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Regensburg
Dienstag, 21. November 2017 7

Soziales

Regensburg schafft günstige Wohnungen

Die Stadt hat das Bosch-Gelände für vier Millionen Euro gekauft und lässt es entwickeln. Das Ziel sind bezahlbare Mieten.
Von Marion Koller, MZ

  • Die alten Gewerbebauten auf dem früheren Bosch-Gelände im Stadtosten lässt die Stadt im kommenden Jahr abreißen. Foto: Lex
  • Die Tafel erinnert noch an den Bosch-Dienst. Foto: Lex
  • Stadtplaner Martin Köstlbacher Foto: Gruber

Regensburg.Beinahe 3000 Menschen pro Jahr ziehen gegenwärtig nach Regensburg. Auch wenn noch nie so viele Wohnungen wie seit 2014 gebaut wurden, stöhnen Durchschnittsverdiener über die hohen Mieten. Und Menschen mit geringem Budget haben kaum eine Chance auf dem Wohnungsmarkt. Das will die Stadt ändern.

Sie hat das ehemalige Bosch-Gelände an der Guerickestraße 35 im Osten für mehr als vier Millionen Euro erworben und plant dort günstige Mietwohnungen, die im Rahmen des Wohnungspakts Bayern staatlich gefördert werden. Die Fläche umfasst rund 5300 Quadratmeter und liegt mitten in einem Gebiet, das lange vernachlässigt wurde und gegenwärtig einen rasanten Wandel erlebt.

Die Kommune wird das Gelände nicht weiterveräußern, sonst würde keine staatliche Förderung fließen. Es sollen zwar ortsübliche (Kalt-)Mieten verlangt werden, doch durch die sogenannte Einkommensorientierte Förderung werden sie laut Anton Sedlmeier, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter nicht überschreiten. Er kann sich vorstellen, dass die Stadtbau GmbH das Bosch-Gelände entwickelt. Doch das letzte Wort hat der Stadtrat, der vielleicht eine Ausschreibung favorisieren wird. Zurzeit ist der Bereich noch als Gewerbefläche deklariert.

Planer: Radlbrücken über die Bahn

Gleich in der Nähe des Bosch-Geländes – nur durch den städtischen Bauhof getrennt – liegt das viel größere ehemalige Lerag-Areal mit 49 000 Quadratmetern, das sich das Immobilienzentrum Regensburg gesichert hat. Der Investor plant dort 275 Miet- und Eigentumswohnungen sowie bis zu 90 Stadthäuser. Immerhin 20 Prozent der Appartements müssen laut städtischer Vorgabe öffentlich geförderter Mietwohnungsbau werden.

Die Wohnbau-Areale fügen sich als Mosaiksteine in die Gesamtplanung für den Südosten ein.

Die Stadt weiß, dass die Lebensqualität zwischen Landshuter Straße, Odessa-Ring, Straubinger Straße und Greflinger Straße spürbar verbessert werden muss. Es gibt zu wenige zusammenhängende Erholungsflächen und der Verkehr auf den großen Magistralen umtost die Viertel. Laut städtischer Pressestelle weisen das Gebiet um die frühere Zuckerfabrik und der Bereich Safferlingstraße „soziale Problemlagen“ auf. Überdurchschnittlich viele Bewohner erhalten staatliche Transferleistungen. Verschiedenste Bevölkerungsgruppen leben auf engem Raum zusammen. 30 Prozent der knapp 9000 Bewohner haben keinen deutschen Pass – der durchschnittliche Anteil von Ausländern an der Regensburger Bevölkerung liegt dagegen bei 13,2 Prozent.

Aus all diesen Gründen wurde der gesamte Bereich zum Untersuchungsgebiet für das Programm „Soziale Stadt“ erklärt. Ein Projektmanager soll angeheuert werden, der Missstände erkennt und nach Lösungen sucht, aber auch Chancen auslotet.

Stadtplaner Martin Köstlbacher vom Regensburger Architekturkreis kennt den Südosten gut, weil er dort in mehrere Vorhaben eingebunden ist. Er fordert für die schon länger bestehenden, die neuen und geplanten Wohngebiete – vom Hohen Kreuz über das Gleisdreieck, Candis und Lerag bis zum Bosch-Areal – eine fußläufige und auch von Radfahrern nutzbare Vernetzung. Das sei natürlich schwierig, weil die Bahn alles trennt. „Alle wollen die Barriere Bahn überwinden“, sagt er. Die Frage sei nur, wer das bezahlt.

Eine Vernetzung der Grünflächen schwebt ihm ebenfalls vor, auch wenn aus der Landesgartenschau nichts wird. Der Stadtplaner vermisst im Südosten einen Ort der Identifikation, „zum Beispiel einen Platz, auf dem man sich trifft, auf dem Veranstaltungen stattfinden können“.

Grün direkt vor der Haustüre

Mit Hilfe des Programms „Soziale Stadt“ könnte die Rad-Vernetzung vielleicht realisiert werden. Seit 1999 unterstützt es die Aufwertung von städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligten Quartieren. Ein geplantes Begegnungszentrum im Kasernenviertel, das ab 2018 gebaut wird, soll das Miteinander der Alteingesessenen und der Neubürger fördern. Eine Leichtathletikhalle, neue Sport- und Erholungsflächen sind geplant. Laut Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra hat die Kommune das Bosch-Gelände auch erworben, um die „Radwegebeziehungen zu verbessern“ und den steilen Safferlinger Steg umzubauen. Vorher reichte die Fläche dafür nicht aus. Entlang der Gleise sollen Radwege das Bosch-Areal an die Innenstadt anbinden.

Amtsleiter Sedlmeier ist überzeugt, dass ein schönes Wohnquartier entstehen wird – nicht zuletzt wegen des Grünbestands direkt vor den künftigen Haustüren.

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Staatliche Förderung

  • Das Bosch-Gelände

    liegt an der Guerickestraße 35 im Stadtosten. Es umfasst 5300 Quadratmeter. Früher gab es dort einen Bosch-Car-Service und ein Küblbeck-Küchenstudio.

  • Das Areal soll im Rahmen des von der Staatsregierung beschlossenen Wohnungspakts bebaut werden. Noch bis 2019 fördert der Freistaat bayernweit bis zu 28 000 neue, staatlich geförderte Mietwohnungen.

  • 1600 Wohneinheiten

    entstanden 2014 in Regensburg, 1350 waren es im Jahr 2015, 1300 im Jahr 2016, heuer waren es bis Juni 405 (wie 2016).

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