für seinen Ausraster zahlen und das in Raten. Da hellte sich die Miene des Angeklagten auf und er gab sein Okay zum Vorschlag, seinen Einspruch auf die Tagessatzhöhe zu beschränken: „Dann bin ich damit einverstanden. Denn sonst wär’s wie ein Felsbrocken gewesen, der auf mich draufkracht“, sagte Günther K.

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