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Dienstag, 26. September 2017 21° 1

Engagement

Pater schafft eine Heimat für 800 Kinder

Thomas Varghese hat in Uganda eine komplette Schule aufgebaut. Der Rotary-Club „Marc Aurel“ hilft ihm mit 22000 Euro.
Von Christof Seidl, MZ

Unterricht, Verpflegung, Unterkunft – und für viele Waisen auch Familie: Die Schule, die Pater Thomas in Iyolwa errichtet hat, wird für bald 800 Kinder ein Stück Heimat sein. Foto: Pater Thomas

Regensburg.Pater Thomas Varghese ist ein bescheidener Mann. Wer ihn kennenlernt, käme nicht sofort auf Idee, dass dieser freundliche Inder eine komplette Schule aus dem Boden stampfen kann. Genau das hat Pater Thomas aber getan. Der Geistliche, der eine Zeit lang in Undorf im Landkreis Regensburg Pfarrer war, hat im Auftrag des Ordens des Heiligen Franziskus von Sales, dem er angehört, in den vergangenen beiden Jahren das „St. Frances de Sales College Iyolwa-Tororo“ aufgebaut.

Diese weiterführende Schule ist nicht nur Unterrichtsstätte, sondern auch Internat, landwirtschaftlicher Betrieb und Gesundheitsstation. Sie ist seit dem Frühjahr in Betrieb und beherbergt derzeit gut 220 Schüler. „Wenn alle Jahrgänge belegt sind, werden es 800 sein“, sagt Pater Thomas.

Geld für neue Klassenzimmer

Der Rotary-Club „Marc Aurel“ übergab Pater Thomas (2. von links) die Spenden. Im Bild Past-Präsident Hans Stark (links), Prof. Dr. Karl Hermann Wiedmann und Präsident Frank Stürzl (rechts). Foto: Lex

Noch ist die Schule nicht fertiggestellt. Derzeit entstehen sechs weitere Klassenzimmer und ein Büro. In den Unterkünften fehlt noch Mobiliar. Pater Thomas, der zurzeit als Pfarrvertretung in Sinzing tätig ist, freut sich deshalb über jede Gabe. Eine besonders große Spende hat er am Donnerstag vom Regensburger Rotary-Club „Marc Aurel“ erhalten. Er hielt für die Club-Mitglieder einen Vortrag über sein Uganda-Projekt. Anschließend überreichten ihm Präsident Frank Stürzl, Past-Präsident Hans Stark und Prof. Dr. Karl Hermann Wiedmann einen Scheck über 22000 Euro. Die Summe kommt dem Ausbau und der Errichtung von Klassenzimmern im „College“ zugute.

Die Bildergalerie zeigt Aspekte des Lebens in der Region Iyolwa in Uganda

Die Schule von Pater Thomas in Uganda

Das Geld stammt aus einer Versteigerung im Rahmen der Weihnachtsfeier 2016 des Clubs, darin enthalten sind 5000 Euro aus dem Rotary District Fond 1880. Prof. Wiedmann brachte bei der Übergabe das Engagement des Ordens in Ostafrika auf den Punkt. „Man kann das Ziel mit den einfachen Worten umschreiben: Bildung und nochmals Bildung für die Menschen, denn nur so können sie sich langfristig selbst helfen.“

Das Projekt von Pater Thomas Projekt ist die erste Schule des Ordens in Uganda. Der Geistliche verfolgt damit zwei Ziele: die völlig desolate Schulsituation im Bezirk Iyolwa zu verbessern und Waisenkindern eine Chance zu geben. Denn die Situation der etwa 34000 Menschen in dieser Region ist mehr als schwierig. 12000 Kinder besuchen sieben Grundschulen, die Klassenstärke liegt bei 160 Schülern, die Lehrkräfte haben seit fünf Monaten kein Gehalt mehr erhalten. 40 Prozent der Kinder sind Waisen, viele verlieren ihre Eltern durch Aids.

40 Prozent der Kinder in Iyolwa sind Waisen. Fotos: Pater Thomas

40 Prozent der Frauen waren bereits mit 18 schwanger, 90 Prozent der Menschen sind arbeitslos und leben unter der Armutsgrenze, ebenso viele kennen keine Stromversorgung. Und fast die gesamte Bevölkerung lebt von einer unterentwickelten Landwirtschaft.

