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Regensburg
Samstag, 19. August 2017 30° 8

Römer

Porta Praetoria: Die Sanierung beginnt

Ganz weiß wird das Regensburger Römertor selbst nach den Arbeiten nicht sein. Die Baustelle verärgert Geschäftsleute.
Von Martin Kellermeier, MZ

Seit Montag steht das Gerüst rund um die Porta Praetoria in der Gasse „Unter den Schwibbögen“. Foto: Stadt Regensburg

Regensburg.Das wichtigste Regensburger Römer-Denkmal ist eingerüstet: die Porta Praetoria, das römische Lagertor. Jede Touristengruppe bestaunt den Torbogen von Castra Regina. Seit Montag ist er verhüllt. Arbeiter haben ein Gerüst um das Denkmal gebaut – ohne dabei einen einzigen Dübel in die historischen Mauern zu schlagen. Drei Millionen Euro kostet die Sanierung. Bund, Stadt und der Welterbe Kulturfonds teilen sich die Kosten.

Das Gerüst bleibt bis November dieses Jahres stehen, die Arbeiten dauern bis Ende 2017. Beim Pressetermin am Donnerstagnachmittag erklärte Stadtarchäologe Dr. Lutz Dallmeier, dass die Porta Praetoria trotz Fassadensanierung nie ganz weiß werden könne: „Das liegt an den schwarzen Krusten am Mauerwerk. Unter ihnen hat sich eine Gipsschicht gebildet. Das heißt: Tragen wir die Krusten unvorsichtig ab, bröselt der Kalkstein mit.“ Bei manchen Steinen wird sich die schmutzig wirkende Krustenschicht nicht vollständig entfernen lassen. „Da haben wir dann am Ende einen Fleckerlteppich“, sagte der Stadtarchäologe.

Wie muss man sich den Restaurierungsprozess genau vorstellen? Stadtarchäologe Dr. Lutz Dallmeier erklärt das im MZ-Video.

Stadtarchäologe Dr. Lutz Dallmeier erklärt im MZ-Video, was die Restaurierung der Kalksteine so schwierig macht. Video: Kellermeier

Für jeden Stein ein eigenes Rezept

Nächste Woche beginnen die Sanierungsarbeiten – völlig geräuschlos. Denn erst einmal müssen die Arbeiter für jeden Stein ein „Rezept“ erstellen, dann kann mit der eigentlichen Restaurierung begonnen werden. Dr. Dallmeier: „Das wird dann etwa ab der zweiten Jahreshälfte sein.“

Die Verschmutzung an der Fassade schob der Stadtarchäologe vor allem auf den Verkehr in der Gasse „Unter den Schwibbögen“. Dr. Dallmeier zitierte eine Messung aus dem Jahr 2005: „Da sind täglich rund 2600 Autos durchgefahren.“ Die Sanierung ist notwendig. Die Schadstoffe haben dem Bauwerk aus der Zeit um 179 n. Chr. zugesetzt.

Die Porta Praetoria

  • Geschichte:

    Die Porta Praetoria war das „Ausfalltor“ des Nordportals des römischen Legionärslagers „Castra Regina“. Das Bauwerk ist, neben der „Porta Nigra“ in Trier, die einzige erhaltene römische Toranlage nördlich der Alpen.

  • Sanierung:

    Die Arbeiten dauern bis Ende 2017 und kosten drei Millionen Euro. Neben der Restaurierung der Kalksteine wird der Vorplatz neu gestaltet. Außerdem entsteht im Innenraum ein Info-Bereich für Touristen.

Der Verkehr fließt während der Sanierungszeit an der Baustelle vorbei. Der Bürgersteig vor der Porta Praetoria ist gesperrt. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs zeigte sich beim Pressetermin erfreut, dass die Arbeiten jetzt beginnen: „Die Regensburger identifizieren sich mit der historischen Altstadt. Diese Sanierung hat mit der Zukunft der Stadt zu tun.“

Ähnlich sah das der kaufmännische Leiter der Brauerei Bischofshof, Karl Beck. Dem Unternehmen gehört das Gebäude, mit dem die Porta Praetoria verbunden ist. „Das ist ein identitätsstiftendes Bauwerk“, sagt er.

Neben der Außensanierung werden auch die Innenmauern restauriert. Nach den Arbeiten soll die Porta Praetoria für Touristen zugänglich sein. In einem multimedialen Bereich können sich Besucher dann die Geschichte des Bauwerks und des Römerlagers ansehen. Neu gestaltet wird auch der Vorplatz des Denkmals.

„Baustelle verscheucht Touristen“

Das hält Goldschmied Stefan Zimmerer für wichtig. „Trostlos“ war die Porta Praetoria für ihn vor der Sanierung. Seine Goldschmiede liegt direkt gegenüber dem Denkmal, das in seinen Augen in der Vergangenheit stiefmütterlich behandelt wurde. Zimmermann: „Ich hoffe, dass durch die Sanierung der ganze Bereich aufgewertet wird.“

Boutique-Besitzerin Helga Wagner-Alesi schimpft: „Wegen der Baustelle machen ich Einbußen.“ Foto: Kellermeier

Helga Wagner-Alesi sieht das anders. Sie betreibt die Boutique „Coco“ seit elf Jahren und fühlt sich schikaniert. „Ich finde das katastrophal. Da gehen ja dann keine Touristen mehr vorbei.“ Sie sind für Wagner-Alesi in der Sommersaison wichtige Kunden, im Vorbeigehen kaufen sie „kleine Sachen wie Schals und Schmuck“. Wagner-Alesi sagt verärgert: „Die Baustelle ist geschäftsschädigend.“ Das sei auch das Aus des Parkplatzes am Donaumarkt für sie gewesen. Darüber hat auch erst ein Wirt in der Ostengasse geschimpft. Helga Wagner-Alesi bilanziert: „In der Gasse würde ich kein Geschäft mehr eröffnen.“

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