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Verkehr

Parkhaus: Tauziehen hinter den Kulissen

Der Parkdruck in Regensburg wächst, wenn das Bayernmuseum kommt. Der OB will am Alten Eisstadion bauen – und nutzt Taktik.
Von Marion Koller, MZ

  • Am Alten Eisstadion sind 680 Parkplätze. Um mehr Autos unterzubringen, plant die Stadt dort ein Parkhaus mit 1500 Plätzen. Foto: Koller
  • Das Jacobi-Gelände in der Wöhrdstraße: zu schade fürs Parken? Foto: Koller

Regensburg.Dass stadtnahe Parkplätze fehlen, weiß jeder, der samstags im Zentrum einkaufen will und mit dem Auto kommt. Auch die 676 Parkflächen beim Alten Eisstadion sind oft belegt, seit am Donaumarkt das Bayern-Museum hochwächst und keine Pkw mehr abgestellt werden können.

Die bunte Rathausmehrheit verhandelt bis Juni den neuen Koalitionsvertrag. Eines der wichtigsten Themen: das Parken. OB Joachim Wolbergs hat sich vor wenigen Tagen klar für einen Parkhausbau beim Alten Eisstadion ausgesprochen – mit Anbindung an die Nibelungenbrücke. 1500 Plätze sollen entstehen, ein Teil für Anwohner. Die Zeit drängt, denn mit der Eröffnung des Bayern-Museums 2018 nimmt der Parkdruck zu.

„Das wäre ein fatales Signal“

Doch auch an den Parkhausplänen für das nur wenige Hundert Meter entfernte, altstadtnahe Jacobi-Gelände in der Wöhrdstraße, jetzt ein unbefestigter Parkplatz, hält der Rathauschef fest. Zu unserer Zeitung sagte Wolbergs, vielleicht werde auch dieses Areal gebraucht. Das sei Meinung der bunten Koalition. „Und deshalb gehe ich mit.“

Der Hintergrund: Regierungspartner FDP würde den Koalitionsvertrag platzen lassen, wenn die Sozialdemokraten die Parkhauspläne für das Jacobi-Areal aufgäben. Während sich die Nachbarn eine Wohnbebauung auf dem Filetgrundstück wünschen und die Klage von Hausbesitzer Martin Schmid gegen das mehrere Jahre alte Parkhaus-Vorhaben der Stadt immer noch beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof liegt, pocht FDP-Sprecher Horst Meierhofer auf die Realisierung. Nur ein Jacobi-Parkhaus sei eine Alternative für den weggefallenen Donaumarkt.

Kommentar

Taktik

Das Jacobi-Gelände in der Wöhrdstraße darf auf keinen Fall für ein Parkhaus geopfert werden. Eine Wohnbebauung dieser zentralen Fläche wäre die richtige...

„Das Alte Eisstadion liegt ganz schön weit weg“, findet Meierhofer. „Da bin ich schneller im DEZ als in der Altstadt.“ Für Besucher von außerhalb, die im Welterbe einkaufen wollen, sei das Jacobi-Gelände ideal. Meierhofers erklärte Ziele: den Einzelhandel unterstützen und Menschen ins Welterbe bringen.

Dem FDP-Stadtrat widerstrebt es, das Jacobi-Parkhaus während der laufenden Klage aufzugeben. „Das wäre ein fatales Signal“, urteilt er. Meierhofer räumt ein, der Untere Wöhrd sei einer der schönsten Regensburger Flecken. „Aber es geht nicht nur um die Bewohner, sondern um alle Bürger.“ CSU-Fraktionschef Herrmann Vanino und die Altstadtkaufleute sehen das ähnlich. Guido Herrmann, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof, sagte Ende Februar zu unserer Zeitung, er ziehe ein Jacobi-Parkhaus vor. Vor allem aber ging es ihm um einen schnellen Bau, egal wo.

Frühestens in drei Jahren fertig

Auch wenn sich die Bunte Koalition bald einigt und den Planungsprozess vorantreibt, wird das Parkhaus beim Alten Eisstadion frühestens in drei Jahren eröffnen. SPD-Fraktionssprecher Norbert Hartl sagt, bei vier Partnern sei ein schneller Kompromiss schwierig. „Doch ich bin guter Dinge.“ Zum Bau meint er: „Er könnte 2019 fertig sein, hoffe ich.“ Ute Hick-Weber, die Leiterin des Stadtplanungsamts, nennt keinen Termin. „Das wäre unseriös.“

Parkplätze

  • 10 000 Parkplätze:

    So viele gibt es insgesamt laut Stadt.

  • Donaumarkt:

    Dort sind 360 weggefallen, dafür bietet das neue Petersweg-Parkhaus 100 mehr als früher.

  • Altes Eisstadion:

    Derzeit 676 Parkflächen, mit Parkhaus werden es 1500.

  • Jacobi-Areal:

    Dort sind gegenwärtig 230 Stellplätze; im geplanten Parkhaus wären es 470 (200 öffentliche).

  • Dultplatz:

    2400 Parkflächen

  • Park & Ride West:

    334

  • Parkhäuser:

    Dachauplatz 715, Bismarckplatz 355, Arnulfsplatz 170, Petersweg 560, Arcaden 1500, CRC 418

  • Anwohner:

    Ihnen stehen rund 2000 Parkplätze in der Stadt zur Verfügung. Die Anwohner bekommen auch bei einem Parkhausbau am Alten Eisstadion günstige Plätze. (ko)

Hartl rechnet aber damit, dass das Jacobi-Gelände langfristig wegfällt. Denn auf die Frage, ob es nicht zu schade für ein Parkhaus wäre, antwortet er: Eine Lösung werde sich von selbst ergeben. „Wenn wir Nein sagen, kriegen wir das Alte Eisstadion nicht. Wenn wir das gebaut haben, ist es 2019 oder 2020. Dann werden die Karten neu gemischt.“ Damit könnte er recht haben. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof wird zwar laut Sprecher Dr. Klaus Löffelbein heuer noch über das angestrengte Verfahren des Hausbesitzers entscheiden. Doch verliert der Kläger, kann er sich ans Bundesverwaltungsgericht wenden. Es kann also dauern.

Derweil arbeitet das Stadtplanungsamt an einer Mobilitätsdrehscheibe Altes Eisstadion. Das geplante Parkhaus soll laut Ute Hick mit Nordwest- und Ostsüd-Buslinien angebunden werden. Eine Fahrradverleihstation und Wasserbusse für Touristen runden das Angebot ab. MZ-Leser Johann Brandl betrachtet genau wie Dr. Martin Kammerer von der Industrie- und Handelskammer ein Parkhaus am Alten Eisstadion, verbunden mit einem leistungsfähigen Shuttleservice und schnellen Buslinien auf eigenen Trassen, als beste Lösung.

Mittelbayerische Maps verortet die Parkplätze und Parkhäuser in Regensburg:

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