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Regensburg
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Politik

Politiker auf Distanz zum Challenge

Fast alle Parteien im Regensburger Stadtrat wollen die Förderung des Triathlon beenden. Nur die SPD hält sich bedeckt.
Von Julia Ried, MZ

Regensburgs SPD-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer mit dem Neutraublinger Bürgermeister Heinz Kiechle im Sommer am Rand der Challenge-Strecke: Nun rückt mit SPD-Stadtverbandschefin Margit Wild auch ein Mitglied ihrer SPD-Fraktion ab von dem Triathlon. Foto: MZ-Archiv/altrofoto.de

Regensburg.Die im Stadtrat vertretenen Parteien sprechen sich mehrheitlich dafür aus, den Vertrag der Stadt mit der Veranstalter-Firma des Langdistanz-Triathlons Challenge Regensburg aufzulösen – sofern dies rechtlich möglich sei. Nur die SPD-Fraktion hält sich zurück. „Wir schauen erst einmal, was die Prüfung durch die Verwaltung ergibt“, sagt Vorsitzender Dr. Klaus Rappert. Stadträtin und SPD-Stadtverbandschefin Margit Wild allerdings prescht vor: „Ich denke, mit der Zurücknahme des Namens Challenge entfällt eine wesentliche Grundlage des Vertrags. Da wird es doch eine Möglichkeit geben, zu sagen, da gilt der Vertrag nicht mehr.“

Der Veranstalter des Langdistanz-Rennens, Thomas Tajsich, zeigt sich trotz des Gegenwinds aus der Politik weiter optimistisch. Er gehe davon aus, „dass beide Vertragspartner ihre Leistungen erfüllen“. Die Stadtverwaltung prüft den Vertrag, nachdem das Unternehmen Challenge Family seinem Regensburger Lizenznehmer, der Purendure Event GmbH, gekündigt hat (die Mittelbayerische berichtete). Die Stadt unterstützte bisher das Rennen mit einem Zuschuss von 75 000 Euro im Jahr und mit Sachleistungen im Wert von bis zu 200 000 Euro.

Anwalt: Abwicklung möglich

Markus Höss, auf Vertrags- und Sportrecht spezialisierter Rechtsanwalt aus Stuttgart, sieht Möglichkeiten, dass die Stadt den Vertrag abwickelt. Da sich der ganze Kontrakt auf die Ausrichtung des Challenge Regensburg beziehe, meine er, „dass natürlich auch die Stadt ein Kündigungsrecht für den Vertrag mit der Agentur besitzt“, teilt er auf Anfrage mit. „Im Übrigen dürfte auch ein sogenannter Wegfall der Geschäftsgrundlage einschlägig sein.“

CSU-Fraktionschef Dr. Josef Zimmermann, der seit Längerem ein Ende des Challenge fordert, zeigt sich überzeugt: Jetzt sei eine Kündigung des Vertrags möglich. „Aus unserer Sicht ist seit den letzten Veränderungen die einzige belastbare Bestimmung im Vertrag verletzt.“

„Die Langdistanz in Regensburg ist tot.“ Dr. Josef Zimmermann, CSU-Fraktionschef

Auch die Partner der SPD in der Gestaltungsmehrheit äußern sich kritisch, was eine Aufrechterhaltung des Kontrakts betrifft. Zwar betont Ludwig Artinger (Freie Wähler): „Wir sind vertragstreu.“ Doch falls es juristisch möglich sei, aus dem Vertrag auszusteigen oder ihn zu verändern, sei er mindestens für eine Anpassung: „Politisch halte ich es für deutlich fragwürdig, wenn die Veranstaltung ohne dieses Markenzeichen Challenge weiterläuft. Wenn das wegfällt, ist es eine Privatveranstaltung von Purendure. Dann ist der Mehrwert sehr fragwürdig bis nicht gegeben.“ Grünen-Fraktionschefin Margit Kunc sagt: „Die Rahmenbedingungen scheinen sich jetzt zumindest geändert zu haben. Und unter geänderten Voraussetzungen sehe ich keinen wichtigen Grund, das weiterzuführen.“ Horst Meierhofer von der FDP erklärt, er könne, falls eine Beendigung der Kooperation möglich sei, gut auf den Langdistanz-Triathlon verzichten. Ohne die Marke Challenge sei der „Werbeeffekt sicherlich noch einmal geringer und die Frage nach dem Nutzen im Verhältnis zum Aufwand neu zu bewerten“.

„Das ist nicht mehr das, was wir ursprünglich unterstützt haben.“ Margit Kunc, Grünen-Fraktionschef

Ähnlich deutlich wie die CSU positionieren sich Linke und ÖDP. „Wenn das beendet werden kann, soll es beendet werden“, sagt Richard Spieß (Linke). Benedikt Suttner teilt mit, dass die ÖDP-Fraktion das Projekt Challenge Regensburg als „gescheitert“ ansehe.

Purendure baut auf die Stadt

Challenge-Sprecherin Christine Waitz sagt über die Äußerungen aus der Politik, sie könne grundsätzlich verstehen, „dass da eine gewisse Verunsicherung herrscht“. Sie verweist darauf, dass die Kündigung durch die Challenge Family aus Sicht des Purendure-Anwalts nicht wirksam sei. Prinzipiell gelte: „Unser Ziel ist ganz klar, die Zusammenarbeit mit der Stadt aufrechtzuerhalten.“ Allerdings halte Purendure die Marke Challenge für begrenzt relevant für den Erfolg eines Langdistanz-Rennens in Regensburg. „Athleten entscheiden sich nicht unbedingt aufgrund der Marke Challenge für das Rennen, sondern aufgrund von Strecke, Stimmung und Helfern.“ Diesbezüglich erhalte Purendure von den Sportlern „extrem gute Feedbacks“.

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