Hier sehen Sie ein Video über das Leben in der Schule von Pater Thomas

Dieses Video zeigt Ausschnitte aus dem Schulleben in Uganda Video: Pater Thomas

Die neue Schule ist Teil von „Foster“, einer Organisation des Ordens, die sich für soziale Veränderung, Bildung und Erneuerung einsetzt. Deshalb gibt es an der Schule nicht nur Klassen-Unterricht. Die Kinder und Jugendlichen lernen auch, wie man mit einfachen Mitteln eine funktionierende Landwirtschaft betreibt, die Raubbau vermeidet. Es gibt Kühe, Schafe, Hühner und Ziegen. Die Landwirtschaft ermöglicht die Selbstversorgung der Schüler, „die Kinder arbeiten für ihr Essen“, erklärt der Pater. Eine Fotovoltaikanlage, eigene Brunnen und eine eigene Krankenstation machen das „College“ weitgehend autark. 40 Mitarbeiter, darunter 16 Lehrer, kümmern sich um die Schüler. 600000 Euro wurden bisher in das Projekt investiert.

Pater Thomas setzt sich für eine Veränderung in den Köpfen ein. So pflanzten die Kinder hunderte Bäume, „jedes hat seinen eigenen“, betont der Geistliche. Sport soll soziale Kompetenz stärken, nach jedem Unterrichtstag findet im Schulhof ein Appell statt, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Im Juni hielt die Schule einen Umwelttag ab, ein Seminar klärte die Schützlinge über ökologische Themen auf. „Wir wollen die Kinder mit der Umwelt erziehen“, sagt Pater Thomas, „und sie sind da sehr offen“. Ihm geht es auch darum, den Horizont seiner Schützlinge zu erweitern. Sie sollen lernen, „über die Stammespolitik hinaus zu denken“. Sein Wunsch wäre es, dass sie später eine positive Führungsrolle übernehmen. Die Schüler des „College“ hätten dafür vergleichsweise gute Aussichten. „Aber es werden nicht alle Arbeit bekommen.“

Hilfe für Frauen und Mädchen

Das Engagement des Ordens beschränkt sich nicht auf die Schule. Ein zentraler Punkt ist ein Ausbildungsprogramm für Mädchen und Frauen. In Kursen in Dörfern und Schulen geht es um die Ausrottung von häuslicher Gewalt, Verhütung von Alkohol- und Drogenmissbrauch oder um Eigenständigkeitsprojekte für Witwen und alleinerziehende Mütter. Ihnen wird auch mit Kleinkrediten geholfen. Große Fortschritte ermöglicht der Orden durch den Bau von Brunnen und Strom aus Fotovoltaikanlagen.

Pater Thomas und seine Mitarbeiter kümmern sich außerdem um rund 60 Waisen und junge Mütter, die besonders hilfsbedürftig sind. Weitere 70 Waisen und „fürsorgebedürftige Kinder“ im Grundschulalter erhalten in der Schulde des Ordens Essen, zusätzlichen Unterricht und Betreuung. Sehr wichtig ist dem Pater, dass es keine Trennung zwischen den Waisen und den anderen Schülern gibt. „Wir wollen Integration und Inklusion, deshalb gibt es kein Waisenhaus.“

So helfen Sie Pater Thomas

Zu dem „College“ gehört auch eine Krankenstation. Der Orden will in der Region Iyolwa später ein medizinisches Versorgungszentrum aufbauen. Foto: Pater Thomas

Menschen die Pater Thomas bei seinem Uganda-Projekt helfen wollen, haben dazu mehrere Möglichkeiten.

Sie können dies finanziell durch Unterstützung des Kinderheims und der Schule tun. Oder sie können vor Ort in Uganda ein halbes Jahr der länger mitarbeiten.

Foster bietet außerdem die Übernahme von Patenschaften für Kinder an.

Wer im Rahmen einer Geburtstagsfeier oder eines Fest helfen will, kann seine Gäste bitten, auf Geschenke zu verzichten. Das gesparte Geld könnte dann in ein Sparschwein wandern, das für die Kinder in Uganda aufgestellt wird.

Die Bankverbindung für das Uganda-Projekt: Sparkasse Mainfranken, IBAN: DE28 7905 0000 0046 3375 07, BIC: BYLADEM1SWU, Inhaber: Maisha Pomoja e.V., Verwendungszweck: P.Thomas-Foster-Uganda

Weitere Informationen über das Ugandaprojekt finden Sie auf der Homepage von Maisha Pomoja e.V. und auf der Webseite der Foster-Organisation des Ordens des Heiligen Franziskus von Sales.

Pater Thomas ist auch per E-Mail erreichbar.

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