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Regensburg
Mittwoch, 13. Dezember 2017 5

Auftakt

Projekte in der Warteschleife

RKK, ZOB, ÖPNV: Wie steht es um die Projekte beim Regensburger Hauptbahnhof? Wir präsentieren den aktuellen Sachstand.
Von Heike Haala, MZ

Der zentrale Omnibus-Bahnhof: Vorrang für Busse, weniger Autos

Im Bereich des Hauptbahnhofs soll ein neuer Omnibus-Bahnhof entstehen. Für die Stadt das dringendste Projekt. Foto: Lex

Wer mit dem Zug in Regensburg ankommt, dem fallen die Schwächen des Altstadteingangs ins Auge: Welcher Weg führt zu den Bussen in die Stadt, welcher zu denen ins Umland? Die Orientierung fällt schwer, der Verkehr fließt hier langsam, Konflikte zwischen Bus-, Taxi-, Auto- oder Radfahrern sowie Fußgängern sind vorprogrammiert. Davon abgesehen, dass so eine Ankunft in Regensburg nervig sein kann, werden die Wenigsten den Anblick des Bahnhofsvorplatzes genießen. Er gilt als Angstraum. Deswegen soll das Umfeld laut eines Stadtratsbeschlusses aus dem Jahr 2010 verbessert werden. Die Busbahnhöfe vor dem Bahnhof und in der Albertstraße sind allerdings am Ende ihrer Kapazitäten angelangt. Es gebe keinen Raum mehr, um die Linien und die Taktung zu verbessern, sagt Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann. Die Stadt will dieses Projekt als Erstes angehen. Zunächst soll die momentan laufende, aber heftig umstrittene Bürgerbefragung Aufschluss darüber geben, wie der Bereich einmal aussehen könnte.

Die Albertstraße ist an der Kapazitätsgrenze. Foto: Lex

Trotzdem stehen für die Baureferentin einige Aspekte bereits jetzt fest: Der Busbahnhof in der Albertstraße hat ausgedient. Ob Umland- oder Stadtverbindungen – alle Omnibusse sollen nach der Umgestaltung vor dem Bahnhof ankommen und abfahren. Weiter soll Autofahrern der Bereich vor dem Hauptbahnhof nicht mehr zur Verfügung stehen. Aber die Fahrer werden ihre Gefährte in einer Tiefgarage abstellen können. Zudem wird wesentlich weniger Autoverkehr durch die Maximilianstraße in Richtung Ernst-Reuter-Platz fließen. Schimpfermann weiß: Bei diesem Thema wird die Stadt die Bürger überzeugen müssen. Die Rahmenbedingungen für die Umgestaltung sind einstweilen noch nicht klar: Zwar gehört der notwendige Baugrund für die Umgestaltung weitestgehend der Stadt. Ein kleiner Fleck vor dem Bahnhof aber ist Eigentum der Bahn. Mit der hat die Stadt eine Planungsvereinbarung getroffen. Sobald es an den Umbau geht, werde ein Gestaltungsvertrag oder eine Pacht dafür vereinbart. Laut Schimpfermann könnten die Bauarbeiten im Jahr 2020 starten und innerhalb von 15 Jahren abgeschlossen sein – solange der Untergrund keine Überraschungen bereithält. Diese Überraschungen könnten von archäologischen Sensationsfunden bis hin zu nicht ausgelösten Zündern an Weltkriegsbomben alles sein. Ebenfalls noch nicht absehbar sind die Kosten dieser Umgestaltung.

Sehen Sie hier ein Interview mit Baureferentin Christine Schimpfermann:

Interview mit Christine Schimpfermann

Das Regensburger Kultur- und Kongresszenturm: Beschlossen, empfohlen und umstritten

Der weitaus größte Zankapfel bei der Neugestaltung des Bahnhofsareals ist das geplante Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) – und das schon ewig. Seit 33 Jahren diskutiert Regensburg nun über dieses Thema. In dieser Zeit kam es zu mehreren Gutachten, Standortdebatten, Bürgerbegehren und Beschlüssen. All diese alten Konflikte sind wieder aufgebrochen, nachdem der Wortlaut des Fragebogens für die Bürgerbefragung bekannt wurde. Und die Wortführer der verschiedenen Positionen sind laut. Manche Regensburger stellen die Notwendigkeit eines RKK an sich in Frage und drohen sogar mit einem weiteren Bürgerbegehren, manche haben Zweifel am Standort, manche am Raumkonzept. Andere wollen den Wirsing-Turm am Ernst-Reuter-Platz erhalten und wieder andere stellen sich hinter das Keplerareal als Neubau-Standort sowie das bestehende Raumkonzept mit großem und kleinem Saal (1800/800 Besucher) sowie Seminarräumen, fordern dafür aber, es schnell zu verwirklichen.

