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Regensburg
Mittwoch, 13. Dezember 2017 5

Rollsport

Rasantes Tempo und harte Blocks

Das Rolling Rat Pack richtete die erste Bayerische Meisterschaft in der Geschichte des Roller Derbys in Regensburg aus.
Von Maximilian Frickel, MZ

  • Regensburgs „Jammerin“ Strasny Sputnik (Nummer 76) beim Spiel um Platz drei gegen Augsburg Fotos: Brüssel (5)
  • Unterstützung bekam am Wochenende nicht nur das Regensburger Rolling Rat Pack. Zuschauer aus allen Ecken Bayerns zog es nach Regensburg. Der Rat Cheer Squad wächst.

Regensburg.Schon während des Turniers bekommt Julia Sperber das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Ihre Freude, dass das Rolling Rat Pack Ausrichter der allerersten Bayerischen Roller Derby Meisterschaften sein darf, scheint die gesamte Sporthalle der Clermont-Ferrand-Schule zu füllen. Dabei ist die Halle ohnehin schon voller Fans, Spielerinnen und einigen Schiedsrichtern.

Julia Sperber ist Spielerin der Rat Packs, nimmt aber aufgrund einer Verletzung nicht aktiv am zweitägigen Turnier teil, sondern kümmert sich um die Organisation.

Die zahlreichen Zuschauer sehen von oben zu, was unten in der Halle passiert. Nach unten dürfen sie nämlich nicht. Denn dort geht es zur Sache, und eine Kollision mit einer der Spielerinnen wäre sicherlich unangenehm für beide Seiten. Von der Tribüne also feuern die Anhänger ihre Mannschaften an, Runde um Runde – Punkt für Punkt.

Den „Track“, also das Spielfeld abzukleben, war für die Regensburgerinnen, die auch schon das ein oder andere Ligaspiel ausgerichtet haben, nur noch Formsache. Eine komplette Landesmeisterschaft auf die Beine zu stellen, war aber auch für die Rats eine neue Erfahrung.

Gutes Spiel gegen Top-Favoriten

Doch sowohl Planungsphase als auch die Meisterschaft liefen problemlos und einwandfrei ab. „Wir sind ohnehin ein sehr gut organisiertes Team – wir haben also nicht groß umstrukturieren müssen, jeder hatte seine Aufgabe und die hat er auch gewissenhaft erledigt“, sagt Sperber und lobt das Engagement der Mannschaft und der freiwilligen Helfer. Denn erst diese Helfer und die finanzielle Unterstützung mehrerer Sponsoren machten die ersten Landesmeisterschaften in der Geschichte der noch jungen Sportart überhaupt möglich. Bereits im ersten Spiel, gegen das Bundesligateam aus München zeigen die Rats auf der ovalen Bahn ihr Können. Die Vollkontaktsportlerinnen aus Regensburg geben alles – volle Geschwindigkeit, harte Blocks und viele Punkte bejubeln die Zuschauer.

Als Pivot kämpft sich hier „Bat Ass“ beim Spiel des Rat Pack gegen die Augsburger Rolling Thunder durchs gegnerische Pack.

Die Rollschuhe, die für die meisten Erwachsenen nur noch eine bloße Kindheitserinnerung sind, scheinen zu qualmen.

Trotzdem reicht es für das Rat Pack gegen den späteren Sieger Munich Dynamits nicht zu einem Sieg. Nach einer Stunde harten Kampfes leuchtet das Ergebnis auf der Anzeigentafel auf: 128 zu 43. Das hört sich nach klarer Niederlage an, doch bereits vor dem Spiel war dem Rat Pack bewusst, was für ein harter Brocken da auf es zukommt: „Natürlich gehen wir mit der Einstellung in das Turnier, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen, aber gegen München müssen wir uns natürlich ein anderes Ziel stecken“, sagt Sperber. Mit 43 Punkten erreichen die Regensburgerinnen ihr Ziel. „Für so viele Punkte gegen ein Topteam haben wir beim letzten Aufeinandertreffen mit einem Bundesligisten doppelt so lange gebraucht“, sagt Sperber.

Schutzkleidung ist eminent wichtig. Nicht nur Knie, Ellbogen und Kopf werden geschützt. „H.P. Bashed-her“ trägt auch Mundschutz.

