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Regensburg
Montag, 11. Dezember 2017 5

Verkehr

Ohne Licht zum Horrorcrash

Schwarze Jacke, kein Licht: Fahrradfahrer, die so durch Regensburg fahren, setzen nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel.
Von Mario Geisenhanslüke und Julia Weidner, MZ

  • Ein Fahrradfahrer fährt bei tristem und nebligem Wetter ohne Licht. Nicht nur Radfahrer haben Angst vor rücksichtslosen Autofahrern. Auch andersherum fürchten Autofahrer Radler, die unvernünftig ohne Licht im Herbst und im Winter unterwegs sind. Fotos: dpa
  • Mit dunkler Jacke, aber ohne Licht Foto: dpa

Regensburg.Es ist das Horrorszenario eines jeden Fahrradfahrers – aber auch eines jeden Autofahrers: In der herbstlichen Dämmerung will man mit seinem Auto an einer Kreuzung rechts abbiegen und plötzlich kracht es. Ein Radler fliegt über die Motorhaube. Schwer verletzt bleibt er liegen.

Auch in Regensburg ist das Verhältnis von Radfahrern und Autofahrern nicht einfach. Die Radler schimpfen auf rücksichtslose Autofahrer, die ohne Blicke über Schulter und in Spiegel abbiegen. Aber auch andersherum ist es ein großes Thema. So schrieb eine Leserin unserer Zeitung in einem Brief an unsere Redaktion jüngst: „Als Autofahrerin verzweifle ich an Radfahrern, die bei Dunkelheit ohne Licht, dunkel gekleidet, möglicherweise gegen die Fahrtrichtung, in flottem Tempo durch – im schlimmsten Fall auch noch schwach beleuchtete – Straßen sausen.“ Sie habe Angst, so einen Radfahrer einmal zu übersehen.

Sieben Mal hat es 2016 in der Stadt Regensburg gekracht, weil Fahrradfahrer ohne Licht unterwegs waren. 2017 spricht die offizielle Polizeistatistik sogar nur von zwei solchen Unfällen bis zum Stichtag Ende September. Auch gab es weder schwere Verletzungen, noch wurde jemand bei einem solchen Unfall getötet. Doch die Gefahr ist allgegenwärtig. Und wie viele – wohl aber nicht sehr schwerwiegende – Unfälle ohne Beteiligung der Polizei geregelt werden, lässt sich auch nicht sagen.

Besonders gefährlich sind laut Polizeihauptkommissar Albert Brück in diesem Szenario die Bajuwarenstraße und die Kreuzung an der Kumpfmühler Brücke. In beiden Fällen düsen Radfahrer nämlich wegen eines Gefälles mit meist hohen Geschwindigkeiten über die Kreuzung. Aber auch rund um das DEZ, an der Galgenbergbrücke und in der Landshuter sowie der Donaustaufer Straße kommt es immer wieder zu Unfällen.

„Im persönlichen Umfeld ist das sicherlich immer mal wieder ein Thema“, sagt Brück im Hinblick auf die Angst von Autofahrern, unvernünftige Radfahrer zu übersehen. Dienstlich würde man eher von der anderen Seite hören, wenn Radfahrer rücksichtslose Autofahrer bei der Polizei anzeigen. Eine Erklärung hat Brück dafür auch: Erstens würden Radfahrer einen Fast-Zusammenstoß viel dramatischer wahrnehmen, weil die Knautschzone fehlt. Ein Autofahrer denke sich vielleicht: „Huch, das war jetzt aber knapp“. Hinzu komme, dass Radfahrer sich das Kennzeichen merken könnten. Einen Radler, der verkehrswidrig und gefährlich unterwegs war, nur an Hand einer Beschreibung zu ermitteln, sei fast unmöglich.

In dunkler Jacke und ohne Licht auf dem Fahrrad unterwegs? Für MZ-Redakteur Mario Geisenhanslüke undenkbar:

Kommentar

Lebensmüde

Am Mittwoch war es fast wieder soweit: Kurz nach 18 Uhr kommt ein Mann die Kumpfmühler Brücke hinuntergeschossen. Blaue Jacke, kein Licht, gefühlt mit...

Was also tun? In Richtung der Radfahrer sagt Brück: Wer bei Dämmerung oder in der Dunkelheit ohne die vorgeschriebene Beleuchtung unterwegs ist, erhöhe das Unfallrisiko. Außerdem begehe man eine Verkehrsordnungswidrigkeit, die mit 20 Euro Bußgeld geahndet wird – wenn niemand gefährdet wird. Interessant an dieser Stelle: Entgegen vieler Vorurteile sind die Regensburger Studenten nicht öfter ohne Licht unterwegs als andere Gruppen.

In Richtung der Autofahrer rät Brück nur: „Man muss damit rechnen, dass Radler in dunkler Kleidung ohne Licht unterwegs sind.“ Dabei helfe nur: lieber zwei Schulterblicke, selbst dann langsam um die Kurze fahren, wenn man nichts sieht. Oder anders gesagt: „Besondere Rücksicht!“

Unfälle wie solche gehen selten glimpflich aus. Foto: dpa

Aber auch Radfahrer können sich mit guter Ausrüstung schützen – und es damit Autofahrern leichter machen, sie nicht zu übersehen. Dr. Klaus Wörle, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Regensburg, rät deswegen den Radlern in der Domstadt, für ihre Sicherheit ein wenig Geld zu investieren. „Die Standardausrüstung mit Nabendynamo und Rücklicht gibt es schon für 50 Euro“, erklärt er. Diese Bestandteile seien meist schon beim Fahrradkauf dabei und für Gelegenheitsradler völlig ausreichend.

Nicht nur die Ausrüstung am Fahrrad ist entscheidend für die Sicherheit eines Radlers. Auch ein Helm schützt die Sportler. Doch warum gibt es in Deutschland immer noch keine Helmpflicht? Lesen Sie hier, was Experten aus Regensburg dazu sagen.

Bremslicht gibt es auch fürs Rad

Klaus Wörle ist der Vorsitzende des ADFC Regensburg. Er setzt beim Radeln auf helle Scheinwerfer. Foto: ADFC

Alltagsradler oder diejenigen, die mit dem Rad in die Arbeit fahren, sollten dagegen noch einmal aufrüsten. „Vor allem auf dem Weg in die Arbeit und zurück ist es in den Wintermonaten dunkel oder dämmrig, hier wird es bei zu schwachem Licht gefährlich“, sagt Wörle. Für diese Situationen gibt es ein Tagfahrlicht fürs Rad oder Bremslichter, die wie beim Auto aufleuchten, wenn das Gefährt langsamer wird. Gerade im Herbst und Winter empfiehlt der Vorsitzende des ADFC Regensburg helle Scheinwerfer am Fahrrad. Denn zu dieser Zeit seien die Straßen oft nass und viele Schilder und Lichter spiegelten sich auf den Straßen. Für Klaus Wörle ist klar: „Dann muss sich das Lichtsignal des Fahrrads durchsetzen und zu den anderen Verkehrsteilnehmern durchdringen.“

Grundsätzlich habe sich die Situation laut Wörle in den vergangenen Jahren verbessert. „Die Dynamos haben sich weiterentwickelt und sind jetzt technisch viel zuverlässiger“, nennt er ein Beispiel. Außerdem biete die Standardausrüstung beim Radkauf schon gutes Licht.

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