An dieser Stelle soll das Kongresszentrum entstehen – es ist ein umstrittenes Projekte. Foto: Lex

Kürzlich bestätigte eine Gutachterin der Stadt, dass das geplante RKK auch in Zukunft wirtschaftlich betrieben werden könnte. Ob dieses Gutachten aber Bestand haben kann, wird erst klar sein, wenn das Ergebnis der Bürgerbefragung feststeht. Das soll Anfang kommenden Jahres der Fall sein. Ebenso unklar, wie die Zukunft des RKK, sind die Rahmenbedingungen, innerhalb derer es verwirklicht werden kann: Denn auch, wenn der Standort am Ernst-Reuter-Platz für die Stadt feststeht, das Baugrundstück für das umstrittene Projekt hat sie noch nicht. Das gehört im Moment noch der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung.

Das RKK ist ein großer Zankapfel. Foto: Lex

Eine Option auf einen Erbpachtvertrag ließ die Stadt Ende Oktober 2016 ungenutzt, um die Bürgerbefragung starten zu können. Sie wurde um ein Jahr verlängert und kürzlich bis ins kommende Jahr – um das Ergebnis der Bürgerbefragung abzuwarten. Dem aktuellen Gutachten zufolge könnte alleine der Bau des RKK mit 75 Millionen Euro zu Buche schlagen, hinzukommen laufende Kosten für den Betrieb. Das RKK wäre nach dem zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) das zweite Projekt auf dem Zeitplan der Stadt. Schimpfermann stellt in Ausschicht, dass es in 15 Jahren fertig sein könnte, wenn es richtig schnell geht. Denn die Planungs- und Bauphasen des RKK und des ZOB werden eng miteinander verwoben sein. Probleme beim Baurecht oder archäologische Funde im Untergrund könnten das Projekt in die Länge ziehen.

Die Bürgerbefragung bringt Konflikte mit sich

Die Stadtbahn und ihre Trasse: Unabsehbares Neuland

Regensburg braucht ein besseres ÖPNV-System. Die Trasse wird über die Galgenbergbrücke führen. Foto: Lex

Seit einem Jahr werden die Forderungen nach einer Straßenbahn auf Schienen wieder lauter. Mit der Gründung des „Bündnis für einen höherwertigen ÖPNV im Raum Regensburg“ nahm die Debatte Fahrt auf. Von den eindeutigen Forderungen des Bündnisses einmal abgesehen, sprachen sich Mitte Oktober auch von der Stadt beauftragte Gutachter für die Beschleunigung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) per Tram aus: Ein Schnellbus wäre nicht leistungsfähig genug, er würde dem ÖPNV nicht genug Gas geben, so das Fazit der Experten. Wie die Stadt bei diesem Thema weiter verfährt, ist indessen unklar. Die Grundsatzentscheidung für oder gegen eine Stadtbahn soll nach der Anhörung der Regensburger Verbände der Stadtrat im Frühjahr 2018 treffen, sagt Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann. Ob die Stadtbahn einmal auf Reifen oder Gleisen unterwegs sein wird, werde sich – sollte sie kommen – erst zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen. Dieses Projekt ist von allen Vieren am wenigsten absehbar. Schimpfermann nennt weder einen Zeit- noch einen Kostenrahmen für die Verwirklichung. Gutachter Helmut Koch rechnet für die empfohlene Tram mit fünf bis zehn Jahren Bauzeit und Kosten von 265 Millionen Euro für die Infrastruktur sowie sechs Millionen Euro für den Betrieb im Jahr. Die Stadtbahn könnte über die Galgenbergbrücke und durch dir D-Martin-Luther-Straße fahren.