Um einen Punkt im Roller Derby zu erzielen, müssen die gegnerischen Spielerinnen überrundet werden – es geht also darum, wer sich schneller auf den vier Rollen fortbewegen kann. Das hört sich einfach an. Wären da nicht die vier Blocker. Diese haben die Aufgabe, genau das zu verhindern. Der Jammer, also die Person, die die Aufgabe hat, den Gegner zu umrunden, trifft Runde um Runde auf die gegnerischen Blocker – spätestens jetzt macht sich die Schutzkleidung der Sportlerinnen bezahlt. Denn anders als im Fußball ist beim Roller Derby der ein oder andere Zusammenstoß erwünscht – und wird auch hingenommen.

Wie körperbetont das Spiel ist, zeigt sich während des Turniers. Eigentlich sollten fünf Teams an der Siegerehrung teilnehmen. Die Sucker Punches aus Nürnberg reisen am zweiten Turniertag jedoch nicht mehr nach Regensburg. Sie sind lädiert. Zu viele Verletzte forderte der erste Tag.

Kampfnamen ersetzen Klarnamen

Das Spiel gegen die Nürnbergerinnen fällt also ins Wasser. Der euphorischen Stimmung in der Kabine der Rats tut das aber keinen Abbruch. Lediglich der ein oder andere Seufzer nach der hauchdünnen 102:103-Niederlage gegen die „Munichorns“ aus München klingt an. Dafür gewinnen die Rats mit 167:45 gegen die Rolling Thunders aus Augsburg, die im Spiel um Platz drei gleich noch mal auf Regensburgerinnen warten. Und auch dieses Spiel entscheidet die Mannschaft von Trainerin Liebe Linn mit 276 – 155 und sichert sich Bronze.

Liebe Linn“ ist neu beim Rat Pack. Früher bereits in Berlin und den Niederlanden aktiv, leitet sie das Training. „Liebe Linn“ ist nicht ihr richtiger Name, sondern der Kampfname.

Liebe Linn ist neu im Team und Liebe Linn ist nicht ihr richtiger Name. Im Roller Derby ist es üblich, sich Kampfnamen zu geben. Die Schwedin kam mit reichlich Erfahrung aus den früheren Stationen Berlin und den Niederlanden nach Regensburg und übernahm die Leitung des Trainingsbetriebes. „Wir haben uns dank des neuen Trainingsplans unglaublich in der Offense verbessert, davor waren wir eher für unsere Defensiv-Stärke bekannt“, beschreibt Sperber den frischen Wind, der dank Linn in der Mannschaft weht.

Am 9. Dezember gastieren die Rats in Darmstadt, bevor es im neuen Jahr in den Drittliga-Betrieb geht. Zweimal pro Jahr wird das Roller Derby dann in Regensburg ausgetragen. Das Team blickt optimistisch auf die kommende Spielzeit – organisatorisch ist es auf jeden Fall schon mal erstklassig.

Lesen Sie hier:Ein Sport für mutige Mädels.

Die erste bayerische Meisterschaft

  • Vollkontakt:

    Roller Derby ist eine Vollkontakt-Sportart, die auf Rollschuhen (keine Inline-Skates) gespielt wird. Zwei Teams treten gegeneinander an, bestehend aus je einer Jammerin und vier Blockerinnen auf einer ovalen Bahn. Ziel ist, dass die Jammerin die Gegner- Blockerinnen möglichst oft überholt.

  • Wettbewerb:

    An diesem Wochenende findet die erste bayerische Meisterschaft im Roller Derby statt. Austragungsort ist die Clermont-Ferrand-Halle in Regensburg (Clermont-Ferrand-Allee). Am Samstag (Einlass ab 10 Uhr) finden die Qualifikationsspiele, am Sonntag ab 12 Uhr das Spiel um Platz 3 und das Finale statt.

  • Gäste:

    Fünf Teams aus ganz Bayern kommen in die Donaustadt: aus Nürnberg „Sucker Punch“, aus Augsburg „Rolling Thunder“, aus München „Munich Dynamite“ und die „Municorns“ sowie das gastgebende Team, das „Rolling Rat Pack“ aus Regensburg.

  • Unterhaltung:

    Am Samstag sind die Qualifikationsspiele, am Sonntag geht’s ums Treppchen. Die Zuschauer dürfen sich neben spannenden Spielen auf eine internationale Schiedsrichter-Crew, kühle Getränke, leckeres Essen und den einen oder anderen Unterhaltungsakt zwischen den Spielen freuen. Einen Kartenvorverkauf gibt es nicht, beim Einlass in die Halle wird um eine Spende gebeten.

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