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Regensburg
Dienstag, 21. November 2017 7

Justiz

Prozess um verbranntes Kind beginnt

Ein Ehepaar soll seinen Sohn seinen Qualen überlassen haben. Die Anklage lautet auf versuchten Mord durch Unterlassen.
Von Marion von Boeselager, MZ

  • Ab Mittwoch stehen die Eheleute wegen versuchten Mordes, Misshandlung von Schutzbefohlenen sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen in Regensburg vor Gericht. Foto: dpa
  • Im Verkaufsraum der Tankstelle in Cham wurde eine Mitarbeiterin auf die Verletzungen des Jungen aufmerksam. Foto: Kellermeier

Regensburg.Unfassbare Grausamkeit und Kaltherzigkeit soll ein Elternpaar aus Waldmünchen (Lkr. Cham) an den Tag gelegt haben: Zunächst fügte die 37-jährige Mutter ihrem fünfjährigen Sohn im September vergangenen Jahres durch Unachtsamkeit schwere Verbrennungen am ganzen Körper zu, so die Staatsanwaltschaft. Dann überließen die Eltern ihr lebensbedrohlich verletztes Kind ohne Behandlung seinen Qualen. Ab Mittwoch stehen die Eheleute wegen versuchten Mordes, Misshandlung von Schutzbefohlenen sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung durch Unterlassen in Regensburg vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts. Dem Ehemann (37) wirft die Staatsanwaltschaft zudem Diebstahl, der offenbar psychisch kranken Ehefrau fahrlässige Körperverletzung und Bedrohung vor.

Eltern ignorierten vor Schmerzen schreiendes Kind

Der Vater des Kindes sitzt in der JVA Regensburg in Untersuchungshaft. Foto: km

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Waldmünchner, der derzeit in der JVA Regensburg in Untersuchungshaft sitzt, im September letzten Jahres aus einem geparkten Auto ein Navigationsgerät sowie weitere Gegenstände gestohlen. Seine Frau wollte danach im Garten ihres Wohnhauses einen Teil der Sachen verbrennen. Obwohl die fünf Kinder des Paares in unmittelbarer Nähe spielten, übergoss die Mutter die Gegenstände mit Benzin und steckte sie mit einem Feuerzeug in Brand. Doch dabei entzündete sich der Benzinkanister in ihrer Hand. In Panik schleuderte sie ihn von sich. Die brennende Flüssigkeit traf den Körper ihres fünfjährigen Sohnes, der sofort in Flammen stand. Die Frau erstickte das Feuer mit einer Jacke und kühlte die Verletzungen des Kindes mit Wasser.

Der Bub erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades an Rumpf, Gesicht, Schulter und Arm. Mehr als 15 Prozent des Körpers waren betroffen. Obwohl die Eltern sich noch am selben Tag ausführlich im Internet über die Schwere der lebensbedrohlichen Brandwunden informierten, die eine sofortige Behandlung auf einer Intensivstation erfordert hätten, unternahmen sie nichts, so die Vorwürfe. Sie versorgten den Kleinen nicht einmal mit genügend Flüssigkeit. Stattdessen vergnügten sie sich nach Angaben der Anklagebehörde mit Sexspielen und der Suche nach Erotikpartnern. Anstatt sich um das vor Schmerzen schreiende Kind zu kümmern, posteten sie Fotos von sich im Internet.

Morddrohungen gegen Zeugin

Mehrere Tage nach dem Vorfall fuhren die Eltern mit dem schwer verletzten Buben zum Tanken. Dabei wurde die Tankstellenpächterin auf den Zustand des Kindes aufmerksam und informierte Polizei und Jugendamt. Die Mutter soll danach Morddrohungen gegen die aufmerksame Pächterin geäußert haben.

Der Fünfjährige wurde in lebensbedrohlichem Schock-Zustand zunächst in die Sanaklinik Cham, dann in weitere Spezialkliniken transportiert. Er musste sich mehreren Operationen unterziehen. Weitere stehen bevor. Er wird wohl sein Leben lang unter den schweren körperlichen und seelischen Schädigungen leiden müssen.

Für die Mutter des Kindes, die sich in einer psychiatrischen Klinik befindet, geht es in dem Verfahren um ihre dauerhafte Unterbringung in der Forensik. Der Prozess ist auf 13 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird Ende November erwartet.

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