Die Galgenbergbrücke müsste breiter werden Foto: Lex

Also muss auch dieses Thema bei den weiteren Planungen für das Bahnhofsareal berücksichtigt werden. Kommt die Stadtbahn, muss laut Schimpfermann auf jeden Fall der Autoverkehr in der D.-Martin-Luther-Straße reduziert werden. „So ein System macht nur auf einer eigenen Spur Sinn“, sagt sie. Breiter werden dagegen müsste dann die Galgenbergbrücke. Ob nach links, nach rechts oder mit einem weiteren Brückenschlag – das wird erst nach der Fertigstellung des zentralen Omnibus-Bahnhofs feststehen. Eine Stadtbahn, wäre „Neuland“ für die Stadt; ungefähr so, als ob Regensburg einen Flughafen baut. Dann werden sowohl die Stadt als auch die Stadtwerke Personal einstellen müssen, das weiß, wie man so etwas plant, baut und betreibt. Zunächst aber sollen die Regensburger Bürger ihre Meinung auch zu diesem Thema abgeben – im Dezember und im Januar auf einem Online-Portal der Stadt nach der Bürgerbefragung. „Damit niemand durcheinander kommt“, sagt Schimpfermann.

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Der Alleengürtel: Die große Sorge um die Bäume

Der Alleengürtel ist für viele Regensburger Naherholungsgebiet. Er soll erhalten und gestärkt werden. Foto: Lex

Ob es das Regensburger Kultur- und Kongresszentrum (RKK) ist, der zentrale Omnibus-Bahnhof (ZOB) oder die Trasse für eine mögliche Stadtbahn: Der Bereich, der neu gestaltet werden soll, liegt mitten im Regensburger Alleengürtel. Sowohl die Gestaltung des Parks um das Schloss, als auch der Baumbestand beim Peterskirchlein am Keplerareal und die bisher einzige Schwachstelle des die Altstadt umgebenen Grünstreifens zwischen Ernst-Reuter-Platz und dem Ostpark an der D.-Martin-Luther-Straße werden also von den weiteren Planungen betroffen sein. Das schürt nicht nur die Ängste der Umweltschützer und Denkmalpfleger, sondern auch die der Bewohner der Innenstadt. Vor allem für diese Regensburger ist der Alleengürtel Naherholungsgebiet und Gartenersatz. Es ist klar: Wer hier Hand anlegt, muss sich erklären. Und es wird in jedem Fall Hand an die Bäume angelegt werden müssen, das macht Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann unumwunden klar. „Aber es werden lediglich so wenig Eingriffe wie nötig vorgenommen“, beteuert sie. Dennoch werden sowohl der Umbau Bahnhofsvorplatzes, als auch die Arbeiten am RKK Baugruben und Zufahrten für Baufahrzeuge erfordern.

Umweltschützer sorgen sich um den Park. Foto: Lex

Hinzu kommt: Erst wenn Klarheit über die Trasse einer eventuell notwendigen Stadtbahn herrscht, kann mit Sicherheit gesagt werden, wo an dieser Stelle noch Platz für Bäume ist. An diesem Teilprojekt wird klar, wie eng die einzelnen Aspekte bei der Neugestaltung des Bahnhofsareals miteinander verzahnt sind. Die Stadt plant den Baumbestand Stück für Stück. Wo ein Teil des ZOB oder des RKK fertig wird, kann der neue Baumbestand gepflanzt werden. Deswegen ist auch nicht klar, bis wann die Stärkung des Alleengürtels realisiert werden kann. Sie wird laut Schimpfermann den gesamten Prozess der Umgestaltung des Bahnhofsareals über andauern. Dennoch ist sich die Baureferentin sicher, dass der Baumbestand und der Alleengürtel am Ende des Prozesses gestärkt dastehen werden. Sie verweist dazu auf einen weiteren Aspekt zum Thema Bäume: „Grün ist nie statisch.“ Ihrer Ansicht nach werden einige Bäume während der Umbauarbeiten ohnehin am Ende ihrer Lebenszeit ankommen und gefällt werden müssen: „So wie es beispielsweise im Herzogspark notwendig war.“ Allerdings räumt sie auch ein, dass es 20 bis 25 Jahre dauern kann, bis klar ist, wie sich neu gepflanzte Bäume ins Gesamtbild des Alleengürtels einfügen.

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